Posts tagged ‘Odéon’

23. Februar 2011

Zoot (Fussnoten IV, ab S. 348)

Der Zoot Suit ist ein Anzug mit wattierten Schultern und eng zulaufender Hose, der in den 1930er und 1940er Jahren in den USA vor allem von Afroamerikanern, mexikanischen Amerikanern, Puertoricanern, Italo-Amerikanern und Filipino-Amerikanern getragen wurde. Diese Art von Anzug war zunächst in der Jazz-Kultur Harlems beliebt, dort wurden sie zum Ende der 1930er Jahre als drapes bekannt. In Los Angeles wurde der Anzug dann von jungen Mexiko-Amerikanern, speziell den Pachucos, übernommen. Der Stil verbreitete sich daraufhin in den ganzen USA. Er war unter anderem auch Markenzeichen von Al Capone. Auch die Zoot Suit Riots erhielten ihren Namen von dem Anzug. In den 1950er Jahren aus der Mode gekommen, wird der Anzug heute nur noch selten getragen. Slothrop erhält einen weissen mitsamt Panama-Hut und baumelnder Schlüsselkette von Waxwing, verpfändet ihn aber später in Zürich um des Hungers willen. Die Moden – sagte schon mein Alter – kommen und gehen, und wirklich haben wir gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts wieder wattierte Schultern getragen, was heutzutage voll uncool wär, in zehn Jahren aber wieder in sein wird.

• “…ein alter Gorodki-Stock, lasiert in nichts als tote Gegenwart…” (S. 359) Gorodki (russ. “Stöckchen”) ist ein dem Krickett ähnliches Spiel aus Russland

o “’in Badajoz’, flüstert er demütig…” (S.370) Badajoz, spanische Stadt am Ufer der Guadiana, an der portugiesischen Grenze. Sowohl aus dem spanischen Bürgergkrieg als auch den Napoleonischen (Wellington, “Die spanische Braut”) bekannte Stadt.

• “Er nimmt die Stückliste, fährt durch die Spalte ‘Material’, findet ‘Imipolex G’. Frage und Antwort aus einem Blog: I still don’t understand what the Imipolex G is and what it’s connection is to Slothrop’s life. In the companion it says that Slothrop is piecing together the information he knows abotu this plastic, the rocket, and his conditioning as a child… I’m not sure I’m piecing it together. Anyone got any ideas? This may be way off but here’s what I think: Jamf paid Slothrop’s parents (by paying for Slothrop’s expensive Harvard education) so that he could experiment on the infant Tyrone. Jamf was also one of the people who had the patent of Imipolex G and I think somehow he injected it into Slothrop or something like that. I guess some conditioning may have been involved, but somehow it seems that Slothrop and the rockets containing Imipolex G have some sort of connection that is almost spiritual in that there is no physical connection (other than that they both have Imipolex G in them). I’m not sure whether that means that Slothrop predicts the fall of the rockets or if he actually causes them to fall there, though. Hopefully we get more specific information as the book continues…

• “Er merkt, dass es ihn bis zum Odeon getrieben hat…” Ein Kaffeehaus nach Wiener Vorbild, Treffpunkt zahlreicher Berühmt- und Schönheiten, später zuerst verkleinert, dann geschlossen….

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22. Februar 2011

Tyrone Slothorp im Odeon

Auf Anraten und mit Hilfe von Blodgett Waxwing (“Wachsflügel”: erinnert Ihr Euch an Dädalus?) – einem Schrank von einem Mann, gewissermassen das Urbild eines Leibwächters (gibts eigentlich auch Seelenwächter?) – entkommt Slothorp dem Cap und seinem Gemisch aus Herkunft, Geilheit und Erinnerung an Parties anderswo, und entflieht in die Schweiz (Später erfahren wir, dass seine Flucht eine überwachte war, doch auch, dass die Beschatter den Amerikaner in Zürich aus den Augen verlieren). Inzwischen ist der langjährige Weltkrieg durch die Kapitulation der Nazis in einen faulen Frieden übergegangen. Die Schweiz war all die Jahre “neutral”, von Agenten und Spionen aller beteiligten Mächte überschwemmt und sozusagen das Sinnbild der Paranoia (welche ja, wie wir aus manchen anderen Zusammenhängen wissen, jeder “geheimen” Tätigkeit, wie etwa der Spionage, irgendwie innewohnt). Noch in den letzten Zuckungen der Bestie Krieg ist Slothorps Freund Tantivy einen inszenierten Heldentod gestorben, wie Tyrone einer liegengebliebenen “Times” entnimmt.

Exkurs 1: Jelineks Übersetzung, durchwegs seriös und treffend, zeigt an einzelnen Worten, dass es österreichisches, deutsches und schweizer Deutsch gibt. In Zürich isst man weder Semmeln noch Mettwurst, sondern Weggli oder Pürli und Bratwurst, und die Cafés heissen nach den Treppen nicht “Stäggeli” sondern höchstens “Stägeli” J

Slothorp jedenfalls trinkt ne Schale im “Odeon”, wo vor ihm schon Joyce, Lenin, Trotzki und Einstein sassen, trifft dort einen Flüchtling aus Argentinien und steigt seinerseits ins Nachrichtengewerbe ein.

Exkurs 2:

Hibou: Ich war auch im Odeon!

Heike Mank: Das tut hier nix zur Sache!!

Hibou: Doch, doch. Hab sogar auch Würstchen gegessen da, UND war in der Leibwächterbranche tätig!

Heike: Du schmales Hemd?

Hibou: Naja, hatte halt keinen Zoot-Anzug…. Aber ich kenne das Niederdorf, den Uetliberg und – wenn es denn unter diesem Namen existieren täte, sogar das Hotel Nimbus!

Heike: Boah, steiler Typ biste…..

Hibou: Und im Schauspielhaus-Café sassen Nadja Tiller und Walter Giller!

Heike: DIE ham nu echt nix mit Slothorp am Hut…..

Im Laufe seiner schweizer Zeit fliegt Slothorp sogar in einer Frachtmaschine nach Genf, schläft im Flug auf Hobelspänen, weshalb er seine Einschlafzigarette SEHR vorsichtig raucht, hält sich also in den Zentren dieser Spionanhäufungen auf (lest ma Eric Ambler, John le Carré, die Highsmith, Simenon oder den einen Engländer, na, wie hiess er noch? İst auch bei Diogenes erschienen, damals noch in gelb), übernachtet, zurück in Zürich, halb erfroren auf Jamfs Grab am Berg….. Ich dachte unwillkürlich an die Tintin-Bände oder an Nestor Burma: “Tyrone bei den Agenten”…..

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