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23. Januar 2017

Frau Gnabh

Frau Gnabh

Sie ist Kapitȁn eines Kutters, “der Schrecken der Meere”, zusammen mit ihrem Sohn Otto versorgt sie die baltischen Hȁfen mit Schwarzartikeln. “Gnabh” rückwȁrts gesprochen gibt “Bhang”, der Name eines Drinks aus Hanfblüten.

“Diese apfelwangige Dame ist Frau Gnabh”.

“Frau Gnabh nimmt eine Prise Schnupftabak und strahlt”.

“Frau Gnabh überwacht irgendein Ausladen”.

“Ottos nautisch-piratische Mutter hat einen dieser Schimpansen ins Ruderhaus gestellt…”

“Worauf sie nach dem Maschinentelegraphen grapscht und noch einen Zahn zulegt.”

“Frau Gnabh hat schlingernd nach Nordwest gedreht…”

“Frau Gnabh hat nȁmlich bereits der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass ihre Planken sauber bleiben, und zwar mit jenem gefrorenen Lȁcheln, das Dr. Mabuse an besonders guten Tagen aufzusetzen pflegte…”

“Ab und zu sieht man russische Patrouillenboote, die leblos am Ufel liegen. Keines erdreistet sich, die Grause Gnahb herauszufordern.”

“Frau Gnahb schlingert dicht unter Land, mit halber Kraft an der Marschenküste entlang” (Peenemünde)

“Frau Gnahb bringt ihren Kutter in einer scharfen Wendung durch die Einfahrt in das Hafenbecken.”

“’Was zum Teufel’, Frau Gnahb kommt knurrend aus dem Ruderhaus…”

“Frau Gnahb zieht an der Dampfpfeife…”

“’Ich lege an der nordöstlichen Spitze an’, fȁhrt diese Wahnsinnsmutter fort…”

Mit gelöschten Lampen und voller Fahrt kommt der Kutter herangebraust – will Frau Gnahb Peenemünde rammen? Nein, jetzt gibt sie volle Kraft zurück.

“’Alles da?’ Frau Gnahbs Fangzȁhne entblösst zu einem Grinsen.

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20. Januar 2015

Pynchon romantisch

Ja, auch er, so ironisch und schonungslos, liebt die Natur 🙂

“Unsere Geschichte ist eine Summe aus letzten Augenblicken.”

“Überall um dich her siehst du kleine Büschel weisser Blumen spriessen.” (223)

“Für einen Augenblick ist dir egal, als wer und was du registriert bist. Für einen Augenblick bist du nicht der, den die Caesaren aus dir machen.” (220)

“…als wärendie Züge die ganze Nacht durch das Reich der Toten gefahren…” (214)

“Herrlicher Morgen, Weltkrieg zwo.” (203)

“Draussen vor dem Fenster wuchs der Morgen.” (201)

“…kämpfen um einen Fensterplatz wie die Ferkel um die Zitzen der Muttersau.” (199)

“Sie verwirren jedermann. Sie sehen so unschuldig aus.” (197)

“’Er war meine ganze Gesundheit‘, pflegte sie oft zu sagen. ‚Seit er von mir gegangen ist, musste ich eine regelrechte Hexe werden, aus reiner Selbstverteidigung.’” (188)

“Ein Wandervogel in den Bergen des Leids.” (161)

“..die geschwungene Südküste mit ihren fahlen Kreidefelsen.” (119)

“Der Tod steht in der Küchentür und beobachtet sie, eisern und geduldig, mit einem Blick, der sagt: Versucht mal, mich zu kitzeln.” (99)

“- lauf dreimal ums Haus, ohne an einen Fuchs zu denken, und du kannst wirklich alles heilen.” (79)

“Die Nacht, voll feiner Regentropfen, riecht wie ein nasser Hund.” (73)

“ Roger ist nirgends zu sehen, und sie ist sich keineswegs sicher, dass er von ihr gesucht werden möchte. (54)

“Und doch ist Freundlichkeit ein Schiff, stabil genug für solche Ozeane.” (38)

“Wir haben kein Wort dafür, oder es wird geheimgehalten.” (14)

“Jessica konzentriert sich ganz auf das Festmachen ihrer Nyons, das ältere Paar, vorne-hoch, hinten-tief, wie ein Merkvers gleitet es wellenförmig durch die Finger, wäscheweisses, krauses Gummiband dehnt sich eng und anliegend über die sanfte Wölbung ihres Schenkels, die Schnallen der Strapse glitzern silbrig unter oder hinter roten Zierbäumchen vorbei, dann antwortet sie:” (206)

