Archive for Oktober, 2014

8. Oktober 2014

Fussnoten VI: Chickadee

Bucharin-Konspiration (Dr.Porkjewitsch wird damit in Verbindung gebracht):

“Nikolaj Iwanowitsch Bucharin (1888-1938) war ein sowjetischer Politiker und marxistischer Theoretiker.
Er studierte Nationalökonomie an der Universität in Moskau und schloss sich 1906 den Bolschewiki an. 1911 wurde er verbannt konnte aber nach Deutschland fliehen. Ab 1916 lebte er in New York und brachte eine radikale Zeitung heraus kehrte im März 1917 nach Moskau zurück.
Er beteiligte sich an der Oktoberrevolution . 1919 kam Bucharin ins Zentralkomitee ; von 1917 bis 1929 war er Chefredakteur der Parteizeitung Prawda (Wahrheit). Er schlug sich zunächst auf die Seite Stalins um Trotzkis Pläne zu durchkreuzen.
1926 – 1929 war er Vorsitzender des Exekutivkomitees der Komintern .
1929 agitierte er gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Fünfjahrespläne und außerdem gegen den Trotzkismus . Er wurde im Gegensatz zu Trotzki als „rechter Abweichler der Parteilinie“ bezeichnet.
1934 wurde er rehabilitiert als die Gefahr durch ihn für die Parteilinie gebannt schien.
Nun verband sich die „trotzkistische Opposition“ mit der „rechten unter dem „Banner des Trotzkismus”, um “gegen die Kollektivierung und deren Erfolge” zu agieren.
Bucharin wurde 1937 der Prozess wegen Hochverrat gemacht und 1938 wurde er erschossen. (Wikipedia)

RHIP (303):
“Rank has its privileges”

Gagatohrringe (313):
Gagat oder Jet
Herkunft: Bitumensierende Kohle, fossiles Holz. Härte nach Mohs: 3 bis 4. Farbe: Mattschwarz bis hochglänzend Schwarz.
Sehr häufig in altem Schmuck vorkommend, vorwiegend im Trauerschmuck zu finden. Bei Reparaturen muss bei diesem Schmuckstein äußerst vorsichtig vorgegangen werden, da jede unbedachte Handlung die fossile Substanz beschädigt. Genauer gesagt bedeutet dies keine Wärme, da er gut brennbar ist und mit rußiger Flamme an der Luft verbrennt. Man spricht auch vom Ausgasen. Säure und Säureverbindungen beschädigen den Stein. Auch der Alaunsud greift die Oberfläche an. … (Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler)

Chickadee (315)
The chickadees are a group of North American birds in the tit family included in the genus Poecile. Species found in North America are referred as chickadees, while other species in the genus are called tits. They also have quick movements and are notably shy.

“Five little chickadees knocking at the door
One flew away and then there were four.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Four little chickadees singing in a tree
One flew away and then there were three.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Three little chickadees didn’t know what to do
One flew away and then there were two.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Two little chickadees sitting in the sun
One flew away leaving only one.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
One little chickadees not having any fun
She flew away and then there were none.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.”

Arbella (324)
Arbella or Arabella[1] was the flagship of the Winthrop Fleet on which, between April 8 and June 12, 1630, Governor John Winthrop, other members of the Company (including Dr. William Gager) and Puritan emigrants transported themselves and the Charter of the Massachusetts Bay Company from England to Salem, thereby giving legal birth to the Commonwealth of Massachusetts. John Winthrop is reputed to have given the famous „City upon a Hill“ sermon aboard the ship. Also on board was the first European female poet to be published from the New World, Anne Bradstreet and her family, and the ancestor of Lt. Tyrone Slothorp, main character of “Gravity’s Rainbow”
The ship was at first known as Eagle. Her name was changed in honor of Lady Arabella Johnson, who was a member of Winthrop’s company, along with her husband, Isaac Johnson.[2] Lady Arabella was the daughter of Thomas Clinton, 3rd Earl of Lincoln.[3]

