27. Januar 2017

Museum der Liebe

“Es scheint ein sehr verzweigtes Museum zu sein…” Von überall kommen sie zusammen, alle meditieren sie die Vergangenheit, betrachen Bücher, Bilder und Ausstellungsstücke in diesem irdisch nicht lokalisierbaren Ort. Das Museum wechselt auch hȁufig seine Gestalt, ist bald Tempel, bald Schuppen, bald Büro, bald Keller. Einige der Sȁle sind auch nur auf eigene Gefahr zu betreten. Überall stehen Wȁchter. Der “Ort” ist eher phantastisch; im Süsswarencafé – Cafés gehören mal nun zu Museen –  gibt es Kuchenwagen, in die man hineingehn kann, und innen: zahlreiche klebrige Regale! Im anderen Café kann man den Sonnenuntergang betrachten, hier sind die Sacharomanen am falschen Platz! Wir begegen dem eben erst angekommenen Pirate Prentice wieder, der rollt einen klebrigen Faden von seiner Toffeekugel ab – oder auf? – und wir denken an Ariadne… Seinen Faden aufrollend trifft Geoffrey Prentice alte Bekannte – wie Sir Stephen Dodson-Truck, den Springer Gerhardt von Göll – aber auch neue wie Pater Rapier, Sammy Hilbert-Spaess, oder den fettigen Jeremiah (“Gnadenreich”) Evans mit seiner Pompadourfrisur. Der um alle Lieben seines Lebens weinende Prentice trifft hier auch Katje Borgesius, der wir in Holland und Deutschland begegneten, die ihm in London zugeführt wurde, wieder. Ach…könnten wir die Welt umarmen!

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23. Januar 2017

Frau Gnabh

Frau Gnabh

Sie ist Kapitȁn eines Kutters, “der Schrecken der Meere”, zusammen mit ihrem Sohn Otto versorgt sie die baltischen Hȁfen mit Schwarzartikeln. “Gnabh” rückwȁrts gesprochen gibt “Bhang”, der Name eines Drinks aus Hanfblüten.

“Diese apfelwangige Dame ist Frau Gnabh”.

“Frau Gnabh nimmt eine Prise Schnupftabak und strahlt”.

“Frau Gnabh überwacht irgendein Ausladen”.

“Ottos nautisch-piratische Mutter hat einen dieser Schimpansen ins Ruderhaus gestellt…”

“Worauf sie nach dem Maschinentelegraphen grapscht und noch einen Zahn zulegt.”

“Frau Gnabh hat schlingernd nach Nordwest gedreht…”

“Frau Gnabh hat nȁmlich bereits der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass ihre Planken sauber bleiben, und zwar mit jenem gefrorenen Lȁcheln, das Dr. Mabuse an besonders guten Tagen aufzusetzen pflegte…”

“Ab und zu sieht man russische Patrouillenboote, die leblos am Ufel liegen. Keines erdreistet sich, die Grause Gnahb herauszufordern.”

“Frau Gnahb schlingert dicht unter Land, mit halber Kraft an der Marschenküste entlang” (Peenemünde)

“Frau Gnahb bringt ihren Kutter in einer scharfen Wendung durch die Einfahrt in das Hafenbecken.”

“’Was zum Teufel’, Frau Gnahb kommt knurrend aus dem Ruderhaus…”

“Frau Gnahb zieht an der Dampfpfeife…”

“’Ich lege an der nordöstlichen Spitze an’, fȁhrt diese Wahnsinnsmutter fort…”

Mit gelöschten Lampen und voller Fahrt kommt der Kutter herangebraust – will Frau Gnahb Peenemünde rammen? Nein, jetzt gibt sie volle Kraft zurück.

“’Alles da?’ Frau Gnahbs Fangzȁhne entblösst zu einem Grinsen.

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20. Januar 2015

Pynchon romantisch

Ja, auch er, so ironisch und schonungslos, liebt die Natur 🙂

“Unsere Geschichte ist eine Summe aus letzten Augenblicken.”

“Überall um dich her siehst du kleine Büschel weisser Blumen spriessen.” (223)

“Für einen Augenblick ist dir egal, als wer und was du registriert bist. Für einen Augenblick bist du nicht der, den die Caesaren aus dir machen.” (220)

“…als wärendie Züge die ganze Nacht durch das Reich der Toten gefahren…” (214)

“Herrlicher Morgen, Weltkrieg zwo.” (203)

“Draussen vor dem Fenster wuchs der Morgen.” (201)

“…kämpfen um einen Fensterplatz wie die Ferkel um die Zitzen der Muttersau.” (199)

“Sie verwirren jedermann. Sie sehen so unschuldig aus.” (197)

“’Er war meine ganze Gesundheit‘, pflegte sie oft zu sagen. ‚Seit er von mir gegangen ist, musste ich eine regelrechte Hexe werden, aus reiner Selbstverteidigung.’” (188)

“Ein Wandervogel in den Bergen des Leids.” (161)

“..die geschwungene Südküste mit ihren fahlen Kreidefelsen.” (119)

“Der Tod steht in der Küchentür und beobachtet sie, eisern und geduldig, mit einem Blick, der sagt: Versucht mal, mich zu kitzeln.” (99)

“- lauf dreimal ums Haus, ohne an einen Fuchs zu denken, und du kannst wirklich alles heilen.” (79)

“Die Nacht, voll feiner Regentropfen, riecht wie ein nasser Hund.” (73)

“ Roger ist nirgends zu sehen, und sie ist sich keineswegs sicher, dass er von ihr gesucht werden möchte. (54)

“Und doch ist Freundlichkeit ein Schiff, stabil genug für solche Ozeane.” (38)

“Wir haben kein Wort dafür, oder es wird geheimgehalten.” (14)

“Jessica konzentriert sich ganz auf das Festmachen ihrer Nyons, das ältere Paar, vorne-hoch, hinten-tief, wie ein Merkvers gleitet es wellenförmig durch die Finger, wäscheweisses, krauses Gummiband dehnt sich eng und anliegend über die sanfte Wölbung ihres Schenkels, die Schnallen der Strapse glitzern silbrig unter oder hinter roten Zierbäumchen vorbei, dann antwortet sie:” (206)

“…er…wollte glauben, dass noch nichts entschieden war, wie finster die Zeiten auch sein mochten, dass noch immer alles anders werden, sie den dunklen Ozean in seinem Rücken noch immer wegleugnen, weglieben konnte. Und, ein wenig egoistisch, dass er mit ihrer Hilfe aus der Schwermut seiner Jugend, seiner Todesverliebtheit, seiner Komplizenschaft mit dem Tod den Weg ins Leben und zur Freude finden würde. Er hatte ihr nie davon erzählt, gestand es sich selbst kaum ein, aber er wusste, dass dies das Mass seines Glaubens war, während die siebente Weihnacht dieses Krieges schon ausholte, ihm einen neuen Hieb in seine hagere, zitternde Flanke zu versetzen…” (204)

“Schweigen, das neues Schweigen gebiert. Rutschen und Rücken auf den Stühlen, rings um den Tisch, aber die kleinen Finger halten Kontakt.” (269)

“Unter den Fenstern kriecht eine Rangierlok lautlos über das Spinnennetz der Schienen.” (276)

Oben im Wind Möwengestöber ein schwereloses Gleiten, Seite an Seite, auf gelassen ausgebreiteten Schwingen, die nur ab und an winzig zucken, um neuen Auftrieb zu gewinnen – langsam, weiss, wischen sie dahin wie Pharaokarten zwischen den Daumen eines unsichtbaren Spielers…”

…als das Land noch frei war und das Auge unschuldig und die Gegenwart des Schöpfers viel unmittelbarer.” (340)

…seinem leidenschaftlichen Verlangen nach Schmerz, nach etwas Wirklichem, etwas Reinem.” (371)

…die verkleidete Secret-Service-Version eines Apachen…” (385)

…genau dort, wo das Licht des Himmels dem Licht der elektrischen Strassenlampen die Waage hält…” (400)

Die lebenslangen Zürcher flanieren in Frühabend-Blau vorbei.” (413)

Unter den Grosstadtstrassen, dem Mauergewirr der Zinskasernen, den Zäunen und dem Stahlnetz der Schienen sehnt sich das argentinische Herz in seiner Perversität und seiner Schuld nach der Rückkehr zu jener ersten unbekritzelten Klarheit…der anarchischen Einheit von Pampa und Himmel…” (416)

Montblanc sagt hallo, See grüsst rüber…” (419)

Aber nur wenige nackte Glühbirnen höhlen Lichtkugeln in die Finsternis. Wo Dunkelheit, wie Marmor, abgebaut und an einen anderen Ort transportiert wird, ist die Glühbirne der Meissel, der sie aus ihrer Trägheit losbricht – sie ist zu einer der grossen, heimlichen Ikonen der Demut geworden, jener Massen, die übergangen worden sind von Gott und der Geschichte.”

