Realität und Schein

Während mein Buch (hoffentlich auf einer flachen Parabel) zu mir unterwegs ist, habe ich sowohl im englischen Text, als auch in Euren Blogs verschiedentlich die Namen “Roger” und “Jessica” aufgeschnappt. Mir fiel natürlich der Film “Who framed Roger Rabbit” (Falsches Spiel mit Roger Rabbit) ein. Roger Rabbits grosse Liebe ist doch Jessica?  Ich schaue im Net nach. Es wird nirgends erwähnt, dass Zemeckis als Regissseur oder Spielberg als Producer Pynchon kannten. Ein Zufall? Nun ja. Die V2 hat ja auch nicht immer genau getroffen…

Jessica and Roger Rabbit

Habt ihr den Film gesehen? Roger und Jessica sind beide gezeichnete Comic-Figuren, Toons, die jedoch in unserer dreidimensionalen Welt heimisch sind, genauso wie Scharen anderer uns bekannter, wie Bugs Bunny, Baby Herman, Mickey etc… Unsere Welt und die Welt der Toons sind durch einen – in meiner Erinnerung dunkelgrünen – Tunnel miteinander verbunden. In der Toon-Welt herrscht Hauen und Stechen, Kühlschrank- und Tresorgeschmeisse. Jeder Briefkasten, jeder Laternenmast und jeder Hydrant erwacht zu selbständigem Leben. Die Zeichner erfreuen sich offensichtlich an dem Chaos, das da entsteht. In unserer Welt aus Fleisch und Blut sind die Methoden subtiler. Unser konventioneller Detektiv Valiant (verkörpert von Bob Hoskins) bewegt sich durch beide Welten. Doch halt! “Unsere Welt” ist ja auch nur be(ge)schrieben! Und sie scheint fast ebenso, oder noch chaotischer als die der Toons? Gewiss könnte man etwas im Roman Effi Briest nicht einfach zu Charlotte Roche verwandeln, aber hier bei Pynchon?

Roger ist ein verrücktes Karnickel. Es ist bekannt, dass er, wenn betrunken, ein lautes Pfeifen ausstösst, welches jedes Glas in der Umgebung zersplittern lässt (nein nein, wir sind nicht in Grass’ Blechtrommel). Jessica aber ist eine verführerische Schöne. Sie ist das berühmteste Sex-Symbol aller Comicfiguren. Wenn sie einen anschaut, nonchalant mit der einen Hand das lange Haar hinters Ohr legt, den Busen beben lässt, hört man sie förmlich sagen: „I’m not bad, I’m just drawn that way“. Ihre Idole sind Lauren Bacall, Rita Hayworth und Veronica Lake. Sie trägt keinen Slip, sagt man seit der Erfindung des Laserdisks…. Roger ist stets eifersüchtig, gerät deswegen sogar unter Mordverdacht…..

Jessica and Roger in Gravity’s Reainbow:

Sie sind beide Kinder der Schlacht um England, also des Krieges.

Sie werden “in sinnlichen Zusammenhängen beschrieben”, d.h. sie vögeln, auch leckt Roger Jessica eines Abends in den Schlaf. Nach Angaben des Autors trägt Jessica nie einen BH. Die Bedingungen des Krieges (“Hauen und Stechen”) sind konstituierend für ihre Gemeinschaft. Roger scheint sie jedoch im Laufe des Romans an einen “Jeremy” zu verlieren…..

Roger wird als ein Bursche mit einer Tendenz zum Schreien, im übrigen aber als ein “amusing maniac” geschildert.

Nun könnte ich im Laufe unseres Leseabenteuers bestimmt weitere Ähnlichkeiten zwischen den Figuren in dem Buch (1973) und dem Film (1988) herstellen. Aber vielleicht ist das ja alles meine freie Erfindung?

“(Denn) Pynchons Text ist mit Sätzen beladen, die Möglichkeiten zum Aufbau ganzer Welten aus Assoziationen führen können, die natürlich nicht immer richtig sein müssen.” (rr). Soll ich über die Ursprünge des auch erwähnten Erlenmeyers oder die Schlacht bei Balaclava (The Charge of the Light Brigade) schreiben?

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