Beguine (363):
Die Beguine (andere Schreibung: Biguine) wird oft als Gesellschaftstanz im lebhaften 4/4-Takt verstanden, aber auch als Musikstilrichtung. Mit Beguine bezeichnen die Tänzer vor allem aber eine der Rumba ähnliche langsame Musik, die sie oftmals an Stelle der zu schnellen Rumbamusik setzen. Auf der Insel Martinique wird von den Einheimischen auch der Tango als Beguine bezeichnet.
Der Tanz entstand im 19. Jahrhundert auf den damals zu Frankreich gehörenden Kleinen Antillen, wo sich einheimische karibische Elemente mit durch afrikanische Einwanderer dorthin gelangten Einflüssen des Bélé verbanden. Der Name Beguine leitet sich vom französischen s’embéguiner (dt.: mit jemandem flirten, um jemanden werben) ab. In seinen drei Hauptformen (béguine de salon, béguine de bal und béguine de rue) gelangte der Tanz bald auch nach Paris und von dort, besonders durch die Kolonialausstellung von 1931, in andere Erdteile.
Der amerikanische Komponist Cole Porter ließ sich von der Musik, die er in Paris kennenlernte, zu seinem Welterfolg „Begin The Beguine“ (1935) inspirieren. Als Adaption des Beguine gilt auch die originale Erkennungsmelodie der TV-Serie Star Trek von Alexander Courage.
Der Tanz Beguine ist nicht zu verwechseln mit der religiösen Gemeinschaft der Beginen, die in manchen Sprachen genauso (bzw. Béguine) geschrieben wird wie dieser.
(aus Wikipedia)

8. Oktober 2014

Songs

1 Jenseits der Null

ic heb u liever dan ên everswîn

al waert van finen goude ghewracht

(ich hab auch lieber dann ein eberschwein

allwert von feinem gold gebracht – übers. Buh – mittelniederländisch)

(175)

Wo steckt denn meine süsse Lola, hat Kurven wie ’ne Flasche Cola? (208)

In dulci jubilo…

(Makkaronisches von Heinrich Suso) (209, 217ff)

Bei der Postverwaltung überlegt man schon, eine Liste der unerwünschten Lieder aufzustellen…” (214)

In Knightsbridge wimmelt es von Menschen, im Radio dröhnen Weihnachtslieder, die U-Bahn ist ein Schlachtfeld, nur Pointsman ist ganz allein” (270) („And the crowds they swarm in Knightsbridge, and the wireless carols drone, and the Underground’s a mob-scene, but Pointsman’s all alone“ Sung to the tune of the Kinks‘ „A Well-Respected Man“)

…um irgendein Stück von Ernesto Lecuona zu hören, wahrscheinlich ‚Siboney’…” (272) (Maudie Chilkes hört es, nachdem sie Pointsamn in einer Abstellkammer einen Blowjob gab)

…er liebt es, die Basspartie von Diadem zu üben…” (273) (Pointsmann hat ne wuderbare Gesangsstimme. “Diadem” = aus: All Hail the Power of Jesus‘ Name, James Ellor)

Gwenhidwy summt ‚Aberystwyth’” (275) (komponiert von Joseph Parry, Aberystwyth ist eine Stadt in Wales) (es ist Weihnachtstag)

Oh, lasst euch nicht holen,

Es kommt, wenn sie’s wollen,

Doch da ist etwas, was ihr nicht seht:

Es ist gross und garstig und ist euch ganz nah,

Es wetzt seine Krallen und will euch ans Haar!

Der Gemüsemann sieht einen Regenbogen,

Der Tonnenmann hat sich am Schlips gezogen,

Und alles stimmt ein in den alten Refrain

Mit ’nem Dropsgesicht hoch am Himmel dro-hoben!

Mit ’nem Dropsgesicht hoch am Himmel dro-hoben,

Und ’nem alten Traum mit nicht mehr viel dran,

Kommt das Tortenstück schon auf euch zugeflogen,

Und unser Stück fängt auch gleich an!

Oh, der Tommy schläft heute nacht draussen im Schnee,

Und die Jerries, die lernen das Fliegen,

Und wir fliegen zum Mond, der am Himmel hoch thront,

In dem Plastikhaus, das wir bestiegen…” (usw.)

(Im Theater gibts “Hänsel und Gretel”, als jedoch eine Rakete nahebei niedergeht, tritt Gretel unplanmässig an die Rampe und singt, und alle – selbst Roger Mexico – singen mit)(281)

Höret die Engel, sie künden uns laut:

Mrs. Simpson hat unsern König geklaut…”

(Kinderlied in Anspielung auf Edward und Wallis Simpson) (285)

2 Une Perm‘ au Casino Hermann Goering

Bloat und Tantivy singen Foxtrott:

Bloat: Der Engländer ist äusserst schüchtern,

Als Casanova ist er nichts wert.

Ist irgendwo eine Dame zu kegeln,

Wird meistens ein Yankee begehrt –

Tantivy: Dem Engländer nämlich mangelt seit je

Die Verwegenheit, die transatlantische,

Die für Frauen so schrecklich romantische,

Was ich, offen gesagt, nicht versteh…

Bloat: Der vielweibernde Yank hält sich Mädchen im Hundert

Der englische Gent hält sich Haus-be-sitz…

Tantivy: Wobei er den Yankee klammheimlich bewundert

Als ’ne Art von erotischem Clau-se-witz…

Beide: Im Bett hätt keine mehr zu klagen,

Gäb’s Ami-know-how mit Tommy-Betragen.