Zu beiden Seiten der Schienen huscht das lokale Zwergenvolk…” (486)

Vögel fliegen durch die zerbrochenen Scheiben ein und aus.” (491)

…wenn der Mittag die Schatten eng an die Körper presste…”

Wir werden uns solche neue Karten der Erde einprägen müssen: und in dem Masse, wie die Reisen in das Innere alltäglich werden, werden diese Karten neue Dimensionen hinzugewinnen, …” (502)

Slothorp spürt, wie sich sein Herz, ausser Kontrolle, mit Liebe aufbläst und hochschnellt wie ein Ballon.”

Man kann sie jetzt oft abends hören, an Lagerfeuern hinter Buchenwäldern, die ihren Lichtschein kilometerweit in den fast trockenen Dunst des nördlichen Sommers schicken, der gerade ausreicht, den Strahlen einen Schimmer von Kontur zu geben – ein Dutzend Akkordeons und Concertinas, die ihre rauschenden Akkorde mit einem leichten Zungenflattern in Lieder voller klagenden sdwijes und snyis mischen, aus welchen die Stimmen der Hilfskorps-Mädchen am hellsten herausklingen.” (527)

…die Sitzenden würden kommen und gehen, die Stühle würden bleiben…” (528)

Das grosse Schweigen des Landes der sieben Ströme ist noch nicht alphabetisiert, wird es vielleicht niemals werden…” (533)

…aus den deutschen Träumen von der Ankunft des Engels aus der zehnten Elegie, die Flügelschläge schon am Rand des Wachens…” (534)

War er überhaupt dort? Sass er wirklich in dem schmuddeligen Hinterzimmer, hörte die Liftkabel ächzen und gegen die dünne Mauer schlagen und von der Strasse herauf, selten genug, ihm etwas beizumessen, das Peitschenknallen und Klappern einer Droschke auf den alten schwarzen Pflastersteinen?” (540)

…die nur hin und wieder an die Oberfläche des molekularen Schweigens treten, wie die sichtbaren Teile eines geknüpften Teppichs.” (556)

Ein Schrei von unten aus dem Moor. Vögel flattern auf, rund und schwarz, Körner von rohgemahlenem Pfeffer in dieser Himmels-Bouilabaisse.” (567)

Ein Mann muss voranschreiten und dem Leben ins Gesicht sehen.” (600)

Wir alle werden die Rakete benutzen, eines Tages, um die Erde zu verlassen. Zu überschreiten.” (625)

Kekulé träumt die Grosse Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst, die träumende Schlange, die die Welt umschlingt.” (644)

Alles, was man fühlt, wenn man einen Beethoven ins Ohr kriegt, ist losmarschieren und Polen erobern.” (688)

…aber Slothorp und Greta gebieten, wie Träumer, über einen Tiefgang, der gering genug ist, sie über alles hinwegzutragen, was der Krieg in ihren Weg gelegt hat.” (714)

Was ist es, das ich so nötig brauche?” (765)

…und hinten auf den Hügeln stehen unberührt die dichten Wälder.” (783)

Weisse Schwäne driften ins Schilf, Fasane fliegen über die hohen Kiefern landeinwärts. Irgendwo knurrt sich ein Lastwagen ins Leben.” (784)

Ich habe mir die Hände für dich wundgearbeitet.” (788)

Ein verschlafener Sommerabend in Peenemünde. Ein Entenschwarm zieht über den Himmel, Richtung Westen.” (789)

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15. Januar 2015

Fussnoten VIII.: Zille

  • Zille

Auf einer Zille sind sie nach Osten aufgebrochen, über den Spree-Oder-Kanal…”

Zillen sind Flussbote mit wenig Tiefgang, grössere Zillen verfügen über einen hausähnlichen Aufbau mittschiffs. Ich stelle sie mir in etwa wie die Boote des Fährimanns in Basel über den Rhein vor.

Weitere Zillen und ihre Tragfähigkeit:

  • Große Arzzille (Arbzille) von 3000 bis 4000 Zentner
  • Kleine Arzzille von 2.000 Zentner
  • Passauer und Wachauer Kelheimer 3000 bis 3500 Zentner
  • Große Klotzzille von 2000 bis 3000 Zentner
  • Kleine Klotzzille von 1500 Zentner
  • Wachauer Gams von 2000 bis 2500 Zentner
  • Siebnerin in drei Größen:
    • von 800 bis 900 Zentner
    • von 500 bis 700 Zentner
    • von 400 bis 600 Zentner
  • Sechserin in drei Größen:
    • von 600 bis 700 Zentner
    • von 400 bis 700 Zentner
    • von 500 bis 700 Zentner
    • kleinste Gattung von 300 bis 600 Zentner
  • Seenursch in drei Größen:
    • von 500 bis 800 Zentner
    • von 400 bis 700 Zentner
    • Kleinste Gattung von 300 bis 600 Zentner
  • Oberbergerin von 600 bis 900 Zentner
  • Schwabenzille von 300 850 Zentner
  • Rosszille von 500 bis 800 Zentner
  • Gemeindestättzille von 500 bis 800 Zentner
  • Neunerzille von 300 bis 850 Zentner
  • Waidhofner oder Waldzille von 200 bis 500 Zentner
  • Hallasch von 300 bis 400 Zentner
  • Fischerzille von 300 bis 400 Zentner kleine Zillen
  • Nursch und die Waidzillen bis zu 180 Zentner

(nach Wikipedia)

  • Bad Karma

Fiktionales Städtchen an der Oder, zugleich Wortspiel: englich ausgesprochen ergibt sich schlechtes Karma, was für Margherita ja auch zutrifft – vor dem Krieg hatte sie da jüdische Kinder ermordet. (715f)

  • On The Good Ship Lollipop

Nicht nur, dass sich ihr Lied als ‚On The Good Ship Lollipop‘ entpuppt,, nein, sie macht schamlose Anstalten, es weniger zu singen als zu grunzen” (727)

„On the Good Ship Lollipop“ war die Erkennungsmelodie von Kinderstar Shirley Temple. Temple sang sie erstmals in dem Film Bright Eyes (1934).

In dem Lied reist das Schiff, das vielmehr ein Flugzeug ist, in ein Bonbonland. Die Szene, in der sie das Lied singt, spielt in einer Douglas DC-2.

  • Llandudno

Slothrop hier hat von Llandudno geträumt, wo er einmal auf Urlaub war, verregnet, mti der Tochter eines Schlepperkapitäns und Bitterbier im Bett” (731)
Llandudno ist ein Seebad in Wales; im victorianischen Zeitalter erlebte es seine Blütezeit. Ein Standbild von Lewis Carroll ist da zu sehen, Pynchon spricht allerdings von einer Statue des weissen Kaninchens. Carroll verbrachte hier seinen Urlaub mit der Familie Liddell, für deren Tochter Alice er sein berühmtes Werk “Alice im Wunderland” schrieb. Mit seiner Befähigung für Wortspiel, Logik und Fantasie schaffte er es, weite Leserkreise zu fesseln. Seine Werke, als sogenannte Nonsense-Literatur bezeichnet, sind bis heute populär geblieben und haben nicht nur die Kinderliteratur, sondern ebenso Schriftsteller wie James Joyce, die Surrealisten wie André Breton und den Maler und Bildhauer Max Ernst oder den Kognitionswissenschaftler Douglas R. Hofstadter beeinflusst. Bekannt wurde Carroll auch als Fotograf: Wie Julia Margaret Cameron und Oscar Gustave Rejlander betrieb er bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Fotografie als Kunst.

