Archive for März, 2011

11. März 2011

Totem

In alten animistischen Zeiten hatte jede Ethnie ihr Totem (meist ein Tier oder eine Pflanze, manchmal auch Berg und Tal). Es bildete das Leitsymbol für alle – und durfte keinesfalls gegessen werden. Der Schamane der Gruppe “verkörperte” dieses Tier. Um ihm als Geist nahezukommen, versuchte man durch körperliche und geistige Strapazen (zum Beispiel lange Wanderungen, langes Fasten, besuchen einer Schwitzhütte, körperliche Schmerzen und vieles mehr) eine Vision herbeizuführen. Gegebenenfalls wurde diese dann durch den Schamanen gedeutet. So hatte, wie ich “Gravity’s Rainbow” entnehme, ein Herrerostamm das Erdschwein als Schutzgeist. Diese Leute assen selbstverständlich kein Erdschwein, nannte sich vielmehr selbst nach ihm.

Fragen dazu:

Gehört das nicht alles einer sehr fernen Vergangenheit an?

Was ist mit denen, die heutzutage kein Schwein essen, regelmässig fasten, lange Wanderungen (z.B. nach Mekka) unternehmen, dabei körperliche Strapazen und vieles mehr auf sich nehmen? Ist es denn ihr Leitsymbol? Und was ist mit denen, die Schwein fressen – ehm, Allesfresser sind?

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7. März 2011

Ein gekapertes U-Boot

Schauplatzwechsel! Wir sind irgendwo auf dem Atlantik. Eine argentinische Gruppe hat ein deutsches U-Boot gekapert und will es nach Deutschland überführen, um dort um politisches Asyl nachzusuchen. Ausgerechnet in Deutschland!. Welch irres Szenario! Einmal abgesehen von der Faszination U-Boot. Die Weite des Horizontes! Das spähende Auge, Periskop dicht über den Wellen, selber im Verborgenen. Der Thrill der Jagd. Sehen und selber (hoffentlich) nicht gesehen werden. Bücher mit Schiffssilhouetten zur Identifikation des Feindes zur Hand. Dort in der Ferne braust ein US- Zerstörer heran! Warum sind so viele Zerstörer unterwegs, und so wenig Aufbauer? Wissen die jungen Leute da eigentlich, dass der Krieg zu Ende ist? Ich las von dem japanischen Soldaten, der jahrzehntelang in einer Erdhöhle aushielt, weil er die Kapitulation nicht mitbekommen hatte…Auch unsere Akteure sind eher Reiter zu Pferd als Seeleute…Und doch: auch da der Horizont!  “Was der Gaucho umreiten konnte, gehörte ihm”

Inzwischen singen sie ein Liedchen zur Gitarre, und endlich hören wir Spanisch:

Aqui me pongo a cantar

Al compás de la vigüela,

Que el hombre que lo desvela

Una pena estraordinaria,

Como la ave solitaria

Con el cantar se consuela.

Erinnert Ihr Euch? Slothrop hatte ihren Abgesandten im Zürcher Odeon getroffen, war dann von diesem zum Essen in die Kronenhalle eingeladen worden (in derselben Kronenhalle sind dieser Tage, 65 Jahre später, die Laptops verboten worden, das ist die neue Auseinandersetzung zwischen Zäunen und Weite, zwischen Zentrum, Ordnung, Disziplin, Eigentum, und Anarchie), hatte für ihn eine wichtige Botschaft nach Genf gebracht….

Auf dem Boot, inzwischen, unter der spanischen Küste, tagsüber auf Tauchstation, des Nachts aufgetaucht, um die Batterien aufzuladen, “sanfte Nacht, vollgeschmiert mit goldenen Sternen”: die gemischte Besatzung: bolschewistische Dichter, ausgeflippte Frauen, Gauchos, kampfgeile Bordingenieure, die sich ein Torpedo- und Geschützduell mit dem amerikanischen Kriegsschiff John E.Badass liefern, dass aber zum Glück durch den heimgekehrten Seaman Bodine mittels raffinierter Drogen verhindert wird… Auch Squalidozzi, ihr Abgesandter, ist inzwischen auf Umwegen über Zürich, Rottweil oder Trossingen und Bremerhaven zurückgekehrt. Er hatte in Süddeutschland ein Gangstertreffen zwischen den Leuten Blodgett Waxwings und Gerhard von Göll mitbekommen, einen Western mit Pferden gesehen! Und von von Göll (dem Springer) eine Zukunftsperspektive in der Lüneburger Heide gewiesen bekommen…. Alles reichlich verrückt und wieder einmal völlig imaginativ und „konfus“!

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1. März 2011

Der Raketenmensch holt sich ne Infektion und begegnet Mickey Rooney (S.562-598)


“Geister von Pferden drehen noch immer ihre frühmorgendlichen Runden durch den Park der Friedenszeit – feiner Staub steigt wie von selbst durch die Sonnenstrahlen über den Reitwegen…”

Berlin, vom Krieg zerfetzt und zerschmettert. Slothrop liegt irgendwo in einem ehemaligen Keller und deliriert im Durchfall. Warum ist der Krieg zu Ende und er kann nicht nach Hause?

Auf tritt Enzian, aber nur in Slothrops Imagination, er gräbt auf der Suche nach der legendären 00000 mit einem Trupp Hereros (“Schwarzkommando”) eine der letzten Raketen, einen Blindgänger, aus dem Berliner Schlamm, auf tritt aber vor allem Emil “Säure” Bummer, berüchtigtster Einschleichdieb und Kiffer der Weimarer Republik, der, flankiert von zwei Mädchen, irgendwo beim Grossen Stern und lange nach der Sperrstunde dem Rocketman Züge aus seinem Reefer (Joint) anbietet und bald mit ihm ins Geschäft kommt. Das wird in der “Chicago-Bar” fortgeführt, wo ein wuchtiger amerikanischer Matrose Balladen im Country-Stile von sich gibt. Es ist Bodine vom amerikanischen Zerstörer John E. Badass aus Cuxhaven, Säures Kontaktmann, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat. Vor dem Krieg hatte er ein Kilo reinstes Haschisch in Potsdam vergraben, nun ist da die Konferenz zur Teilung Deutschlands und Europas, und die russischen Soldaten lassen keine Fliege passieren. Aber der Raketenmann Slothrop soll die Kohlen aus dem Feuer holen (gegen angemessenes Entgeld natürlich).

Im Dunkeln kriechend und sogar schwimmend – denn der gesuchte Stoff liegt am Griebnitzsee vergraben – erreicht Slothrop in seinem eher lächerlichen Rocketman-Kostüm den Ort des Verlangens, nur um dort durch die hell erleuchteten Fenster einer Villa die Andrew-Sisters und Mickey Rooney zu erkennen schliesslich von seinen Beschattern eingefangen und betäubt zu werden…..