Die Süssen würden nie mehr nüchtern,

Obwohl wir wissen – der Engländer ist schüchtern.

Slothorp darauf: J’ai deux amis……

Slothorp singt die Ballade von Tantivy Mucker-Maffick, zwischen den Strophen wird er von Katja um Mitternacht in ihr Zimmer 306 eingeladen (304):

Die Ballade von Tantivy Mucker-Maffick:

Beim Itaker-Gin, da schmeisst es dich hin,

Vom französischen Bier wirst du septisch.

Bourbon in Spanien, man konnt’s fast ahnien,

Macht noch heiliger als epileptisch.

Es gibt Fusel, mit dem fährt ein U-Boot bequem

Über Berge und alle Gerölle –

Reines Gift, das die Knochen im Leib dir lässt kochen,

Gewürzt mit den Hämmern der Hölle!

Refrain:

Tantivy säuft sich rund um die Welt,

Und geht sie ihm auch in die Binsen,

Wenn er jemals nein sagte zum Alkohol,

Fiel ich tot um mit schaurigem Grinsen!

Ihm wuchsen schon Kiemen in Meeren von Grog,

Sein Durst war so gross wie ein Wal.

Er sang Shanties in Moll, wenn nicht sternhagelvoll,

Und Schlagseite schien ihm normal.

Ob im Nebel von London, in der Hitze der Wüste,

Im Gletschereis über Zermatt –

Jeder irdische Schrecken konnte hinten ihn lecken,

Weil er immer geladen hat!

Refrain:

Ja, Tantivy säuft sich rund um die Welt, etc.

Als Slothorp jedoch nachher Tantivy über die Ereignisse des Tages ausfragen will, summt dieser: “Am Meer kann man Sachen machen, die wär’n in der Stadt mehr zum Lachen…” (Komponist: Mark Sheridan)

In Katjes Zimmer singt Slothorp dann:

Zu früh, um zu fragen (Foxtrott)

Es ist viel zu früh,

Noch vor den ersten Küssen,

Noch ehe uns der Mond

Belauscht hat in den Kissen,

In einsamen Nachtstunden,

Nachdem wir uns gefunden…

Noch viel zu früh, zu fragen,

Ob das, was uns verstört,

Mit atemlosem Zagen

Denn mehr ist als ein Flirt,

Der heute uns bindet

Und morgen entschwindet…

Wer enträtselt die Liebe,

Wer ahnt ihr Geheimnis?

Wir müssen’s erleiden,

Ohne selbst zu entscheiden…

Drum weisst du es nicht,

Ob heute der Tag ist, da alles beginnt,

Oder das Licht

Im Schatten der Nacht uns zerrinnt.

Darling, du kannst es nicht sagen,

Denn es ist zu früh, um zu fragen.

Und im Casinosaal, der des Morgens ganz verlassen daliegt:

Oh, die Welt dort drüben, ’s ist

Schwer zu kapieren!

Wie Träume, die sich im Kopf schon verliern!

Du tanzt wie ein Narr in verbotenen Sälen

Und wartest auf Lichter, die sie erhellen –

Wer-warnte-dich: das zu riskieren?

Wer-warnte-dich: vor einem Käfig?

Sobald’s nicht mehr hinhaut mit deinem Glück,

Kannst du doch immer wieder zurück, denn:

Kein Lebewohl gilt auf ewig!

“Mit einem fröhlichen Song durch den Boa-debulomg, als sei nichts gewesen…”
As I walk along the Bois de Boulogne
With an independent air,
You can hear the girls declare,

„There goes a millionaire!“

You can hear them sigh and wish to die,

You can see them wink the other eye

At the man who broke the bank at Monte Carlo.  (Fred Gilbert) (323)

Tantivy und auch Bloat sind inzwischen verschwunden. Um Dodson-Truck zu “testen”, veranstaltet Slothorp das Prince-Spiel, welches in allgemeines Besäufnis ausartet. Bald singen alle ein “Unanständiges Lied”:
Unanständiges Lied
Hab gestern nacht gegeigt die Queen von Trans-sylvanien,
Heut wird gefegt beim Queenie von Burgund –
Ich komme aus dem Lande Schizophrenien,
Doch Mrs. Queenie pflegt mich schon gesund…
Zum Frühstück mit Schampus und Kaviar,
Zum Tee mit Chateaubriand und einem Fizz,
Zu rauchen gibt’s Havannas, völlig klar,
Ich lach, als wär die Welt ein fauler Witz!
Drum nennt mich, wie ihr wollt, aber macht Platz dem Steiger,
Der bei der süssen Queen von Trans auftrat als Geiger!

