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20. Februar 2011

· Pärchen-Pidgin, Fussnoten zum Dritten (ehm zum Teil 2.Kapitel)


…und alle schnatterten in einem internationalen Pärchen-Pidgin durcheinander… (S.295)

Schon sind wir wieder bei den Spezialsprachen, zu denen natürlich auch die Bubum-Sprache, Gru-Gru-Machine, Volapük, Esperanto, die Fliegensprache (Chamse dumse Flimse-Spramse?), Lingua Franca, Wallisertüütsch  nebst verschiedenen anderen gehören.

Beispiel: “Slothrop, du Sau!” stöhnt Katje…”Oink, oink, oink” macht Slothrop fröhlich…

(Ein sehr ergiebiges Buch gibt es zu allen diesen Sprechweisen: “Das Wasserzeichen der Poesie” von Serenus M. Brezengang (hinter welchem Anagramm sich Hans Magnus Enzensberger versteckt) (SEHR zu empfehlen!).

Jetzt im Herbst, der Sexy-Jahreszeit, wo die letzten Blätter fallen, könnten wir ja sogar die roten und braunen Laubblätter auf dem Boden fotografieren und dann unters Spracherkennungsprogramm geben, um zu wissen, was der wilde Wein uns sagen will… Aber wer gibt sich schon die Mühe?

 

  • ·         Früher einmal, o ja, da war er überzeugt, dass ein Minotauros auf ihn wartete… (S.229)

Pasiphae, Gattin des kretischen Königs Minos (nach anderen Erzählungen war er König im Totenreich) verliebte sich in des Zeus weissen Stier. Das war nun net einfach. Der kunstfertige Daedalus (desen Name von Stephen Daeldalus in Joyce’s “Ulysses” getragen wird) schuf ihr deshalb ein Gestell in Form des Hinterteils einer Kuh, damit sie sich da hineinbegeben und von dem Bullen bespringen lassen konnte. Sie wurde von ihm schwanger und gebar den Minotauros, ein menschliches Wesen mit einem Stierkopf, für uns Sinnbild der Gefangenheit des Menschen in seiner Tierheit, für damalige Zeiten nichts ungewöhnliches, man denke an Horus, Anubis oder die kuhäugige Isis (Heil Dir, Aegyptenland, das Dich gebar!). Trotzdem schämte sich Minos seiner. Daedalus oder anders geschriem Daidalos, musste nun das berühmte Labyrinth bauen, in dessen Innerstem der Minotaurus fürderhin hauste. Auch Daidalos und sein Sohn Ikaros wurden darin gefangengesetzt. Der erfindungsreiche Architekt und Künstler (jaja, mit ihm und Odysseus begann die Moderne!) schuf jedoch Flügel für sich und seinen Sohn, die Federn waren mit Wachs an das Gestell geheftet. Ikaros kam im Flug der Sonne zu nahe und stürzte ab. Der Architekt jedoch entfloh/ nach Afri- od Ameriko!

Die Story ist noch net zu Ende: Minos hatte Athen erobert, als Tribut musste die attische Stadt jährlich Jünglinge dem Minotaurus opfern. Das ging so lange, bis der Athener Königssohn Theseus selbst mitfuhr, den Minotauros erschlug und dank Ariadnes Faden wieder aus dem Labyrinth herausfand.

 

 

Und es geht immer noch weiter. Ariadne, eine Göttin (!) erlag dem Charme des Theseus, obwohl sie bereits dem Dionysos versprochen war. Schnöde liess dieser sie auf Naxos zurück. Erst tausende von Jahren später kam Richard Strauss vorbei und schrieb ne Oper darüber. Und wenn sie nicht…..Halt! Es geht weiter: Theseus hatte mit seinem greisen Alten Aegeus ausgemacht, dass das Schiff weisse Segel setzen würde, wenn er gesiegt habe, aber schwarze, wenn der Minotauros ihn gebodigt hätte. Das vergass Theseus, und beim Anblick der schwarzen Segel in der Ferne stürzte sich König  Aegeus von den Klippen. Er war auf der Stelle tot. Die Obduktion, quälend langsam vollzogen (“Morgen früh erst? Können Sie sich net beeilen?”), ergab einen Schädelbasisbruch und multiple Gliedmassenfrakturen, einen Leberriss mitsamt inneren Blutungen. So endete diese Expedition im Ganzen wenig befriedigend.