  • Albedo

…Strandgut von anderen Bühnen des Krieges,…Beobachter von fremden Galaxien, Episoden aus Rauch, Augenblicke von hoher Albedo…” (736)

Die Albedo (lateinisch albedo „Weißheit“; v. lat. albus „weiß“) ist ein Maß für das Rückstrahlvermögen von diffus reflektierenden, also nicht selbst leuchtenden Oberflächen. Sie wird als dimensionslose Zahl angegeben und entspricht einer Prozentangabe (eine Albedo von 0,9 entspricht 90% Rückstrahlung). Vor allem in der Meteorologie ist sie von Bedeutung, da sie Aussagen darüber ermöglicht, wie stark sich Luft über verschiedenen Oberflächen erwärmt. (Wikipedia)

  • Rossokowsky

…der Ort (Peenemünde) selbst öde und verbrannt, wie Rossokowsky und die weissrussische Armee ihn im Frühjahr hinterlassen haben.” (781)

Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski (russisch Константин Константинович Рокоссовский, oder polnisch Konstanty Rokossowski; * 21. Dezember 1896 in Warschau; † 3. August 1968 in Moskau) war ein sowjetischer Offizier und Verteidigungsminister der Volksrepublik Polen. Er war Marschall der Sowjetunion und Marschall von Polen. (Interessant der Schreibfehler Jelineks im Namen)

Machte als getreuer Bolschewik in der Armee Karriere, hatte entscheidenden Anteil am Zurückdrängen der Deutschen im 2. Weltkrieg, verhörte Paulus nach dem Fall Stalingrads und traf schliesslich in Wismar mit Montgomery zusammen. “Ach”, seufzte er einmal, “in Russland nennen sie mich einen Polen und in Polen einen Russen…”

11. Dezember 2014

Fussnoten VII: Appaloosa

  • Appaloosa

Wir kennen sie alle: es sind die weissgefleckten Indianer- und Cowboypferde, die aus eingeführten spanischen Pferden (ausgewildert entstanden daraus die Mustang) und später aus Europa eingeführten “pied”-horses (“pied” bedeutet frz. Fuss, auch die pied-horses waren gefleckt) vom Indianerstamm der Nez-Percé gezüchtet wurden.

Wieso aber reitet Hauptmann Tschitscherin im damals sowjetischen Siebenstromland ein solches Pferd? So fern von Amerika? Nun, abgesehen davon, dass der Sitz des heutigen Appaloosa-Züchtervereins Moscow/Idaho ist, wurden diese Pferde durchaus nach Europa und Asien zurückexportiert…..

  • Hebephrenie

Hebe, der griechischen Göttin der Jugend, und, ebenfalls griechisch, “Fren” (Zwerchfell, Sitz der Seele)

Die Hebephrenie, eine Form der Schizophrenie, wurde früher als “Jugendirresein” oder “Läppische Verblödung” bezeichnet.

Die hebephrene Schizophrenie führt zu einer flachen Stimmungslage ohne Schwingungsfähigkeit, teilweise resonanzlos, depressiv, ohne emotionale Wärme (schizophrene Minussymptomatik, Verhaltensdefizite). Dann wieder kommt es manchmal zu auffallend läppisch-heiterem oder überhaupt läppischem Benehmen, wie z. B. durch ein nicht nachvollziehbar starkes Lachen und eine Inadäquatheit zwischen äußerer Situation und Reaktion. (Wikipedia)

  • PeyoteUnd ne Indianersquaw namens Peyote fürs Bett”

Lophophora williamsii ist eine Pflanzenart in der Gattung Lophophora aus der Familie der Kakteengewächse (Cactaceae). Das Artepitheton williamsii ehrt entweder den englischen Reverend Father Theodore Williams, der in Hendon Vicarage (Middlesex) eine Kakteensammlung besaß oder – mit größerer Wahrscheinlichkeit – den Engländer C. H. Williams, der den brasilianischen Bundesstaat Bahia bereiste.[1] Trivialnamen sind „Peyote“, „Peyotl“, „Challote“, „Mescal“ und „Mescal Button“. Auf Aztekisch heißt sie peyōtl, wovon sich die spanische Bezeichnung „Peyote“ ableitet. (Wikipedia)

Der Peyote-Kaktus enthält zahlreiche Alkaloide, das bekannteste ist das Meskalin, das ähnliche Wirkungen wie LSD zeigt.

Indianer brauchten es sowohl bei ihren Ritualen als auch medizinisch. (578)

  • Raketenmensch

Der Raketenmensch – wie man ihn bald nennen wird…”

In den Heften von “Scoop Comics” kam der “Rocketman” vor.

rocketman

  • P-38

Eine schwarze Formation aus P-38ern dröhnt über den Himmel…”

Die Lockheed P-38 Lightning (Aufklärungsvarianten wurden als Lockheed F-4 bzw. F-5 bezeichnet) war ein Kampfflugzeug der Lockheed Corporation aus dem Zweiten Weltkrieg. (585)

  • Nom de pègre

nom de pègre: underworld name (602)

  • Martin Fierro

Martin Fierro ist mehr als der Gaucho-Held eines grossen argentinischen Epos. Auf dem U-Boot hält man ihn für einen Heiligen der Anarchie…”

Martín Fierro ist ein episches Gedicht des argentinischen Journalisten José Hernández. Das Gedicht war ursprünglich in zwei Teilen – El Gaucho Martín Fierro (1872) und La Vuelta de Martín Fierro (1879) – herausgegeben worden. Es ist gegen die Europäisierung und das Buch Barbarei und Zivilisation des späteren argentinischen Präsidenten Domingo Faustino Sarmiento gerichtet und gilt als argentinisches Nationalepos. (Wikipedia) (603)

  • Oerlikon

Neben der Oerlikon, in dieser sanften Nacht, lehnt Graciela Imago Portales und träumt.”

In Zürich-Oerlikon steht noch heute eine Waffenfabrik, die Kanonen etc. in alle Welt exportiert. Auf unserem U-Boot wurde das Flak-Geschütz wohl einfach “die Oerlikon” genannt. Heutzutage werden diese leichten Kanonen eher auf Toyota-Pickups montiert, und dienen Aufständischen aller Regionen….

  • Zwölfkinder

Kinderdorf zwischen Lübeck und Wismar. “Umerziehung”?

  • Kekulé

Hier nun, hier Kekulés Problem in Kurzfassung. Wollte Architekt werden und endete statt dessen als einer der Atlanten der Chemie, der mit seinem Kopf die Hauptlast des organischen Flügels dieses nützlichen Gebäudes trägt…”

Friedrich August Kekule von Stradonitz, *7.9.1829, studierte erst Architektur, hörte aber in Giessen Vorlesungen des Justus von Liebig und entschloss sich daraufhin, Chemiker zu werden. Er hatte den berühmten Traum der hexagonalen Benzolformel. Wohl als verhinderter Architekt verfügte er vielleicht über das entsprechende bildlich-räumliche Vorstellungsvermögen?

Ourokek

So brachte Kekulé das geistige Auge des Architekten mit in die Chemie” (643)

  • Achtung! Feind hört mit

Ein Teil der Decke…ist jetzt durch aufgeweichte Papp-Plakate ersetzt, die alle die gleiche Gestalt mit hochgeschlagenem Mantelkragen und tief ins Gesicht gezogenem Hut zeigen, darunter die Unterschrift:

feind3

ACHTUNG! FEIND HÖRT MIT! (678)

  • As B/4

Nun war ‚As B/4‘ die alte Unterschrift von John Dillinger, mit der er sagte, dass er noch ganz der Alte war…” (682)

  • This is the Army, Mister Jones!

Zwanzig Minuten später, im amerikanischen Sektor, schlendert Slothrop an einer Kneipe vorbei…aus deren Tür..ein Potpourri aus Irving-Berlin-Melodien erklingt…’God bless America‘ ist zu hören, und ‚This is the Army, Mister Jones’” (692)

Irving Berlin, der 101 Jahre alt wurde, komponierte diese Songs während des Zweiten Weltkriegs, “This is the Army, Mister Jones” wurde 1943 auch der Titel eines Films mit Ronald Reagan.

3. Dezember 2014

Pöklers Forschung

Pökler etymologisch: Nach einem Ostseesturm ist Pökler durch die Gischt “von einer dünnen Schicht Salz überzogen”, also eingepökelt …

Franz Pökler gehört zu den Ausgesuchten, die im Dritten Reich – zuerst in und bei Berlin, dann in Peenemünde und der vorgelagerten Insel – an einer Rakete forschen. Er selbst ist Proletarier, aber auch preussische Junker (von Braun) und Angehörige aller möglichen Schichten (sogar Hereros und Juden) gehören zu dem hermetisch abgeriegelten Kreis, der Kekulés Traum nachträumt und teilweise, wie etwa Pökler selbst, bis zuletzt nicht ahnt, dass dieses Geschoss, zuerst V-1, dann V-2, dem Regime als Waffe dienen soll. Pökler und seine Tochter, die ihn besucht (seine Frau Leni hat sich lange schon von ihm getrennt) träumen hingegen vom Mond.