“Ein Waliser mit Akkordeon steht auf einem Tisch und spielt ‚Lady of Spain‘ in C-Dur”
Sir Stephen (Dodson-Truck) vertraut wenig später Tyrone ein furchtbares Geheimnis an:
Der Penis, den er für seinen eigenen hielt
Tenorsolo: ’s war mal ’n Penis, den hielt er für seinen,
Nannte ihn seinen fröhlichen Kleinen…
Mit ’ner dicken, roten Spitze
Ragt‘ er aus des Bettes Hitze,
Wo die Girlies spielen Telefon –
Bass:        Doch sie kamen durch das Loch in der Nacht,
und sie haben ihn zum Verschwinden gebracht
(schwin-den ge-bracht)
Tenor:    Jetzt muss er ständig weinen
Um den armen, armen Kleinen
Den er einst hielt für-den-seinen!
(für-den-seiiiinen!)
“Die Überleitungsmusik, die jetzt erklingt, fröhliche Xylophone, basiert auf alten Schlagern, die die Ereignisse mit sanfter Ironie kommentieren, ‚School Days, Schooll Days‘ etwa oder ‚Come Josephine, in My Flying Machine‘ oder gar ‚There’ll be a Hot Time in the Old Town Tonite’” (353)

Der nächste Song, den die Versuchstiere der “Weissen Visitation” singen, heisst “Pawlowien (Beguine). Ich las zunächst “PawloNien”, weil ich den Baum “Paulonia” kenne. Ingeborg Bachmann und Max Frisch lagen in seinem Schatten, eine besondere Rolle aber spielt der Baum in der Geschichte von ihr und Paul Celan. In beiden ihrer Werke taucht er auf, als ob die beiden ein (Liebes)Gespräch hielten. (Siehe hier)

Pawlowien (Beguine)
Frühling war’s in Pawlo-o-wi-en,
Ich irrte durchs Labyrinth,
Lysol durchduftete die Luft,
Hier drinnen weht kein Wind…
Dann fand ich dich, verirrt wie mich,
Du schienst so furchtbar jung,
Wir tauschten nasengrüsse aus –
Mein Herz tat einen Sprung!

Gemeinsam fanden wir hinaus
Und teilten uns die Belohnungen
Wie einen Abend in dem kleinen Café,
Vor dem Abtransport in unsere Wohnungen…
Und schon ist es Herbst in Pawlo-o-wi-en,
Und ich bin wieder allein…
Meine Einsamkeit misst in Millivolt
Durch Rückenmark und Gebein.
Und ich denke an unser kleines Café
Und weiss deinen Namen nicht –
Denn sie lassen dir nichts in Pawlo-o-wi-en
Als ein Labyrinth ohne Licht…

Brigadier Pudding aber schleicht zu seiner Domina und summt dabei:
Wasch mich in den Wassern,
darin du waschest deine schmutzige Tochter,
Und ich werde weisser sein als die weisse Farbe an der Wand….

O, O, O,
To-tus flore-o!
Iam amore virginali
Totus ardeo…. (Carl Orff) (375)
Es geht auf die Party von Raoul de la Perlimpinpin (384):

“Mein Gesicht glänzt wie ein Mikrophon,
Auch mein Haar gefällt mir sehr,
Bin lieblich wie Vanilleeis,
Bin Mis-ter Debo-nair…” (385) (Tyrone zieht sich fein an)

Ein abgehärmter Troubadour:

Julia (Foxtrott)
Ju-lia,
Would you think me pe-culiar,
If I should fool ya,
In-to givin‘ me – just-a-little-kiss?
Jool-yaaahh,
No one else could love you tru-lier,
How I’d worship and bejewel ya-
If you’d on-ly give-me-just-a-little-kiss!
Ahh Jool-yaaahhh –
My poor heart grows un-ru-lier,
No one oolier or droolier,
Could I be longing for –
What’s more –
Ju-lia
I would shout hallelujah,
To have my Jool-yahh,
In-my-arms forevermore.

Slothorp ist nun in Zürich. Vor seinem Hotel “Nimbus” aber sieht er beim Heimkommen einen Beschatter stehen: “Zunnggg! Diddilung, diddilat-ta-ta-ta, ya-ta-ta-ta, im Allegro der Wilhelm-Tell-Ouvertüre zurück in den Schatten…”

Drei Songs, die in dem Buch NICHT gesungen werden:

The Lakes of Ponchartrain. Tyrone is a true Yankee and has nothing to do with New Orleans
I am sailing. Tyron flies!
True colors. Why not? There’ve been enough colors in the Casino…..

Den Song “Irre auf Urlaub” (408) schreib ich hier net auf. Es gibt keine Irren in Zürich. Frag Lucien Favre.

