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16. Februar 2011

Die Enden der Parabel (S. 50-63) Wie der Pirat zu seinem Namen kam

“’Du bist ein Pirat’, hatte sie ihm am letzten Tag zugeflüstert – keiner von beiden wusste, dass es der letzte war -, ‘Du bist gekommen und hast mich verschleppt auf Dein Piratenschiff…Du hast mich entführt, und jetzt bin ich die Rote Hure der Weltmeere…”. So wispert Prentices Geliebte von 1936, eine verheiratete Frau, die mich (sorry, Koslowski) an Kristin Scott-Thomas erinnert. “Na schön, dachte Pirat, schätze, ich gehe wieder zurück zur Armee…”

Thomas Kutzli hat dankenswerter Weise damit angefangen, ein Personenregister zu führen, das hat viele Vorteile, wirklich, unter anderem, dass man alles nochmal von vorne liest und so Neues entdeckt. Natürlich ist Bloat in Pirats Crew! Er fällt ja schon ganz zu Anfang vor Prentices Augen aus dem Bett, rutscht wenig später auf einer Bananenschale aus –

Schöne Jeheherachina

Wollte Wahahasser holn

Daha rutschte sie

Auf einer Bananenschahale aus!

Duhum duhum dumm, was da geschah,

Schöne Jerachina in den Brunnen fiel!

Und endlich – hätte ich fast geseufzt – treten Jessica und Roger auf! Und zwar auf einer Séance, wie sie in England üblich waren und sind (Ach Koslowski! Immer wenn ich Skeptiker den entsprechenden Raum betrat, hörte der Geist sofort auf, sich zu offenbaren!!) Anwesend sind auch Bloat und Prentice, die zusammen mit Roger eine Art konspirativen Dreiecks bilden und für ein Geheimprojekt “Schwarzer Flügel”, welches der hier  (Okel Wanja?) erstmals erwähnten “Weissen Visitation” zuarbeitet, tätig sind. Werden wir hier auf eine Spur gesetzt? Soll irgendetwas mit parapsychologischen Mitteln erreicht werden? Oder sind wir nur inmitten der im London von 1944 allgemein verbreiteten Paranoia?

Aber zuerst Jessica. Sie trägt Dartpfeile in der Hand, wirft auch einen “genau ins Schwarze”, erinnert in ihrer sauberen und reinen Brüstigkeit stark an die jungfräuliche Artemis ( “sie ist keineswegs sicher, dass er von ihr gesucht werden möchte”. “die Klarheit, die sie ausstrahlt”, “dieses Fehlen von Rauch und Lärm”, “schaut ihn aus riesigen Augen an”)

Apropos: Hab nun auch den GANZ mir entsprechenden Charakter entdeckt!: Er sieht überall Zusammenhänge und legt sie statistisch nieder, die Quintessenz ergibt hier Parabeln und das häufigste Motiv ist der Tod. Sein Wesen und auch sein Name gleichen der Flamme, die das Kapitel einleitet, die jede Luft- und Gefühlsregung widerspiegelt: Milton Gloaming.

For heaven’s sake! Bin nur wenige Seiten mit der Lektüre fortgeschritten. Muss länger lesen, sonst werde ich hier zwischen 60 und 150 Blogs über Pynchon schreiben……

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