Posts tagged ‘Buch’

27. Januar 2017

Museum der Liebe

“Es scheint ein sehr verzweigtes Museum zu sein…” Von überall kommen sie zusammen, alle meditieren sie die Vergangenheit, betrachen Bücher, Bilder und Ausstellungsstücke in diesem irdisch nicht lokalisierbaren Ort. Das Museum wechselt auch hȁufig seine Gestalt, ist bald Tempel, bald Schuppen, bald Büro, bald Keller. Einige der Sȁle sind auch nur auf eigene Gefahr zu betreten. Überall stehen Wȁchter. Der “Ort” ist eher phantastisch; im Süsswarencafé – Cafés gehören mal nun zu Museen –  gibt es Kuchenwagen, in die man hineingehn kann, und innen: zahlreiche klebrige Regale! Im anderen Café kann man den Sonnenuntergang betrachten, hier sind die Sacharomanen am falschen Platz! Wir begegen dem eben erst angekommenen Pirate Prentice wieder, der rollt einen klebrigen Faden von seiner Toffeekugel ab – oder auf? – und wir denken an Ariadne… Seinen Faden aufrollend trifft Geoffrey Prentice alte Bekannte – wie Sir Stephen Dodson-Truck, den Springer Gerhardt von Göll – aber auch neue wie Pater Rapier, Sammy Hilbert-Spaess, oder den fettigen Jeremiah (“Gnadenreich”) Evans mit seiner Pompadourfrisur. Der um alle Lieben seines Lebens weinende Prentice trifft hier auch Katje Borgesius, der wir in Holland und Deutschland begegneten, die ihm in London zugeführt wurde, wieder. Ach…könnten wir die Welt umarmen!

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15. Februar 2011

Das Buch ist angekommen. Oh, Pynchon, Pynchon….

Wenn ich irgendwo in eine Kirche gehe – hüstel -, schlage ich immer die Bibel orakelmässig auf oder lese eine ganz spontan ausgewählte Stelle in der auf dem Altar aufgeschlagenen. Bin ich etwa in Mittelengland, so steht da:

„His children are far from safety/ crushed in court without a defender…..“

Nun kam endlich unser Ali mit einem Päckchen für mich. „An Hibou“ stand da drauf, „am schönen Platze“. Und drinnen das Buch, ebenso blau und fast so dick. Mal sehn, ob man auch hiermit Schlüsselstellen findet?:

„‚Du siehst natürlich alles mit den Augen des Soldaten‘, sie trägt einen dummen kleinen Jungmädchenhut der neuesten Mode, ihr Gesicht ist klar und starr genug für dieses breitschultrige, hochtaillierte, halslose Profil… ‚Für Sie ist das alles ein Garten‘, schlägt er vor.“

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14. Februar 2011

Realität und Schein

Während mein Buch (hoffentlich auf einer flachen Parabel) zu mir unterwegs ist, habe ich sowohl im englischen Text, als auch in Euren Blogs verschiedentlich die Namen “Roger” und “Jessica” aufgeschnappt. Mir fiel natürlich der Film “Who framed Roger Rabbit” (Falsches Spiel mit Roger Rabbit) ein. Roger Rabbits grosse Liebe ist doch Jessica?  Ich schaue im Net nach. Es wird nirgends erwähnt, dass Zemeckis als Regissseur oder Spielberg als Producer Pynchon kannten. Ein Zufall? Nun ja. Die V2 hat ja auch nicht immer genau getroffen…

Jessica and Roger Rabbit

Habt ihr den Film gesehen? Roger und Jessica sind beide gezeichnete Comic-Figuren, Toons, die jedoch in unserer dreidimensionalen Welt heimisch sind, genauso wie Scharen anderer uns bekannter, wie Bugs Bunny, Baby Herman, Mickey etc… Unsere Welt und die Welt der Toons sind durch einen – in meiner Erinnerung dunkelgrünen – Tunnel miteinander verbunden. In der Toon-Welt herrscht Hauen und Stechen, Kühlschrank- und Tresorgeschmeisse. Jeder Briefkasten, jeder Laternenmast und jeder Hydrant erwacht zu selbständigem Leben. Die Zeichner erfreuen sich offensichtlich an dem Chaos, das da entsteht. In unserer Welt aus Fleisch und Blut sind die Methoden subtiler. Unser konventioneller Detektiv Valiant (verkörpert von Bob Hoskins) bewegt sich durch beide Welten. Doch halt! “Unsere Welt” ist ja auch nur be(ge)schrieben! Und sie scheint fast ebenso, oder noch chaotischer als die der Toons? Gewiss könnte man etwas im Roman Effi Briest nicht einfach zu Charlotte Roche verwandeln, aber hier bei Pynchon?

Roger ist ein verrücktes Karnickel. Es ist bekannt, dass er, wenn betrunken, ein lautes Pfeifen ausstösst, welches jedes Glas in der Umgebung zersplittern lässt (nein nein, wir sind nicht in Grass’ Blechtrommel). Jessica aber ist eine verführerische Schöne. Sie ist das berühmteste Sex-Symbol aller Comicfiguren. Wenn sie einen anschaut, nonchalant mit der einen Hand das lange Haar hinters Ohr legt, den Busen beben lässt, hört man sie förmlich sagen: „I’m not bad, I’m just drawn that way“. Ihre Idole sind Lauren Bacall, Rita Hayworth und Veronica Lake. Sie trägt keinen Slip, sagt man seit der Erfindung des Laserdisks…. Roger ist stets eifersüchtig, gerät deswegen sogar unter Mordverdacht…..

Jessica and Roger in Gravity’s Reainbow:

Sie sind beide Kinder der Schlacht um England, also des Krieges.

Sie werden “in sinnlichen Zusammenhängen beschrieben”, d.h. sie vögeln, auch leckt Roger Jessica eines Abends in den Schlaf. Nach Angaben des Autors trägt Jessica nie einen BH. Die Bedingungen des Krieges (“Hauen und Stechen”) sind konstituierend für ihre Gemeinschaft. Roger scheint sie jedoch im Laufe des Romans an einen “Jeremy” zu verlieren…..

Roger wird als ein Bursche mit einer Tendenz zum Schreien, im übrigen aber als ein “amusing maniac” geschildert.

Nun könnte ich im Laufe unseres Leseabenteuers bestimmt weitere Ähnlichkeiten zwischen den Figuren in dem Buch (1973) und dem Film (1988) herstellen. Aber vielleicht ist das ja alles meine freie Erfindung?

“(Denn) Pynchons Text ist mit Sätzen beladen, die Möglichkeiten zum Aufbau ganzer Welten aus Assoziationen führen können, die natürlich nicht immer richtig sein müssen.” (rr). Soll ich über die Ursprünge des auch erwähnten Erlenmeyers oder die Schlacht bei Balaclava (The Charge of the Light Brigade) schreiben?

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