3 In der Zone

Slothrop im Zug nach Nordhausen, hört den Song (es ist ein Displaced-Persons-Lied):

Hörst du den Zug heut abend
Pfeifen seinen schrillen Schrei,
Leg dich auf dein Bretterlaken,
Schlaf, und lass den Zug vorbei.

Züge riefen jede Nacht uns,
Gelaufen tausend Meilen schon,
Unterwegs durch leere Städte,
Züge ohne Endstation.

Keiner steuert die Maschine,
Keiner, der die Fahrt bewacht,
Züge brauchen keine Menschen,
Züge sind ein Stück der Nacht.

Bahnstationen liegen einsam,
Wegerechte brach und kalt,
Was wir verlassen, erben Züge,
Züge fahren, wir werden alt.

Lass rufen sie wie arme Seelen,
Lass sie schreien in den Wind –
Züge sind für Nacht und Regen,
Unser Gesang und Sünden sind. (445)

Immer noch auf dem Dach des Eisembahnwaggons. Phantasien von schwarzen Raketentruppen:

Hey, guten Morgen, Kumpel, jetzt ist Schluss
Mit Gerumpel, jetzt ist Schluss
Mit Krieg Nummer zwo-o-o-o!
Der Kampf ist vorbei, die Welt ist wie neu,
Die Sonne sagt wieder hallo!
Du da, Hermann, mein German, hör schon auf mit dem Jammern,
Auch für dich geht es jetzt wieder nach Haus!
Der böse Wolf ist fort vom Raketenort
Drum tanzt auf den Tischen, wie, Mickey-Mouse –
Und du sei ’n braves Mädchen, Gretchen!)
Tanzt auf den Tischen, wie, Mickey-Mouse! (453)

In Nordhausen hört Slothorp als erstes ein Lied, gesungen von Geli Tripping. Sie begleitet sich auf einer Balalaika, die einem sowjetischen Geheimdienst-Offizier namens Tschitscherin gehört:

Die Liebe lässt dich nie,
Und flieht sie einmal doch,
Hält dich Erinnerungen
Gebannt in ihrem Joch.

Du bist von mir gegangen,
Die Rose nur blieb hier,
Gepresst in meinem Stundenbuch –
Die Rose blieb bei mir…

Nun ist ein Jahr verstrichen,
Es kam ein neuer Traum,
Und doch bringt deine Rose
Zurück den Lindenbaum…

Denn Liebe läst dich nie,
Nicht, wenn sie ehrlich war –
Sie kehrt zurück, bei Tag, bei Nacht,
Frisch wie im alten Jahr –

Zärtlich und grün, treu bis ans Grab,
Wie unser Lindenbaum,
Von dem für deine Rose
Ich einst ein Blatt dir gab…

(Love never goes away,
Never completely dies,
Always some souvenir
Takes us by sad surprise.

You went away from me,
One rose was left behind —
pressed in my Book of Hours,
That is the rose I find …

Though it’s another year,
though it’s another me,
under the rose is a drying tear,
Under my linden tree ….

Love never goes away,
Not if it’s really true,
It can return, by night, by day,
Tender and green and new
As the leaves from a linden tree, love,
. that I left with you)

(eine von diesen traurigen, pariserisch klingenden Melodien im Dreivierteltakt) (454)

Die Raketen-Limericks:

Da gab’s mal was namens V2,
Das sollte wohin noch im Mai.
Man drückte ’nen Knopf,
Ihr stieg’s in den Kopf –
Und schon hatte man Stücker drei.

(Refrain) Ja, ja, ja!
In Preussen küsst keiner gern Pussys!
Die Katzen sind mager hier,
Nur Abfall gibt’s reichlich hier,
Drum walz mich noch einmal rum, Russki!

Ein Lieutenant Van Davis aus Wayne
Liess mit einer Rakete sich ein.
Es ist netter, sprach er,
Als normaler Verkehr,
Und nun lasst uns bitte allein!

’nen General gabs mal namens Pope,
Der liebte ein Oszilloskop.
’s war die zwinkernde Röhre,
Die ihn derart betörte,
Dass man ihn seiner Ämter enthob.

Ein Gefreiter, mit fröhlicher Miene,
Bestieg eine Walter-Turbine.
Das ist die wahre Minne,
Wenn ich bin bei der drinne,
Sagt er, und sie summt wie ’ne Biene.

Einem Techniker Urban aus Dallas
War Wolframdraht sein ein und alles.
Er knackte Trioden
Sich zwischen den Hoden,
Doch plötzlich, da tat einen Knall es.