Ich las dies im Jahre 2014 und mir wurde schlecht davon. Es ist wie heute. Eine Regierung, die höchste technische Vollkommenheit auf einem mystischen Hintergrund anstrebt. Das Mystifizieren geht je bis in die Technik hinein (“Heilige Kathode, Heilige Anode und Heiliges Gitter…”). Draussen auf der Strasse werden eventuell Aufmuckende mit roher Polizeigewalt zur Räson gebracht (“Frauen schlitterten wie Puppen über die schlüpfrigen Pflastersteine und Strassenbahnschienen, der dicke Strahl traf sie an Bauch und Kopf…”). Sind wir wieder in Hitlers Zeiten angekommen?

Als das Kriegsende dem allem ein Ende macht, sieht Pökler draussen sterbende und tote Häftlinge und wird sich bewusst, was da alles während seiner unschuldigen” Forschungszeit geschah….

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18. November 2014

Pferde

Pferde

horse

“am Strassenrand die armen, faulenden Pferdekadaver…” (S. 130) (Brigadier Puddings flandrische Reminiszenzen, Ypern 1917)

“dort, wo einst Pferde an den tobenden, pechverfolgten Zockern des alten Friedens vorbeidonnerten…” Holländische V2-Batterie des Hauptmanns Blicero (156) in Duindingt.

Gottfried: “Er liebt sie (die Raketen) so, wie er Pferde lieben würde….”

“…ein Holzzaun, hohläugige Rösser auf einem Feld…” (222) (Schilderung eines Traums)

“…Dampfwolken aus den Nüstern des alten Pferdes…” (253) (Leni in Berlin wie sie am (Landwehr?)Kanal aufs Pflaster fielen, wo nur der Schnee ihren Sturz auffing)

“Gastgeber Raoul schweift mit einem riesigen Stetson, einem Tom-Mix-Hemd, einem Par Sechsschüsser und einem Percheron-Pferd am Zügel durch die Räume. Das Pferd äpfelt auf den Buchara-Teppich und einen lang hingeschlagenen Gast…” (387) (Percheron Pferd: Rasse aus dem nordfranzösischen Perche-Tal, gewöhnlich grau oder schwarz)

“Raoul redet ernsthaft auf sein Pferd ein.” (390)

“Raoul versucht, sein Ross zu besteigen und davonzusprengen, verfehlt aber den Sattel und rutscht auf der anderen Seite wieder runter…” (391) (der Sherman-Panzer ist in die Haschisch-Idylle der Party eingebrochen)

“Nicht annähernd das Chaos, das wir hinter uns gelassen haben”, erwidert traurig der Argentinier. In seinem Gesicht sind tiefe Falten erschienen, gegraben vom Leben nach tausenden von Pferden, vom Blick auf zu viele todgeweihte Fohlen…”
(Slothorp sitzt mit dem Argentinier Francisco Squalidozzi im Zürcher Odeon) (414)

Kurz nach dem Krieg im Harz:

“Alte Pferde mit knotigen, schlammverkrusteten Gelenken, kurzbeinig und weitbrüstig, ziehen Wagenladungen von Fässern von den Weinbergen zu den Wirtshäusern. (Bestimmt irrt Pynchon hier und es sollen Bierfässer sein. Gibt es Weinberge in Nordhausen?) Ihre Halsmuskeln spannen sich in den Doppelgeschirren, die sie aneinanderketten, ihre schweren Eisen lassen bei jedem ihrer nassen Tritte eine Dreckblüte aufspritzen.” (454)

“….von Jeeps, Zehntonnern, berittenen Russen immer wieder in den Graben gedrängt…” (462)

“…reitend auf Rössern aus hochglanzpoliertem Meteorstein, die alle das gleiche, stilisierte Gesicht haben (ein harter Kontrast zum Bild des Pferdes, das dir folgt, Betonung auf dem irren Blick, den Zähnen, der Dunkelheit unter seiner Schwanzwurzel…)” (464)

Die zentrale Stelle über Pferde ist natürlich der Ritt von Hauptmann Tschitscherin auf “Snake”, dem Apaloosa-Ross, durch die kirgisische Steppe auf der Suche nach dem “Kirgisischen Licht”

“Einige wenige mögen Zuflucht bei den Russen gefunden haben, denen Pferde noch etwas bedeuten.” (527)
“Es war ein Land des besoffenen Heimwehs nach Städten, der Stille kirgisisscher Ritte und des pausenlosen Bebens der Erde…” (529)
“Kirgisen, jung und alt, kamen aus der Steppe, rochen nach Pferden, saurer Milch und dem Rauch ihrer Kräuter…” (529)

“Hinaus ins Gebein des Hinterlandes reiten Tschitscherin und sein treuer kirgisischer Gefährte Džaqyp Qulan. Tschitscherins Pferd ist eine Version seiner selbst…..” (535ff)

8. Oktober 2014

Fussnoten VI: Chickadee

Bucharin-Konspiration (Dr.Porkjewitsch wird damit in Verbindung gebracht):

“Nikolaj Iwanowitsch Bucharin (1888-1938) war ein sowjetischer Politiker und marxistischer Theoretiker.
Er studierte Nationalökonomie an der Universität in Moskau und schloss sich 1906 den Bolschewiki an. 1911 wurde er verbannt konnte aber nach Deutschland fliehen. Ab 1916 lebte er in New York und brachte eine radikale Zeitung heraus kehrte im März 1917 nach Moskau zurück.
Er beteiligte sich an der Oktoberrevolution . 1919 kam Bucharin ins Zentralkomitee ; von 1917 bis 1929 war er Chefredakteur der Parteizeitung Prawda (Wahrheit). Er schlug sich zunächst auf die Seite Stalins um Trotzkis Pläne zu durchkreuzen.
1926 – 1929 war er Vorsitzender des Exekutivkomitees der Komintern .
1929 agitierte er gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Fünfjahrespläne und außerdem gegen den Trotzkismus . Er wurde im Gegensatz zu Trotzki als „rechter Abweichler der Parteilinie“ bezeichnet.
1934 wurde er rehabilitiert als die Gefahr durch ihn für die Parteilinie gebannt schien.
Nun verband sich die „trotzkistische Opposition“ mit der „rechten unter dem „Banner des Trotzkismus”, um “gegen die Kollektivierung und deren Erfolge” zu agieren.
Bucharin wurde 1937 der Prozess wegen Hochverrat gemacht und 1938 wurde er erschossen. (Wikipedia)

RHIP (303):
“Rank has its privileges”

Gagatohrringe (313):
Gagat oder Jet
Herkunft: Bitumensierende Kohle, fossiles Holz. Härte nach Mohs: 3 bis 4. Farbe: Mattschwarz bis hochglänzend Schwarz.
Sehr häufig in altem Schmuck vorkommend, vorwiegend im Trauerschmuck zu finden. Bei Reparaturen muss bei diesem Schmuckstein äußerst vorsichtig vorgegangen werden, da jede unbedachte Handlung die fossile Substanz beschädigt. Genauer gesagt bedeutet dies keine Wärme, da er gut brennbar ist und mit rußiger Flamme an der Luft verbrennt. Man spricht auch vom Ausgasen. Säure und Säureverbindungen beschädigen den Stein. Auch der Alaunsud greift die Oberfläche an. … (Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler)

Chickadee (315)
The chickadees are a group of North American birds in the tit family included in the genus Poecile. Species found in North America are referred as chickadees, while other species in the genus are called tits. They also have quick movements and are notably shy.

“Five little chickadees knocking at the door
One flew away and then there were four.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Four little chickadees singing in a tree
One flew away and then there were three.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Three little chickadees didn’t know what to do
One flew away and then there were two.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
Two little chickadees sitting in the sun
One flew away leaving only one.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.
One little chickadees not having any fun
She flew away and then there were none.
Chickadee, chickadee, happy today.
Chickadee, chickadee, fly away.”