  • ·         Une Perm au Casino Hermann Goering (Überschrift des 2.Kapitels (S.287)

Perm = Argot für “Permission” (Erlaubnis) = Urlaub des Soldaten, Fronturlaub. Diese Info ist exklusiv von Caporal Hibou

  • “…wischen sie dahin wie Pharo-Karten…” (S.289)

Ein sagenhaftes Kartenspiel. Hatte es seinen Namen vom aegyptischen Pharao?

·         “…und schüttelt sich das Hamamelis-Rasierwasser von den Händen…” (S.292)

Hamamelis, die Indianische Zaubernuss. Kann auch in Deutschland gepflanzt werden, ist winterfest (“ein Indianer kennt keinen Schmerz”) und blüht als allererstes fast wie Kornelkirsche, auch rot! Hamamelis gilt viel in der Körperpflege……

·         “Dicht unter Land zieht ein pédalo voller Soldaten und Mädchen vorüber…” (295)

 

Das Tretboot (übrigens ein guter Nick!), das Wort “Pedale” ist leicht auffindbar, aber auch “les pieds à l’eau” (die Füsse im Wasser. Net schlimm, man fährt es meist im Bikini)

 

·         “…so dass alle Gespräche, sub rosa oder nicht, übertönt werden…” (S.305)

Die Redensart sub rosa (lat.: ‚unter einer Rose‘) kommt aus dem gehobenen Humanistendeutsch und ist – wie entre nous („jetzt mal ganz unter uns“) – eine Hinweisfloskel, die einem unerwünschten Zuhörer möglichst entgehen soll. Sie wird von sowohl elaborierten deutschen als auch englischen Sprechern verwandt und kündigt an, dass das folgende vertraulich bleiben soll.

·         “Slothrop las gerade in einem Plasticman-Comic” (S.328)

Die „Plastic Man“-Comics handeln von den Abenteuern einer gleichnamigen Figur – Plastic Man oder kurz „Plas“ – die seit einem Unfall über die Fähigkeit („Superkraft“) verfügt, ihren Körper nach Belieben zu verformen und nahezu jede ihr beliebige Gestalt nachzuahmen. Dabei ist sein Körper sowohl dehnbar wie Gummi, als auch zäh und flüssig wie Knetmasse. Plastic Man, der seine Gaben nutzt um als Detektiv und Selbstdarsteller zu beeindrucken, wurde dabei ursprünglich 1940/1941 von dem Amerikaner Jack Cole als Parodie auf die sogenannten „Superhelden“ – wie etwa Superman, Batman oder Aquaman – entwickelt, die zu dieser Zeit äußerst populär waren.

 

·         “…kommen da nicht Kazoos?” (S.357)

Ein sogenanntes Stimmveränderungsinstrument, wir haben in unserer Jugend meist nen Kamm mit einer Lage Seidenpapier dafür genommen.

·         …”dass ich ne Art Schmalspur-Van-Johnson bin?” (S.290)

Er spielte neben „Kapitän“ Humphrey Bogart als rebellischer Erster Offizier Maryk in dem Kriegsdrama Die Caine war ihr Schicksal (1954) mit, aber im selben Jahr auch neben Gene Kelly in dem Fantasy-Musical Brigadoon. Ich krieg die Paranoia!

·         “Lenis Gesicht in unruhiger Bewegung hinter dem Fenster im fliegenden Hamburger…” (S.347)

Der Verbrennungstriebwagen 877 (später DB Baureihe VT 04.0) war der erste Dieselschnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (DRG) und zugleich der erste Stromlinienzug in planmäßigem Einsatz. Mit ihm wurde ab 1933 zwischen Berlin und Hamburg die damals weltweit schnellste Zugverbindung hergestellt. Er war als „Fliegender Hamburger“ bekannt.

 

 

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