Intermezzo:
Jeder kleine Nazi hat sein kleines Schatzi
Auf dem Mittelwerk-Express!
All die lustigen Faschisten hörst du bärtezwirbelnd flüstern:
Wo geht’s hin? Welche Adress?
Am Ende der Schienen wartet ein Land,
Wo weder Knappheit noch Steuern bekannt,
Mit goldenen Zeiten für Rosie und Rex,
Auf dem Mittelwerk-Express!

Es war mal ein Kerl namens Slattery
Verliebt in ’ne Kurskreisel-Batterie,
Doch die saure Substanz
Verätzte ihm seinen Schwanz
Worauf er vernehmlich “Nie wieder!” schrie.

(die arme Elfriede Jelinek muss Limericks übersetzen)

Ja, ja, ja,
In Preussen küsst keiner gern Pussys, usw.

Ein Diplomingenieur namens Merker,
Der vögelte einen Verstärker,
Doch bei jedem Kurzschluss
Ging redundant ihm ein Furz los –
Das verdross diesen Herrn namens Merker.

Da war mal ein Kerl namens Hektor,
Der triebs mit nem Meiller-Erektor-
Der zu viel Druck drauf hatte
Und ihm quetschte die Latte –
Seitdem ist hydraulisch verschreckt er. (487)

OH…da, sind…
Nazis an der Mauer,
Faschisten in Tapeten,
liegen Japse auf der Lauer,
Wolln dich in die Eier treten.
Ist dieser Krieg zu Ende,
Ist es noch nicht vorbei,
Dann nimmst du dir die Russkis vor
Und ziehst in Nummer drei… (492)

und drei Limericks werden nachher noch gesungen, wenn Slothrop in einem Ballon vor Major Marvy nach Berlin flieht:

Es gab mal einen Herrn Schroeder,
Der sodomierte so gern Voltmeter.
Doch einmal im Mai
Blieb er stecken dabei –
Später wurde er Schmierölvertreter.

Da war mal ein Typ vom Äquator,
Der trieb’s mit ’nem LOX-Generator.
Seine Eier plus Pint
Vereisten geschwind –
Gerade das kam ihm so delikat vor.

Da war mal ein Kerl namens Ritter,
Der schlief mit ’nem Leitstrahl-Transmitter.
Davon schrumpfte sein Schwanz
und fiel schliesslich ab ganz –
Das machte ihn manchmal recht bitter.

Es gab mal ’nen Mann bei dem klickte
Es nur, wenn er Sprengkörper fickte,
Seine Frau wollte fort
Von Stelleund Ort
Weil er sie gar nie mehr beglückte.

Ja, ja, ja, ja!
In Preussen küsst keiner gern Pussys – (524)

Ein Lied des Schwarzkommandos:

Scharf auf Selbstmord

Tscha, was ich esse, schmeckt mir schal,
Der Boogie-Woogie ist mir ganz egal,
Denn ich bin scharf auf Selbstmord!

Auch vor Bing Crosby lasst mir meine Ruh,
Vergesst sein blödes “bu-bu-bu-boo”,
Ich bin nur scharf auf Selbstmord!

Die Lebensmittelmarken könnt ihr sparen,
Und auch die Muttis, die mal Baby-Vamps waren,
Denn ich bin scharf auf Selbstmord!

Baseball hab ich genauso satt,
Scheiss auf das Land, scheiss auf die Stadt,
Denn ich steh nur auf Selbstmord…. (501)

Aber jetzt sind Tschitscherin und Dzaqyp in der kasachischen Steppe beim Ajtys – einem traditionellen Gesangswettbewerb:
Ein Mädchen und ein Junge singen abwechselnd, zuerst hitzig, dann lächelnd. Was der Junge sang, wissen wir nicht. Das Mädchen:

Du hast zu viel getrunken vpm Qumys,
Mir scheint, ich höre die Worte des Qumys,
Denn wo warst du in der Nacht als mein Bruder
Gesucht hat seinen gestohlenen Qumys?

Das Mädchen:

Hab ich dich singen hören von Hochzeit?
Hier schon, hier war sie, die Hochzeit –
Diese hitzige Runde aus Liedern
War lärmend und laut wie nur je eine Hochzeit…

Aber dann singt der Aqyn vom Kirgisischen Licht!

Das Lied des Aqyn

Ich bin gekommen vom Rand der Welt,
Ich bin gekommen aus den Lungen des Winds,
Ich habe etwas gesehen, so erhaben,
Dass selbst Dzambul es nicht könnte singen.
Furcht ist gesät in mein Herz, scharf genug,
Zu zerschneiden den härtesten Stein.