Arbella (324)
Arbella or Arabella[1] was the flagship of the Winthrop Fleet on which, between April 8 and June 12, 1630, Governor John Winthrop, other members of the Company (including Dr. William Gager) and Puritan emigrants transported themselves and the Charter of the Massachusetts Bay Company from England to Salem, thereby giving legal birth to the Commonwealth of Massachusetts. John Winthrop is reputed to have given the famous „City upon a Hill“ sermon aboard the ship. Also on board was the first European female poet to be published from the New World, Anne Bradstreet and her family, and the ancestor of Lt. Tyrone Slothorp, main character of “Gravity’s Rainbow”
The ship was at first known as Eagle. Her name was changed in honor of Lady Arabella Johnson, who was a member of Winthrop’s company, along with her husband, Isaac Johnson.[2] Lady Arabella was the daughter of Thomas Clinton, 3rd Earl of Lincoln.[3]

Beguine (363):
Die Beguine (andere Schreibung: Biguine) wird oft als Gesellschaftstanz im lebhaften 4/4-Takt verstanden, aber auch als Musikstilrichtung. Mit Beguine bezeichnen die Tänzer vor allem aber eine der Rumba ähnliche langsame Musik, die sie oftmals an Stelle der zu schnellen Rumbamusik setzen. Auf der Insel Martinique wird von den Einheimischen auch der Tango als Beguine bezeichnet.
Der Tanz entstand im 19. Jahrhundert auf den damals zu Frankreich gehörenden Kleinen Antillen, wo sich einheimische karibische Elemente mit durch afrikanische Einwanderer dorthin gelangten Einflüssen des Bélé verbanden. Der Name Beguine leitet sich vom französischen s’embéguiner (dt.: mit jemandem flirten, um jemanden werben) ab. In seinen drei Hauptformen (béguine de salon, béguine de bal und béguine de rue) gelangte der Tanz bald auch nach Paris und von dort, besonders durch die Kolonialausstellung von 1931, in andere Erdteile.
Der amerikanische Komponist Cole Porter ließ sich von der Musik, die er in Paris kennenlernte, zu seinem Welterfolg „Begin The Beguine“ (1935) inspirieren. Als Adaption des Beguine gilt auch die originale Erkennungsmelodie der TV-Serie Star Trek von Alexander Courage.
Der Tanz Beguine ist nicht zu verwechseln mit der religiösen Gemeinschaft der Beginen, die in manchen Sprachen genauso (bzw. Béguine) geschrieben wird wie dieser.
(aus Wikipedia)

8. Oktober 2014

Songs

1 Jenseits der Null

ic heb u liever dan ên everswîn

al waert van finen goude ghewracht

(ich hab auch lieber dann ein eberschwein

allwert von feinem gold gebracht – übers. Buh – mittelniederländisch)

(175)

Wo steckt denn meine süsse Lola, hat Kurven wie ’ne Flasche Cola? (208)

In dulci jubilo…

(Makkaronisches von Heinrich Suso) (209, 217ff)

Bei der Postverwaltung überlegt man schon, eine Liste der unerwünschten Lieder aufzustellen…” (214)

In Knightsbridge wimmelt es von Menschen, im Radio dröhnen Weihnachtslieder, die U-Bahn ist ein Schlachtfeld, nur Pointsman ist ganz allein” (270) („And the crowds they swarm in Knightsbridge, and the wireless carols drone, and the Underground’s a mob-scene, but Pointsman’s all alone“ Sung to the tune of the Kinks‘ „A Well-Respected Man“)

…um irgendein Stück von Ernesto Lecuona zu hören, wahrscheinlich ‚Siboney’…” (272) (Maudie Chilkes hört es, nachdem sie Pointsamn in einer Abstellkammer einen Blowjob gab)

…er liebt es, die Basspartie von Diadem zu üben…” (273) (Pointsmann hat ne wuderbare Gesangsstimme. “Diadem” = aus: All Hail the Power of Jesus‘ Name, James Ellor)

Gwenhidwy summt ‚Aberystwyth’” (275) (komponiert von Joseph Parry, Aberystwyth ist eine Stadt in Wales) (es ist Weihnachtstag)

Oh, lasst euch nicht holen,

Es kommt, wenn sie’s wollen,

Doch da ist etwas, was ihr nicht seht:

Es ist gross und garstig und ist euch ganz nah,

Es wetzt seine Krallen und will euch ans Haar!

Der Gemüsemann sieht einen Regenbogen,

Der Tonnenmann hat sich am Schlips gezogen,

Und alles stimmt ein in den alten Refrain

Mit ’nem Dropsgesicht hoch am Himmel dro-hoben!

Mit ’nem Dropsgesicht hoch am Himmel dro-hoben,

Und ’nem alten Traum mit nicht mehr viel dran,

Kommt das Tortenstück schon auf euch zugeflogen,

Und unser Stück fängt auch gleich an!

Oh, der Tommy schläft heute nacht draussen im Schnee,

Und die Jerries, die lernen das Fliegen,

Und wir fliegen zum Mond, der am Himmel hoch thront,

In dem Plastikhaus, das wir bestiegen…” (usw.)

(Im Theater gibts “Hänsel und Gretel”, als jedoch eine Rakete nahebei niedergeht, tritt Gretel unplanmässig an die Rampe und singt, und alle – selbst Roger Mexico – singen mit)(281)

Höret die Engel, sie künden uns laut:

Mrs. Simpson hat unsern König geklaut…”

(Kinderlied in Anspielung auf Edward und Wallis Simpson) (285)

2 Une Perm‘ au Casino Hermann Goering

Bloat und Tantivy singen Foxtrott:

Bloat: Der Engländer ist äusserst schüchtern,

Als Casanova ist er nichts wert.

Ist irgendwo eine Dame zu kegeln,

Wird meistens ein Yankee begehrt –

Tantivy: Dem Engländer nämlich mangelt seit je

Die Verwegenheit, die transatlantische,

Die für Frauen so schrecklich romantische,

Was ich, offen gesagt, nicht versteh…

Bloat: Der vielweibernde Yank hält sich Mädchen im Hundert

Der englische Gent hält sich Haus-be-sitz…

Tantivy: Wobei er den Yankee klammheimlich bewundert

Als ’ne Art von erotischem Clau-se-witz…

Beide: Im Bett hätt keine mehr zu klagen,

Gäb’s Ami-know-how mit Tommy-Betragen.

Die Süssen würden nie mehr nüchtern,

Obwohl wir wissen – der Engländer ist schüchtern.

Slothorp darauf: J’ai deux amis……

Slothorp singt die Ballade von Tantivy Mucker-Maffick, zwischen den Strophen wird er von Katja um Mitternacht in ihr Zimmer 306 eingeladen (304):

Die Ballade von Tantivy Mucker-Maffick:

Beim Itaker-Gin, da schmeisst es dich hin,

Vom französischen Bier wirst du septisch.

Bourbon in Spanien, man konnt’s fast ahnien,

Macht noch heiliger als epileptisch.

Es gibt Fusel, mit dem fährt ein U-Boot bequem

Über Berge und alle Gerölle –

Reines Gift, das die Knochen im Leib dir lässt kochen,

Gewürzt mit den Hämmern der Hölle!

Refrain:

Tantivy säuft sich rund um die Welt,

Und geht sie ihm auch in die Binsen,

Wenn er jemals nein sagte zum Alkohol,

Fiel ich tot um mit schaurigem Grinsen!

Ihm wuchsen schon Kiemen in Meeren von Grog,

Sein Durst war so gross wie ein Wal.

Er sang Shanties in Moll, wenn nicht sternhagelvoll,

Und Schlagseite schien ihm normal.

Ob im Nebel von London, in der Hitze der Wüste,

Im Gletschereis über Zermatt –

Jeder irdische Schrecken konnte hinten ihn lecken,

Weil er immer geladen hat!

Refrain:

Ja, Tantivy säuft sich rund um die Welt, etc.

Als Slothorp jedoch nachher Tantivy über die Ereignisse des Tages ausfragen will, summt dieser: “Am Meer kann man Sachen machen, die wär’n in der Stadt mehr zum Lachen…” (Komponist: Mark Sheridan)

In Katjes Zimmer singt Slothorp dann:

Zu früh, um zu fragen (Foxtrott)

Es ist viel zu früh,

Noch vor den ersten Küssen,

Noch ehe uns der Mond

Belauscht hat in den Kissen,

In einsamen Nachtstunden,

Nachdem wir uns gefunden…

Noch viel zu früh, zu fragen,

Ob das, was uns verstört,

Mit atemlosem Zagen

Denn mehr ist als ein Flirt,

Der heute uns bindet

Und morgen entschwindet…

Wer enträtselt die Liebe,

Wer ahnt ihr Geheimnis?

