Posts tagged ‘Berlin’

3. Dezember 2014

Pöklers Forschung

Pökler etymologisch: Nach einem Ostseesturm ist Pökler durch die Gischt “von einer dünnen Schicht Salz überzogen”, also eingepökelt …

Franz Pökler gehört zu den Ausgesuchten, die im Dritten Reich – zuerst in und bei Berlin, dann in Peenemünde und der vorgelagerten Insel – an einer Rakete forschen. Er selbst ist Proletarier, aber auch preussische Junker (von Braun) und Angehörige aller möglichen Schichten (sogar Hereros und Juden) gehören zu dem hermetisch abgeriegelten Kreis, der Kekulés Traum nachträumt und teilweise, wie etwa Pökler selbst, bis zuletzt nicht ahnt, dass dieses Geschoss, zuerst V-1, dann V-2, dem Regime als Waffe dienen soll. Pökler und seine Tochter, die ihn besucht (seine Frau Leni hat sich lange schon von ihm getrennt) träumen hingegen vom Mond.

Ich las dies im Jahre 2014 und mir wurde schlecht davon. Es ist wie heute. Eine Regierung, die höchste technische Vollkommenheit auf einem mystischen Hintergrund anstrebt. Das Mystifizieren geht je bis in die Technik hinein (“Heilige Kathode, Heilige Anode und Heiliges Gitter…”). Draussen auf der Strasse werden eventuell Aufmuckende mit roher Polizeigewalt zur Räson gebracht (“Frauen schlitterten wie Puppen über die schlüpfrigen Pflastersteine und Strassenbahnschienen, der dicke Strahl traf sie an Bauch und Kopf…”). Sind wir wieder in Hitlers Zeiten angekommen?

Als das Kriegsende dem allem ein Ende macht, sieht Pökler draussen sterbende und tote Häftlinge und wird sich bewusst, was da alles während seiner unschuldigen” Forschungszeit geschah….

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1. März 2011

Der Raketenmensch holt sich ne Infektion und begegnet Mickey Rooney (S.562-598)


“Geister von Pferden drehen noch immer ihre frühmorgendlichen Runden durch den Park der Friedenszeit – feiner Staub steigt wie von selbst durch die Sonnenstrahlen über den Reitwegen…”

Berlin, vom Krieg zerfetzt und zerschmettert. Slothrop liegt irgendwo in einem ehemaligen Keller und deliriert im Durchfall. Warum ist der Krieg zu Ende und er kann nicht nach Hause?

Auf tritt Enzian, aber nur in Slothrops Imagination, er gräbt auf der Suche nach der legendären 00000 mit einem Trupp Hereros (“Schwarzkommando”) eine der letzten Raketen, einen Blindgänger, aus dem Berliner Schlamm, auf tritt aber vor allem Emil “Säure” Bummer, berüchtigtster Einschleichdieb und Kiffer der Weimarer Republik, der, flankiert von zwei Mädchen, irgendwo beim Grossen Stern und lange nach der Sperrstunde dem Rocketman Züge aus seinem Reefer (Joint) anbietet und bald mit ihm ins Geschäft kommt. Das wird in der “Chicago-Bar” fortgeführt, wo ein wuchtiger amerikanischer Matrose Balladen im Country-Stile von sich gibt. Es ist Bodine vom amerikanischen Zerstörer John E. Badass aus Cuxhaven, Säures Kontaktmann, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat. Vor dem Krieg hatte er ein Kilo reinstes Haschisch in Potsdam vergraben, nun ist da die Konferenz zur Teilung Deutschlands und Europas, und die russischen Soldaten lassen keine Fliege passieren. Aber der Raketenmann Slothrop soll die Kohlen aus dem Feuer holen (gegen angemessenes Entgeld natürlich).

Im Dunkeln kriechend und sogar schwimmend – denn der gesuchte Stoff liegt am Griebnitzsee vergraben – erreicht Slothrop in seinem eher lächerlichen Rocketman-Kostüm den Ort des Verlangens, nur um dort durch die hell erleuchteten Fenster einer Villa die Andrew-Sisters und Mickey Rooney zu erkennen schliesslich von seinen Beschattern eingefangen und betäubt zu werden…..

25. Februar 2011

Slothrop fliegt im Ballon nach Berlin (S.515-525)

Auch hier musste ich an ein Comic Denken. Eine Bande Kinder mit Aethylalkoholkanistern, Holstein-Frisian-Kühe, die auf Tellerminen treten, Eierschaum-Tortenwerfen auf verfolgende Flugzeuge, Ficken unter der Brücke, Geli in ihrem weissen Kleidchen und mit Rattenschwänzchen, schlüpfrige Limericks in den Lüften. Ach, wäre Hergé doch hier, nein, der is jugendfrei, dann also Jacques Tardi. Er hätte ja Nestor Burma in den Ballon setzen können! Slothrop wird vom Mädchen Geli verfrachtet. “Aber ich will gar nicht nach Berlin!” “Du willst dorthin, wo Deine Feinde nicht sind”, säuselt sie.

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