In alten Legenden wird es erzählt,
Aus einer Zeit, noch älter als Qorqyt,
Der die erste Qobyz aus dem Walde von Šyrghaj
Uns brachte und das erste der Lieder –
Es wird uns erzählt, dass ein Land in der Ferne
Ist der Ort des Kirgisischen Lichts….. (noch 7 Strophen mehr, (561)

“’Ich hab’s‘, sagt Tschitscherin. ‚Lass uns reiten, Genosse’”

Dann im zerstörten Berlin. Seaman Bodin vom US-Zerstörer John E. Badass singt in der Chicago-Bar:

Des Dopers Traum

Mir träumte heut nacht, ich steckte tief drin
In ’ner blubbernden Wasserpfeife,
Aus der ganz plötzlich ein arabischer Dschinn
Rausquoll und sich aufblies, ganz leise.
“Ich bin hier”, so zwinkerte er, “dir zu gehorchen”,
Während ich nach Worten noch suchte.
“Is ja prima”, rief ich endlich, “meine einzige Sorge
Ist der Nachschub an Stoff, der verfluchte.”
Mit ’nem fröhlichen Grinsen packte er meine Hand,
Und wir flogen über den Himmel so rasch,
Dass nach einer Sekunde, in einem anderen Land,
ich stand vor einem Berg, ganz aus Hasch!
Die Bäume dort blühten von purpurnen Pillen,
Und der Romilar-Strom floss vorbei,
Heilige Pilze gab’s, den Hunger zu stillen,
Und im Schnee wuchs das Gras noch wie Heu.
Schöne Mädchen brachten Körbe voll Kokain,
Und Morning Glory, gewoben ins Haar,
Wir tanzten im Zeitlupentempo dahin,
Bis Mary Jane mich rief zum Tea an der Bar.
‚N ganzen Pott voller Pot bekam ich, weiss Gott!
Aus blühendem Panama-Red,
Dazu noch als Nachtisch Muskatnuss-Kompott,
Und ne Indianersquaw namens Peyote fürs Bett.
Ihr wollt ich Treue gern schwören,
Und ich meinte es ehrlich dabei,
Als plötzlich aus meiner Pfeife der Dschinn
Sich entpuppt als Bulle von der Rauschgiftpolizei.
Er hat mich gekascht, so wie ich da lag,
Jetzt sitz ich im Knast, wo ich immer stecke,
Der Erinnerung an mein Traumland der Drogen,
Und ich frag‘ mich, ob ich’s je wiederentdecke…

Frau Gnahb gröhlt ein blutdürstiges Shanty

Die Königin bin ich der Ostsee-Piraten……

Ein Schwein ist ein fröhlicher Kumpel,

Ob Eber, ob Frischling, ob Sau.

Ein Schwein ist ein Freund, der’s gut mit dir meint,

der zu dir hȁlt im schlimmsten Verhau.

Ob sie dich ȁchten, verfolgen, betrügen,

Ob du gegen Tory und Whig stehst allein,

Ob dich Genossen versetzen, Genossinnen hetzen,

Es bleibt dir doch immer dein Schwein, dein Schwein,

Es bleibt dir doch immer dein Schwein! (898)

2. Oktober 2014

Katje Borgesius

Sie ist eine Holländerin, die das ganze Buch über auftaucht.

Wir begegenen ihr zum ersten Mal im Gebäude der Mannschaft von Pirate Prentice, kurz nachdem bei der alten Abtei bei Ick Regis über den Klippen der englischen Südküste, wo ein Schwung irrer Wissenschaftler (es ist ein altes Irrenhaus) dem Kommando des alten, 1940 reaktivierten Brigadiers Pudding als “Weisse Visitation” für die parapsychologische Kriegsführung “forscht” (151),

Pointsman und Roger Mexico zusammen dem winterlichen Ufer entlanggehen und sich kontrovers über Slothorp als Versuchskaninchen und die mögliche Umkehrung von Ursache und Wirkung (wie die V2 zuerst einschlägt und man erst dann ihren Fluglärm hört, könnte also die Wirkung vor die Ursache zu liegen kommen?) unterhalten. Das Gebäude befindet sich in Chelsea; wie wir wissen, kultivieren auf der Dachterrasse Osbie Feel seine Arzneipflanzen und Prentice seine Bananen.

Katje ist hochgewachsen, breitschultrig und blond. Zu Osbie Feels Verwunderung trägt sie keine Kloggen sondern hochhackige Pumps, auch sind Make-Up, Rouge und ausgezupfte Augenbrauen zu erkennen. Osbie Feel – der von manchen als die Verkörperung von Pynchon in seinem eigenen Buch gehalten wird – beschäftigt sich gerade mit Pilzen (einer milderen Abart von Amanita phalloides, dem Knollenblätterpilz).

Zunächst kommen ihr Erinnerungen an den Hauptmann Blicero, der sie und ihren “Bruder” (im Schicksal) einst in Holland – Blicero war dort Kommandant einer V2-Batterie, die östlich von Den Haag und nahe Wassenaar auf einer ehemaligen Pferderennbahn stationiert war – zwischen mancherlei Sexspielen wie Hänsel und Gretel im Käfig gehalten hatte (154).