Wir müssen’s erleiden,

Ohne selbst zu entscheiden…

Drum weisst du es nicht,

Ob heute der Tag ist, da alles beginnt,

Oder das Licht

Im Schatten der Nacht uns zerrinnt.

Darling, du kannst es nicht sagen,

Denn es ist zu früh, um zu fragen.

Und im Casinosaal, der des Morgens ganz verlassen daliegt:

Oh, die Welt dort drüben, ’s ist

Schwer zu kapieren!

Wie Träume, die sich im Kopf schon verliern!

Du tanzt wie ein Narr in verbotenen Sälen

Und wartest auf Lichter, die sie erhellen –

Wer-warnte-dich: das zu riskieren?

Wer-warnte-dich: vor einem Käfig?

Sobald’s nicht mehr hinhaut mit deinem Glück,

Kannst du doch immer wieder zurück, denn:

Kein Lebewohl gilt auf ewig!

“Mit einem fröhlichen Song durch den Boa-debulomg, als sei nichts gewesen…”
As I walk along the Bois de Boulogne
With an independent air,
You can hear the girls declare,

„There goes a millionaire!“

You can hear them sigh and wish to die,

You can see them wink the other eye

At the man who broke the bank at Monte Carlo.  (Fred Gilbert) (323)

Tantivy und auch Bloat sind inzwischen verschwunden. Um Dodson-Truck zu “testen”, veranstaltet Slothorp das Prince-Spiel, welches in allgemeines Besäufnis ausartet. Bald singen alle ein “Unanständiges Lied”:
Unanständiges Lied
Hab gestern nacht gegeigt die Queen von Trans-sylvanien,
Heut wird gefegt beim Queenie von Burgund –
Ich komme aus dem Lande Schizophrenien,
Doch Mrs. Queenie pflegt mich schon gesund…
Zum Frühstück mit Schampus und Kaviar,
Zum Tee mit Chateaubriand und einem Fizz,
Zu rauchen gibt’s Havannas, völlig klar,
Ich lach, als wär die Welt ein fauler Witz!
Drum nennt mich, wie ihr wollt, aber macht Platz dem Steiger,
Der bei der süssen Queen von Trans auftrat als Geiger!

“Ein Waliser mit Akkordeon steht auf einem Tisch und spielt ‚Lady of Spain‘ in C-Dur”
Sir Stephen (Dodson-Truck) vertraut wenig später Tyrone ein furchtbares Geheimnis an:
Der Penis, den er für seinen eigenen hielt
Tenorsolo: ’s war mal ’n Penis, den hielt er für seinen,
Nannte ihn seinen fröhlichen Kleinen…
Mit ’ner dicken, roten Spitze
Ragt‘ er aus des Bettes Hitze,
Wo die Girlies spielen Telefon –
Bass:        Doch sie kamen durch das Loch in der Nacht,
und sie haben ihn zum Verschwinden gebracht
(schwin-den ge-bracht)
Tenor:    Jetzt muss er ständig weinen
Um den armen, armen Kleinen
Den er einst hielt für-den-seinen!
(für-den-seiiiinen!)
“Die Überleitungsmusik, die jetzt erklingt, fröhliche Xylophone, basiert auf alten Schlagern, die die Ereignisse mit sanfter Ironie kommentieren, ‚School Days, Schooll Days‘ etwa oder ‚Come Josephine, in My Flying Machine‘ oder gar ‚There’ll be a Hot Time in the Old Town Tonite’” (353)

Der nächste Song, den die Versuchstiere der “Weissen Visitation” singen, heisst “Pawlowien (Beguine). Ich las zunächst “PawloNien”, weil ich den Baum “Paulonia” kenne. Ingeborg Bachmann und Max Frisch lagen in seinem Schatten, eine besondere Rolle aber spielt der Baum in der Geschichte von ihr und Paul Celan. In beiden ihrer Werke taucht er auf, als ob die beiden ein (Liebes)Gespräch hielten. (Siehe hier)

Pawlowien (Beguine)
Frühling war’s in Pawlo-o-wi-en,
Ich irrte durchs Labyrinth,
Lysol durchduftete die Luft,
Hier drinnen weht kein Wind…
Dann fand ich dich, verirrt wie mich,
Du schienst so furchtbar jung,
Wir tauschten nasengrüsse aus –
Mein Herz tat einen Sprung!

Gemeinsam fanden wir hinaus
Und teilten uns die Belohnungen
Wie einen Abend in dem kleinen Café,
Vor dem Abtransport in unsere Wohnungen…
Und schon ist es Herbst in Pawlo-o-wi-en,
Und ich bin wieder allein…
Meine Einsamkeit misst in Millivolt
Durch Rückenmark und Gebein.
Und ich denke an unser kleines Café
Und weiss deinen Namen nicht –
Denn sie lassen dir nichts in Pawlo-o-wi-en
Als ein Labyrinth ohne Licht…

Brigadier Pudding aber schleicht zu seiner Domina und summt dabei:
Wasch mich in den Wassern,
darin du waschest deine schmutzige Tochter,
Und ich werde weisser sein als die weisse Farbe an der Wand….

O, O, O,
To-tus flore-o!
Iam amore virginali
Totus ardeo…. (Carl Orff) (375)
Es geht auf die Party von Raoul de la Perlimpinpin (384):

“Mein Gesicht glänzt wie ein Mikrophon,
Auch mein Haar gefällt mir sehr,
Bin lieblich wie Vanilleeis,
Bin Mis-ter Debo-nair…” (385) (Tyrone zieht sich fein an)

Ein abgehärmter Troubadour:

Julia (Foxtrott)
Ju-lia,
Would you think me pe-culiar,
If I should fool ya,
In-to givin‘ me – just-a-little-kiss?
Jool-yaaahh,
No one else could love you tru-lier,
How I’d worship and bejewel ya-
If you’d on-ly give-me-just-a-little-kiss!
Ahh Jool-yaaahhh –
My poor heart grows un-ru-lier,
No one oolier or droolier,
Could I be longing for –
What’s more –
Ju-lia
I would shout hallelujah,
To have my Jool-yahh,
In-my-arms forevermore.

Slothorp ist nun in Zürich. Vor seinem Hotel “Nimbus” aber sieht er beim Heimkommen einen Beschatter stehen: “Zunnggg! Diddilung, diddilat-ta-ta-ta, ya-ta-ta-ta, im Allegro der Wilhelm-Tell-Ouvertüre zurück in den Schatten…”

Drei Songs, die in dem Buch NICHT gesungen werden:

The Lakes of Ponchartrain. Tyrone is a true Yankee and has nothing to do with New Orleans
I am sailing. Tyron flies!
True colors. Why not? There’ve been enough colors in the Casino…..

Den Song “Irre auf Urlaub” (408) schreib ich hier net auf. Es gibt keine Irren in Zürich. Frag Lucien Favre.

3 In der Zone

Slothrop im Zug nach Nordhausen, hört den Song (es ist ein Displaced-Persons-Lied):

Hörst du den Zug heut abend
Pfeifen seinen schrillen Schrei,
Leg dich auf dein Bretterlaken,
Schlaf, und lass den Zug vorbei.

Züge riefen jede Nacht uns,
Gelaufen tausend Meilen schon,
Unterwegs durch leere Städte,
Züge ohne Endstation.

Keiner steuert die Maschine,
Keiner, der die Fahrt bewacht,
Züge brauchen keine Menschen,
Züge sind ein Stück der Nacht.

Bahnstationen liegen einsam,
Wegerechte brach und kalt,
Was wir verlassen, erben Züge,
Züge fahren, wir werden alt.

Lass rufen sie wie arme Seelen,
Lass sie schreien in den Wind –
Züge sind für Nacht und Regen,
Unser Gesang und Sünden sind. (445)

Immer noch auf dem Dach des Eisembahnwaggons. Phantasien von schwarzen Raketentruppen:

Hey, guten Morgen, Kumpel, jetzt ist Schluss
Mit Gerumpel, jetzt ist Schluss
Mit Krieg Nummer zwo-o-o-o!
Der Kampf ist vorbei, die Welt ist wie neu,
Die Sonne sagt wieder hallo!
Du da, Hermann, mein German, hör schon auf mit dem Jammern,
Auch für dich geht es jetzt wieder nach Haus!
Der böse Wolf ist fort vom Raketenort
Drum tanzt auf den Tischen, wie, Mickey-Mouse –
Und du sei ’n braves Mädchen, Gretchen!)
Tanzt auf den Tischen, wie, Mickey-Mouse! (453)

In Nordhausen hört Slothorp als erstes ein Lied, gesungen von Geli Tripping. Sie begleitet sich auf einer Balalaika, die einem sowjetischen Geheimdienst-Offizier namens Tschitscherin gehört:

Die Liebe lässt dich nie,
Und flieht sie einmal doch,
Hält dich Erinnerungen
Gebannt in ihrem Joch.