“…er…wollte glauben, dass noch nichts entschieden war, wie finster die Zeiten auch sein mochten, dass noch immer alles anders werden, sie den dunklen Ozean in seinem Rücken noch immer wegleugnen, weglieben konnte. Und, ein wenig egoistisch, dass er mit ihrer Hilfe aus der Schwermut seiner Jugend, seiner Todesverliebtheit, seiner Komplizenschaft mit dem Tod den Weg ins Leben und zur Freude finden würde. Er hatte ihr nie davon erzählt, gestand es sich selbst kaum ein, aber er wusste, dass dies das Mass seines Glaubens war, während die siebente Weihnacht dieses Krieges schon ausholte, ihm einen neuen Hieb in seine hagere, zitternde Flanke zu versetzen…” (204)

“Schweigen, das neues Schweigen gebiert. Rutschen und Rücken auf den Stühlen, rings um den Tisch, aber die kleinen Finger halten Kontakt.” (269)

“Unter den Fenstern kriecht eine Rangierlok lautlos über das Spinnennetz der Schienen.” (276)

Oben im Wind Möwengestöber ein schwereloses Gleiten, Seite an Seite, auf gelassen ausgebreiteten Schwingen, die nur ab und an winzig zucken, um neuen Auftrieb zu gewinnen – langsam, weiss, wischen sie dahin wie Pharaokarten zwischen den Daumen eines unsichtbaren Spielers…”

…als das Land noch frei war und das Auge unschuldig und die Gegenwart des Schöpfers viel unmittelbarer.” (340)

…seinem leidenschaftlichen Verlangen nach Schmerz, nach etwas Wirklichem, etwas Reinem.” (371)

…die verkleidete Secret-Service-Version eines Apachen…” (385)

…genau dort, wo das Licht des Himmels dem Licht der elektrischen Strassenlampen die Waage hält…” (400)

Die lebenslangen Zürcher flanieren in Frühabend-Blau vorbei.” (413)

Unter den Grosstadtstrassen, dem Mauergewirr der Zinskasernen, den Zäunen und dem Stahlnetz der Schienen sehnt sich das argentinische Herz in seiner Perversität und seiner Schuld nach der Rückkehr zu jener ersten unbekritzelten Klarheit…der anarchischen Einheit von Pampa und Himmel…” (416)

Montblanc sagt hallo, See grüsst rüber…” (419)

Aber nur wenige nackte Glühbirnen höhlen Lichtkugeln in die Finsternis. Wo Dunkelheit, wie Marmor, abgebaut und an einen anderen Ort transportiert wird, ist die Glühbirne der Meissel, der sie aus ihrer Trägheit losbricht – sie ist zu einer der grossen, heimlichen Ikonen der Demut geworden, jener Massen, die übergangen worden sind von Gott und der Geschichte.”

Zu beiden Seiten der Schienen huscht das lokale Zwergenvolk…” (486)

Vögel fliegen durch die zerbrochenen Scheiben ein und aus.” (491)

…wenn der Mittag die Schatten eng an die Körper presste…”

Wir werden uns solche neue Karten der Erde einprägen müssen: und in dem Masse, wie die Reisen in das Innere alltäglich werden, werden diese Karten neue Dimensionen hinzugewinnen, …” (502)

Slothorp spürt, wie sich sein Herz, ausser Kontrolle, mit Liebe aufbläst und hochschnellt wie ein Ballon.”

Man kann sie jetzt oft abends hören, an Lagerfeuern hinter Buchenwäldern, die ihren Lichtschein kilometerweit in den fast trockenen Dunst des nördlichen Sommers schicken, der gerade ausreicht, den Strahlen einen Schimmer von Kontur zu geben – ein Dutzend Akkordeons und Concertinas, die ihre rauschenden Akkorde mit einem leichten Zungenflattern in Lieder voller klagenden sdwijes und snyis mischen, aus welchen die Stimmen der Hilfskorps-Mädchen am hellsten herausklingen.” (527)

…die Sitzenden würden kommen und gehen, die Stühle würden bleiben…” (528)

Das grosse Schweigen des Landes der sieben Ströme ist noch nicht alphabetisiert, wird es vielleicht niemals werden…” (533)

…aus den deutschen Träumen von der Ankunft des Engels aus der zehnten Elegie, die Flügelschläge schon am Rand des Wachens…” (534)

War er überhaupt dort? Sass er wirklich in dem schmuddeligen Hinterzimmer, hörte die Liftkabel ächzen und gegen die dünne Mauer schlagen und von der Strasse herauf, selten genug, ihm etwas beizumessen, das Peitschenknallen und Klappern einer Droschke auf den alten schwarzen Pflastersteinen?” (540)