Der Hauptmann Blicero, homosexuelle “Reflexe” und Rilke, besonders seine Zehnte Elegie, liebend, wundert sich, dass seine Stellung noch nie von den englischen Spitfires getroffen wurde. Vielleicht ist Katje ja doch eine britische Agentin, die ihr eigenes Leben retten will? Aber sie ist doch Parteimitglied, hat mehrere jüdische Familien verraten und gilt in der Kantine in Scheveningen, wo sie arbeitet(e) als äusserst tüchtig? Nein, entscheidet er, es ist um ihres Spiels willen, letztlich muss er von den Kindern in den Ofen gestossen werden, damit die Hexe in seinem Körper verbrennt, und nicht im Bombenhagel umkommt.

(Wie findet ihr die Konstellation? Raketen gegen Bomben. Erinnert euch das an den jüngsten Gaza-Konflikt? Anm. T.K.)

Aber Katje scheidet schliesslich aus dem Spiel aus. Sie geht. Es wird uns durch Gottfried berichtet: “Er sah sie nicht zum ersten Mal davonschleichen, und es gibt ja auch Gerüchte, dass sie zum Widerstand gehört oder in einen Stukaflieger verliebt ist, den sie aus Scheveningen kennt. Aber sie scheint auch Hauptmann Blicero zu lieben?…” (167)

Unter abenteuerlichen Umständen flieht sie nach England und (zu ihrem Führungsoffizier) Prentice. “Aber wo wollen Sie jetzt hin?” “Ich weiss es nicht. Fällt Ihnen nicht ein guter Platz ein?”

Die ‚Weisse Visitation’”, schlug Pirat vor.

‚Weisse Visitation‘ klingt gut”, sagte sie, und machte einen Schritt ins Leere hinein… (173)

Pirat hat was zum Grübeln, daran liegt’s. Ständig muss er daran denken, wie auffällig Katje jetzt jede Erwähnung des Hauses im Wald vermeidet. (174) “Scheiss drauf’” mag sie sagen, und aus welchen Gründen sie aus dem Spiel ausgeschieden ist, werden wir nie erfahren.

Lang und breit wird nun geschildert, wie Frans Van der Groovs auf Mauritius mit einer alten Hakenbüchse (Haakbus) die einheimischen Dronten dezimiert, bis sie schliesslich im Jahre 1681 ausgerottet sind und ganz von der Erde verschwinden. Ob das dem guten Frans klar war? Frans wird als Vorfahre von Katje geschildert (und wenn er nur als Holländer Vorfahre wäre). (176)

In der ‚Weissen Visitation‘ schleppt Webley Silvernail den einzigen Filmprojektor durch die Korridore, um dem Kraken Grigori einen stummen Streifen vorzuführen, der Katje zeigt. “Lautlos folgt ihr die Kamera, während sie langbeinig und planvoll ziellos durch die Räume schlendert, die breiten Schultern, die an eine Halbwüchsige denken lassen, auswärts gereckt, das blonde Haar zu einer modischen Hochfrisur getürmt, die, so gar nicht niederländisch-bieder, von einem alten, blinden Silberdiadem gehalten wird…” (184)

2. Une Perm‘ au Casino Hermann Goering

Am Mittelmeerstrand nahe Antibes rettet Slothorp Katje aus den Fängen eines Kraken (es ist der von Dr.Porkjewitsch betreute Grigori) . (296f)

Slothorp hat auch prompt das Gefühl, dass das ganze Bruhaha mit dem Kraken kein Zufall war.

Katje sagt: “Vielleicht war’s uns sogar vorherbestimmt, dass wir uns trafen…” (301)

Um Mitternacht in Katjes Zimmer 306 trägt sie dann einen pelzverbrämten, reich mit Pailletten bestickten weissen Mantel mit wattierten Schultern und fransigen weissen Straussenfedern an Hals und Ärmeln.

Als sie ficken, schlagen “die gestreckten Oktaeder ihrer Gagatohrringe gegen ihre Wangen…” (313)

Am Morgen werden S. sämtliche Sachen (Kleider) geklaut. In der Verfolgung des Diebes springt S. auf einen Baum, klettert hoch zum Wipfel, welcher abbricht und mitsamt S. mitten in eine krockettspielende Gesellschaft (Anspielung auf Alice im Wunderland) fällt. Katje bleibt zurück.

3. In der Zone

Viel später taucht Katje in dem phantasmagorischen Museum (ab 820) wieder auf, sie fällt Prentice in die Arme – oder er ihr – und sie tanzen.