Du bist von mir gegangen,
Die Rose nur blieb hier,
Gepresst in meinem Stundenbuch –
Die Rose blieb bei mir…

Nun ist ein Jahr verstrichen,
Es kam ein neuer Traum,
Und doch bringt deine Rose
Zurück den Lindenbaum…

Denn Liebe läst dich nie,
Nicht, wenn sie ehrlich war –
Sie kehrt zurück, bei Tag, bei Nacht,
Frisch wie im alten Jahr –

Zärtlich und grün, treu bis ans Grab,
Wie unser Lindenbaum,
Von dem für deine Rose
Ich einst ein Blatt dir gab…

(Love never goes away,
Never completely dies,
Always some souvenir
Takes us by sad surprise.

You went away from me,
One rose was left behind —
pressed in my Book of Hours,
That is the rose I find …

Though it’s another year,
though it’s another me,
under the rose is a drying tear,
Under my linden tree ….

Love never goes away,
Not if it’s really true,
It can return, by night, by day,
Tender and green and new
As the leaves from a linden tree, love,
. that I left with you)

(eine von diesen traurigen, pariserisch klingenden Melodien im Dreivierteltakt) (454)

Die Raketen-Limericks:

Da gab’s mal was namens V2,
Das sollte wohin noch im Mai.
Man drückte ’nen Knopf,
Ihr stieg’s in den Kopf –
Und schon hatte man Stücker drei.

(Refrain) Ja, ja, ja!
In Preussen küsst keiner gern Pussys!
Die Katzen sind mager hier,
Nur Abfall gibt’s reichlich hier,
Drum walz mich noch einmal rum, Russki!

Ein Lieutenant Van Davis aus Wayne
Liess mit einer Rakete sich ein.
Es ist netter, sprach er,
Als normaler Verkehr,
Und nun lasst uns bitte allein!

’nen General gabs mal namens Pope,
Der liebte ein Oszilloskop.
’s war die zwinkernde Röhre,
Die ihn derart betörte,
Dass man ihn seiner Ämter enthob.

Ein Gefreiter, mit fröhlicher Miene,
Bestieg eine Walter-Turbine.
Das ist die wahre Minne,
Wenn ich bin bei der drinne,
Sagt er, und sie summt wie ’ne Biene.

Einem Techniker Urban aus Dallas
War Wolframdraht sein ein und alles.
Er knackte Trioden
Sich zwischen den Hoden,
Doch plötzlich, da tat einen Knall es.

Intermezzo:
Jeder kleine Nazi hat sein kleines Schatzi
Auf dem Mittelwerk-Express!
All die lustigen Faschisten hörst du bärtezwirbelnd flüstern:
Wo geht’s hin? Welche Adress?
Am Ende der Schienen wartet ein Land,
Wo weder Knappheit noch Steuern bekannt,
Mit goldenen Zeiten für Rosie und Rex,
Auf dem Mittelwerk-Express!

Es war mal ein Kerl namens Slattery
Verliebt in ’ne Kurskreisel-Batterie,
Doch die saure Substanz
Verätzte ihm seinen Schwanz
Worauf er vernehmlich “Nie wieder!” schrie.

(die arme Elfriede Jelinek muss Limericks übersetzen)

Ja, ja, ja,
In Preussen küsst keiner gern Pussys, usw.

Ein Diplomingenieur namens Merker,
Der vögelte einen Verstärker,
Doch bei jedem Kurzschluss
Ging redundant ihm ein Furz los –
Das verdross diesen Herrn namens Merker.

Da war mal ein Kerl namens Hektor,
Der triebs mit nem Meiller-Erektor-
Der zu viel Druck drauf hatte
Und ihm quetschte die Latte –
Seitdem ist hydraulisch verschreckt er. (487)

OH…da, sind…
Nazis an der Mauer,
Faschisten in Tapeten,
liegen Japse auf der Lauer,
Wolln dich in die Eier treten.
Ist dieser Krieg zu Ende,
Ist es noch nicht vorbei,
Dann nimmst du dir die Russkis vor
Und ziehst in Nummer drei… (492)

und drei Limericks werden nachher noch gesungen, wenn Slothrop in einem Ballon vor Major Marvy nach Berlin flieht:

Es gab mal einen Herrn Schroeder,
Der sodomierte so gern Voltmeter.
Doch einmal im Mai
Blieb er stecken dabei –
Später wurde er Schmierölvertreter.

Da war mal ein Typ vom Äquator,
Der trieb’s mit ’nem LOX-Generator.
Seine Eier plus Pint
Vereisten geschwind –
Gerade das kam ihm so delikat vor.

Da war mal ein Kerl namens Ritter,
Der schlief mit ’nem Leitstrahl-Transmitter.
Davon schrumpfte sein Schwanz
und fiel schliesslich ab ganz –
Das machte ihn manchmal recht bitter.

Es gab mal ’nen Mann bei dem klickte
Es nur, wenn er Sprengkörper fickte,
Seine Frau wollte fort
Von Stelleund Ort
Weil er sie gar nie mehr beglückte.

Ja, ja, ja, ja!
In Preussen küsst keiner gern Pussys – (524)

Ein Lied des Schwarzkommandos:

Scharf auf Selbstmord

Tscha, was ich esse, schmeckt mir schal,
Der Boogie-Woogie ist mir ganz egal,
Denn ich bin scharf auf Selbstmord!

Auch vor Bing Crosby lasst mir meine Ruh,
Vergesst sein blödes “bu-bu-bu-boo”,
Ich bin nur scharf auf Selbstmord!

Die Lebensmittelmarken könnt ihr sparen,
Und auch die Muttis, die mal Baby-Vamps waren,
Denn ich bin scharf auf Selbstmord!

Baseball hab ich genauso satt,
Scheiss auf das Land, scheiss auf die Stadt,
Denn ich steh nur auf Selbstmord…. (501)

Aber jetzt sind Tschitscherin und Dzaqyp in der kasachischen Steppe beim Ajtys – einem traditionellen Gesangswettbewerb:
Ein Mädchen und ein Junge singen abwechselnd, zuerst hitzig, dann lächelnd. Was der Junge sang, wissen wir nicht. Das Mädchen:

Du hast zu viel getrunken vpm Qumys,
Mir scheint, ich höre die Worte des Qumys,
Denn wo warst du in der Nacht als mein Bruder
Gesucht hat seinen gestohlenen Qumys?

Das Mädchen:

Hab ich dich singen hören von Hochzeit?
Hier schon, hier war sie, die Hochzeit –
Diese hitzige Runde aus Liedern
War lärmend und laut wie nur je eine Hochzeit…

Aber dann singt der Aqyn vom Kirgisischen Licht!

Das Lied des Aqyn

Ich bin gekommen vom Rand der Welt,
Ich bin gekommen aus den Lungen des Winds,
Ich habe etwas gesehen, so erhaben,
Dass selbst Dzambul es nicht könnte singen.
Furcht ist gesät in mein Herz, scharf genug,
Zu zerschneiden den härtesten Stein.

