Posts tagged ‘Argentinien’

7. März 2011

Ein gekapertes U-Boot

Schauplatzwechsel! Wir sind irgendwo auf dem Atlantik. Eine argentinische Gruppe hat ein deutsches U-Boot gekapert und will es nach Deutschland überführen, um dort um politisches Asyl nachzusuchen. Ausgerechnet in Deutschland!. Welch irres Szenario! Einmal abgesehen von der Faszination U-Boot. Die Weite des Horizontes! Das spähende Auge, Periskop dicht über den Wellen, selber im Verborgenen. Der Thrill der Jagd. Sehen und selber (hoffentlich) nicht gesehen werden. Bücher mit Schiffssilhouetten zur Identifikation des Feindes zur Hand. Dort in der Ferne braust ein US- Zerstörer heran! Warum sind so viele Zerstörer unterwegs, und so wenig Aufbauer? Wissen die jungen Leute da eigentlich, dass der Krieg zu Ende ist? Ich las von dem japanischen Soldaten, der jahrzehntelang in einer Erdhöhle aushielt, weil er die Kapitulation nicht mitbekommen hatte…Auch unsere Akteure sind eher Reiter zu Pferd als Seeleute…Und doch: auch da der Horizont!  “Was der Gaucho umreiten konnte, gehörte ihm”

Inzwischen singen sie ein Liedchen zur Gitarre, und endlich hören wir Spanisch:

Aqui me pongo a cantar

Al compás de la vigüela,

Que el hombre que lo desvela

Una pena estraordinaria,

Como la ave solitaria

Con el cantar se consuela.

Erinnert Ihr Euch? Slothrop hatte ihren Abgesandten im Zürcher Odeon getroffen, war dann von diesem zum Essen in die Kronenhalle eingeladen worden (in derselben Kronenhalle sind dieser Tage, 65 Jahre später, die Laptops verboten worden, das ist die neue Auseinandersetzung zwischen Zäunen und Weite, zwischen Zentrum, Ordnung, Disziplin, Eigentum, und Anarchie), hatte für ihn eine wichtige Botschaft nach Genf gebracht….

Auf dem Boot, inzwischen, unter der spanischen Küste, tagsüber auf Tauchstation, des Nachts aufgetaucht, um die Batterien aufzuladen, “sanfte Nacht, vollgeschmiert mit goldenen Sternen”: die gemischte Besatzung: bolschewistische Dichter, ausgeflippte Frauen, Gauchos, kampfgeile Bordingenieure, die sich ein Torpedo- und Geschützduell mit dem amerikanischen Kriegsschiff John E.Badass liefern, dass aber zum Glück durch den heimgekehrten Seaman Bodine mittels raffinierter Drogen verhindert wird… Auch Squalidozzi, ihr Abgesandter, ist inzwischen auf Umwegen über Zürich, Rottweil oder Trossingen und Bremerhaven zurückgekehrt. Er hatte in Süddeutschland ein Gangstertreffen zwischen den Leuten Blodgett Waxwings und Gerhard von Göll mitbekommen, einen Western mit Pferden gesehen! Und von von Göll (dem Springer) eine Zukunftsperspektive in der Lüneburger Heide gewiesen bekommen…. Alles reichlich verrückt und wieder einmal völlig imaginativ und „konfus“!

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23. Februar 2011

Zoot (Fussnoten IV, ab S. 348)

Der Zoot Suit ist ein Anzug mit wattierten Schultern und eng zulaufender Hose, der in den 1930er und 1940er Jahren in den USA vor allem von Afroamerikanern, mexikanischen Amerikanern, Puertoricanern, Italo-Amerikanern und Filipino-Amerikanern getragen wurde. Diese Art von Anzug war zunächst in der Jazz-Kultur Harlems beliebt, dort wurden sie zum Ende der 1930er Jahre als drapes bekannt. In Los Angeles wurde der Anzug dann von jungen Mexiko-Amerikanern, speziell den Pachucos, übernommen. Der Stil verbreitete sich daraufhin in den ganzen USA. Er war unter anderem auch Markenzeichen von Al Capone. Auch die Zoot Suit Riots erhielten ihren Namen von dem Anzug. In den 1950er Jahren aus der Mode gekommen, wird der Anzug heute nur noch selten getragen. Slothrop erhält einen weissen mitsamt Panama-Hut und baumelnder Schlüsselkette von Waxwing, verpfändet ihn aber später in Zürich um des Hungers willen. Die Moden – sagte schon mein Alter – kommen und gehen, und wirklich haben wir gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts wieder wattierte Schultern getragen, was heutzutage voll uncool wär, in zehn Jahren aber wieder in sein wird.

• “…ein alter Gorodki-Stock, lasiert in nichts als tote Gegenwart…” (S. 359) Gorodki (russ. “Stöckchen”) ist ein dem Krickett ähnliches Spiel aus Russland

o “’in Badajoz’, flüstert er demütig…” (S.370) Badajoz, spanische Stadt am Ufer der Guadiana, an der portugiesischen Grenze. Sowohl aus dem spanischen Bürgergkrieg als auch den Napoleonischen (Wellington, “Die spanische Braut”) bekannte Stadt.

• “Er nimmt die Stückliste, fährt durch die Spalte ‘Material’, findet ‘Imipolex G’. Frage und Antwort aus einem Blog: I still don’t understand what the Imipolex G is and what it’s connection is to Slothrop’s life. In the companion it says that Slothrop is piecing together the information he knows abotu this plastic, the rocket, and his conditioning as a child… I’m not sure I’m piecing it together. Anyone got any ideas? This may be way off but here’s what I think: Jamf paid Slothrop’s parents (by paying for Slothrop’s expensive Harvard education) so that he could experiment on the infant Tyrone. Jamf was also one of the people who had the patent of Imipolex G and I think somehow he injected it into Slothrop or something like that. I guess some conditioning may have been involved, but somehow it seems that Slothrop and the rockets containing Imipolex G have some sort of connection that is almost spiritual in that there is no physical connection (other than that they both have Imipolex G in them). I’m not sure whether that means that Slothrop predicts the fall of the rockets or if he actually causes them to fall there, though. Hopefully we get more specific information as the book continues…

• “Er merkt, dass es ihn bis zum Odeon getrieben hat…” Ein Kaffeehaus nach Wiener Vorbild, Treffpunkt zahlreicher Berühmt- und Schönheiten, später zuerst verkleinert, dann geschlossen….

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