Tyrone Slothorp im Odeon

Auf Anraten und mit Hilfe von Blodgett Waxwing (“Wachsflügel”: erinnert Ihr Euch an Dädalus?) – einem Schrank von einem Mann, gewissermassen das Urbild eines Leibwächters (gibts eigentlich auch Seelenwächter?) – entkommt Slothorp dem Cap und seinem Gemisch aus Herkunft, Geilheit und Erinnerung an Parties anderswo, und entflieht in die Schweiz (Später erfahren wir, dass seine Flucht eine überwachte war, doch auch, dass die Beschatter den Amerikaner in Zürich aus den Augen verlieren). Inzwischen ist der langjährige Weltkrieg durch die Kapitulation der Nazis in einen faulen Frieden übergegangen. Die Schweiz war all die Jahre “neutral”, von Agenten und Spionen aller beteiligten Mächte überschwemmt und sozusagen das Sinnbild der Paranoia (welche ja, wie wir aus manchen anderen Zusammenhängen wissen, jeder “geheimen” Tätigkeit, wie etwa der Spionage, irgendwie innewohnt). Noch in den letzten Zuckungen der Bestie Krieg ist Slothorps Freund Tantivy einen inszenierten Heldentod gestorben, wie Tyrone einer liegengebliebenen “Times” entnimmt.

Exkurs 1: Jelineks Übersetzung, durchwegs seriös und treffend, zeigt an einzelnen Worten, dass es österreichisches, deutsches und schweizer Deutsch gibt. In Zürich isst man weder Semmeln noch Mettwurst, sondern Weggli oder Pürli und Bratwurst, und die Cafés heissen nach den Treppen nicht “Stäggeli” sondern höchstens “Stägeli” J

Slothorp jedenfalls trinkt ne Schale im “Odeon”, wo vor ihm schon Joyce, Lenin, Trotzki und Einstein sassen, trifft dort einen Flüchtling aus Argentinien und steigt seinerseits ins Nachrichtengewerbe ein.

Exkurs 2:

Hibou: Ich war auch im Odeon!

Heike Mank: Das tut hier nix zur Sache!!

Hibou: Doch, doch. Hab sogar auch Würstchen gegessen da, UND war in der Leibwächterbranche tätig!

Heike: Du schmales Hemd?

Hibou: Naja, hatte halt keinen Zoot-Anzug…. Aber ich kenne das Niederdorf, den Uetliberg und – wenn es denn unter diesem Namen existieren täte, sogar das Hotel Nimbus!

Heike: Boah, steiler Typ biste…..

Hibou: Und im Schauspielhaus-Café sassen Nadja Tiller und Walter Giller!

Heike: DIE ham nu echt nix mit Slothorp am Hut…..

Im Laufe seiner schweizer Zeit fliegt Slothorp sogar in einer Frachtmaschine nach Genf, schläft im Flug auf Hobelspänen, weshalb er seine Einschlafzigarette SEHR vorsichtig raucht, hält sich also in den Zentren dieser Spionanhäufungen auf (lest ma Eric Ambler, John le Carré, die Highsmith, Simenon oder den einen Engländer, na, wie hiess er noch? İst auch bei Diogenes erschienen, damals noch in gelb), übernachtet, zurück in Zürich, halb erfroren auf Jamfs Grab am Berg….. Ich dachte unwillkürlich an die Tintin-Bände oder an Nestor Burma: “Tyrone bei den Agenten”…..

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