In alten Legenden wird es erzählt,
Aus einer Zeit, noch älter als Qorqyt,
Der die erste Qobyz aus dem Walde von Šyrghaj
Uns brachte und das erste der Lieder –
Es wird uns erzählt, dass ein Land in der Ferne
Ist der Ort des Kirgisischen Lichts….. (noch 7 Strophen mehr, (561)

“’Ich hab’s‘, sagt Tschitscherin. ‚Lass uns reiten, Genosse’”

Dann im zerstörten Berlin. Seaman Bodin vom US-Zerstörer John E. Badass singt in der Chicago-Bar:

Des Dopers Traum

Mir träumte heut nacht, ich steckte tief drin
In ’ner blubbernden Wasserpfeife,
Aus der ganz plötzlich ein arabischer Dschinn
Rausquoll und sich aufblies, ganz leise.
“Ich bin hier”, so zwinkerte er, “dir zu gehorchen”,
Während ich nach Worten noch suchte.
“Is ja prima”, rief ich endlich, “meine einzige Sorge
Ist der Nachschub an Stoff, der verfluchte.”
Mit ’nem fröhlichen Grinsen packte er meine Hand,
Und wir flogen über den Himmel so rasch,
Dass nach einer Sekunde, in einem anderen Land,
ich stand vor einem Berg, ganz aus Hasch!
Die Bäume dort blühten von purpurnen Pillen,
Und der Romilar-Strom floss vorbei,
Heilige Pilze gab’s, den Hunger zu stillen,
Und im Schnee wuchs das Gras noch wie Heu.
Schöne Mädchen brachten Körbe voll Kokain,
Und Morning Glory, gewoben ins Haar,
Wir tanzten im Zeitlupentempo dahin,
Bis Mary Jane mich rief zum Tea an der Bar.
‚N ganzen Pott voller Pot bekam ich, weiss Gott!
Aus blühendem Panama-Red,
Dazu noch als Nachtisch Muskatnuss-Kompott,
Und ne Indianersquaw namens Peyote fürs Bett.
Ihr wollt ich Treue gern schwören,
Und ich meinte es ehrlich dabei,
Als plötzlich aus meiner Pfeife der Dschinn
Sich entpuppt als Bulle von der Rauschgiftpolizei.
Er hat mich gekascht, so wie ich da lag,
Jetzt sitz ich im Knast, wo ich immer stecke,
Der Erinnerung an mein Traumland der Drogen,
Und ich frag‘ mich, ob ich’s je wiederentdecke…

Frau Gnahb gröhlt ein blutdürstiges Shanty

Die Königin bin ich der Ostsee-Piraten……

Ein Schwein ist ein fröhlicher Kumpel,

Ob Eber, ob Frischling, ob Sau.

Ein Schwein ist ein Freund, der’s gut mit dir meint,

der zu dir hȁlt im schlimmsten Verhau.

Ob sie dich ȁchten, verfolgen, betrügen,

Ob du gegen Tory und Whig stehst allein,

Ob dich Genossen versetzen, Genossinnen hetzen,

Es bleibt dir doch immer dein Schwein, dein Schwein,

Es bleibt dir doch immer dein Schwein! (898)

2. Oktober 2014

Katje Borgesius

Sie ist eine Holländerin, die das ganze Buch über auftaucht.

Wir begegenen ihr zum ersten Mal im Gebäude der Mannschaft von Pirate Prentice, kurz nachdem bei der alten Abtei bei Ick Regis über den Klippen der englischen Südküste, wo ein Schwung irrer Wissenschaftler (es ist ein altes Irrenhaus) dem Kommando des alten, 1940 reaktivierten Brigadiers Pudding als “Weisse Visitation” für die parapsychologische Kriegsführung “forscht” (151),

Pointsman und Roger Mexico zusammen dem winterlichen Ufer entlanggehen und sich kontrovers über Slothorp als Versuchskaninchen und die mögliche Umkehrung von Ursache und Wirkung (wie die V2 zuerst einschlägt und man erst dann ihren Fluglärm hört, könnte also die Wirkung vor die Ursache zu liegen kommen?) unterhalten. Das Gebäude befindet sich in Chelsea; wie wir wissen, kultivieren auf der Dachterrasse Osbie Feel seine Arzneipflanzen und Prentice seine Bananen.

Katje ist hochgewachsen, breitschultrig und blond. Zu Osbie Feels Verwunderung trägt sie keine Kloggen sondern hochhackige Pumps, auch sind Make-Up, Rouge und ausgezupfte Augenbrauen zu erkennen. Osbie Feel – der von manchen als die Verkörperung von Pynchon in seinem eigenen Buch gehalten wird – beschäftigt sich gerade mit Pilzen (einer milderen Abart von Amanita phalloides, dem Knollenblätterpilz).

Zunächst kommen ihr Erinnerungen an den Hauptmann Blicero, der sie und ihren “Bruder” (im Schicksal) einst in Holland – Blicero war dort Kommandant einer V2-Batterie, die östlich von Den Haag und nahe Wassenaar auf einer ehemaligen Pferderennbahn stationiert war – zwischen mancherlei Sexspielen wie Hänsel und Gretel im Käfig gehalten hatte (154).

Der Hauptmann Blicero, homosexuelle “Reflexe” und Rilke, besonders seine Zehnte Elegie, liebend, wundert sich, dass seine Stellung noch nie von den englischen Spitfires getroffen wurde. Vielleicht ist Katje ja doch eine britische Agentin, die ihr eigenes Leben retten will? Aber sie ist doch Parteimitglied, hat mehrere jüdische Familien verraten und gilt in der Kantine in Scheveningen, wo sie arbeitet(e) als äusserst tüchtig? Nein, entscheidet er, es ist um ihres Spiels willen, letztlich muss er von den Kindern in den Ofen gestossen werden, damit die Hexe in seinem Körper verbrennt, und nicht im Bombenhagel umkommt.

(Wie findet ihr die Konstellation? Raketen gegen Bomben. Erinnert euch das an den jüngsten Gaza-Konflikt? Anm. T.K.)

Aber Katje scheidet schliesslich aus dem Spiel aus. Sie geht. Es wird uns durch Gottfried berichtet: “Er sah sie nicht zum ersten Mal davonschleichen, und es gibt ja auch Gerüchte, dass sie zum Widerstand gehört oder in einen Stukaflieger verliebt ist, den sie aus Scheveningen kennt. Aber sie scheint auch Hauptmann Blicero zu lieben?…” (167)

Unter abenteuerlichen Umständen flieht sie nach England und (zu ihrem Führungsoffizier) Prentice. “Aber wo wollen Sie jetzt hin?” “Ich weiss es nicht. Fällt Ihnen nicht ein guter Platz ein?”

Die ‚Weisse Visitation’”, schlug Pirat vor.

‚Weisse Visitation‘ klingt gut”, sagte sie, und machte einen Schritt ins Leere hinein… (173)

Pirat hat was zum Grübeln, daran liegt’s. Ständig muss er daran denken, wie auffällig Katje jetzt jede Erwähnung des Hauses im Wald vermeidet. (174) “Scheiss drauf’” mag sie sagen, und aus welchen Gründen sie aus dem Spiel ausgeschieden ist, werden wir nie erfahren.

Lang und breit wird nun geschildert, wie Frans Van der Groovs auf Mauritius mit einer alten Hakenbüchse (Haakbus) die einheimischen Dronten dezimiert, bis sie schliesslich im Jahre 1681 ausgerottet sind und ganz von der Erde verschwinden. Ob das dem guten Frans klar war? Frans wird als Vorfahre von Katje geschildert (und wenn er nur als Holländer Vorfahre wäre). (176)

In der ‚Weissen Visitation‘ schleppt Webley Silvernail den einzigen Filmprojektor durch die Korridore, um dem Kraken Grigori einen stummen Streifen vorzuführen, der Katje zeigt. “Lautlos folgt ihr die Kamera, während sie langbeinig und planvoll ziellos durch die Räume schlendert, die breiten Schultern, die an eine Halbwüchsige denken lassen, auswärts gereckt, das blonde Haar zu einer modischen Hochfrisur getürmt, die, so gar nicht niederländisch-bieder, von einem alten, blinden Silberdiadem gehalten wird…” (184)

2. Une Perm‘ au Casino Hermann Goering

Am Mittelmeerstrand nahe Antibes rettet Slothorp Katje aus den Fängen eines Kraken (es ist der von Dr.Porkjewitsch betreute Grigori) . (296f)

Slothorp hat auch prompt das Gefühl, dass das ganze Bruhaha mit dem Kraken kein Zufall war.

Katje sagt: “Vielleicht war’s uns sogar vorherbestimmt, dass wir uns trafen…” (301)

Um Mitternacht in Katjes Zimmer 306 trägt sie dann einen pelzverbrämten, reich mit Pailletten bestickten weissen Mantel mit wattierten Schultern und fransigen weissen Straussenfedern an Hals und Ärmeln.

Als sie ficken, schlagen “die gestreckten Oktaeder ihrer Gagatohrringe gegen ihre Wangen…” (313)

Am Morgen werden S. sämtliche Sachen (Kleider) geklaut. In der Verfolgung des Diebes springt S. auf einen Baum, klettert hoch zum Wipfel, welcher abbricht und mitsamt S. mitten in eine krockettspielende Gesellschaft (Anspielung auf Alice im Wunderland) fällt. Katje bleibt zurück.

3. In der Zone

Viel später taucht Katje in dem phantasmagorischen Museum (ab 820) wieder auf, sie fällt Prentice in die Arme – oder er ihr – und sie tanzen.