Das Panzermädchen

An einem eher trüben Morgen. Draussen fallen eben die ersten Regentropfen. Der stürmische und reichlich böige Lodos trägt viel Dreck aus dem Südosten (was liegt da? Der Nahe Osten?) mit sich. Die See ist stahlblau bis schwarz und trägt kleine weisse Schaumkrönchen. Die Geburt der Venus steht offensichtlich nicht bevor. Zeit, sich in sonnigere Gegenden zu bewegen. Vielleicht Antibes? Ah, auch da ist November. Und niemand (in Worten: niemand) interressiert sich für das dortige Casino und wie Thomas Pynchon es beschreibt. Maike hat uns eine Aufgabe gestellt: wie stelle ich aus Text mehr Text her? Alle sagen: “Gravity’s Rainbow, wir hassen Dich!” Das Buch antwortet: “Bitte rezensiere mich!” Warum nicht? Die Damen rabuliern ja inzwischen in anderen Blogs rum…..

Heute einstweilen nur ne Miniatur:

Die Enden der Parabel – Das Panzermädchen (S.386 – 393)

“… als von draussen ein grässliches Raseln, Klirren und Splittern von Holz zu hören ist. Mädchen kommen mit allen Anzeichen des Entsetzens aus den Eukalyptushainen ins Haus gestürzt, und wer walzt hinter ihnen krachend in das fahle Licht des Gartens? – Niemand anderer als der Sherman-Tank persönlich!”

Gesteuert wird er von Tamara. Er soll allerdings als Bezahlung für eine Ladung Rauschgift dienen, und ist als solche bereits an einen Dritten verpfändet, was ihn allerdings nicht am Schuss (zum Glück für die Partygäste ist’s ein Blindgänger) hindert. Alles das spielt sich auf einer der (im 2.Kapitel) üblichen Parties ab. Der Gastgeber Raoul schweift mit einem Pferd durch die Räume. Eine Nacktbadepartie schnürt zum Pool. Slothrops Hintern werden unzüchtige Angebote gemacht. Draussen kotzen zwei Offiziere in die Zinnien. Alles wirkt also ziemlich surreal (und wird vielleicht unter der Wirkung des der Sauce Hollandaise beigemischten Haschischs wahrgenommen?). Weder der Party-Ausrichter Raoul de Perlimplin noch das Panzermädchen Tamara kommen in der Erzählung weiter vor. Das Ganze hat wohl nur den Zweck, Slothrop als Messinstrument nur für Raketen zu verifizieren, da er auf den Schuss des Sherman-Panzers nicht reagiert,  und bildet ausserdem eine nette Episode innerhalb des Casino-Kapitels. Aber warum nicht? Ist etwa “Alice im Wunderland” (dessen Illustrator Tenniel hier auch erwähnt wird) weniger surreal?

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