…die nur hin und wieder an die Oberfläche des molekularen Schweigens treten, wie die sichtbaren Teile eines geknüpften Teppichs.” (556)

Ein Schrei von unten aus dem Moor. Vögel flattern auf, rund und schwarz, Körner von rohgemahlenem Pfeffer in dieser Himmels-Bouilabaisse.” (567)

Ein Mann muss voranschreiten und dem Leben ins Gesicht sehen.” (600)

Wir alle werden die Rakete benutzen, eines Tages, um die Erde zu verlassen. Zu überschreiten.” (625)

Kekulé träumt die Grosse Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst, die träumende Schlange, die die Welt umschlingt.” (644)

Alles, was man fühlt, wenn man einen Beethoven ins Ohr kriegt, ist losmarschieren und Polen erobern.” (688)

…aber Slothorp und Greta gebieten, wie Träumer, über einen Tiefgang, der gering genug ist, sie über alles hinwegzutragen, was der Krieg in ihren Weg gelegt hat.” (714)

Was ist es, das ich so nötig brauche?” (765)

…und hinten auf den Hügeln stehen unberührt die dichten Wälder.” (783)

Weisse Schwäne driften ins Schilf, Fasane fliegen über die hohen Kiefern landeinwärts. Irgendwo knurrt sich ein Lastwagen ins Leben.” (784)

Ich habe mir die Hände für dich wundgearbeitet.” (788)

Ein verschlafener Sommerabend in Peenemünde. Ein Entenschwarm zieht über den Himmel, Richtung Westen.” (789)

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2. Oktober 2014

Katje Borgesius

Sie ist eine Holländerin, die das ganze Buch über auftaucht.

Wir begegenen ihr zum ersten Mal im Gebäude der Mannschaft von Pirate Prentice, kurz nachdem bei der alten Abtei bei Ick Regis über den Klippen der englischen Südküste, wo ein Schwung irrer Wissenschaftler (es ist ein altes Irrenhaus) dem Kommando des alten, 1940 reaktivierten Brigadiers Pudding als “Weisse Visitation” für die parapsychologische Kriegsführung “forscht” (151),

Pointsman und Roger Mexico zusammen dem winterlichen Ufer entlanggehen und sich kontrovers über Slothorp als Versuchskaninchen und die mögliche Umkehrung von Ursache und Wirkung (wie die V2 zuerst einschlägt und man erst dann ihren Fluglärm hört, könnte also die Wirkung vor die Ursache zu liegen kommen?) unterhalten. Das Gebäude befindet sich in Chelsea; wie wir wissen, kultivieren auf der Dachterrasse Osbie Feel seine Arzneipflanzen und Prentice seine Bananen.

Katje ist hochgewachsen, breitschultrig und blond. Zu Osbie Feels Verwunderung trägt sie keine Kloggen sondern hochhackige Pumps, auch sind Make-Up, Rouge und ausgezupfte Augenbrauen zu erkennen. Osbie Feel – der von manchen als die Verkörperung von Pynchon in seinem eigenen Buch gehalten wird – beschäftigt sich gerade mit Pilzen (einer milderen Abart von Amanita phalloides, dem Knollenblätterpilz).

Zunächst kommen ihr Erinnerungen an den Hauptmann Blicero, der sie und ihren “Bruder” (im Schicksal) einst in Holland – Blicero war dort Kommandant einer V2-Batterie, die östlich von Den Haag und nahe Wassenaar auf einer ehemaligen Pferderennbahn stationiert war – zwischen mancherlei Sexspielen wie Hänsel und Gretel im Käfig gehalten hatte (154).

Der Hauptmann Blicero, homosexuelle “Reflexe” und Rilke, besonders seine Zehnte Elegie, liebend, wundert sich, dass seine Stellung noch nie von den englischen Spitfires getroffen wurde. Vielleicht ist Katje ja doch eine britische Agentin, die ihr eigenes Leben retten will? Aber sie ist doch Parteimitglied, hat mehrere jüdische Familien verraten und gilt in der Kantine in Scheveningen, wo sie arbeitet(e) als äusserst tüchtig? Nein, entscheidet er, es ist um ihres Spiels willen, letztlich muss er von den Kindern in den Ofen gestossen werden, damit die Hexe in seinem Körper verbrennt, und nicht im Bombenhagel umkommt.

(Wie findet ihr die Konstellation? Raketen gegen Bomben. Erinnert euch das an den jüngsten Gaza-Konflikt? Anm. T.K.)

Aber Katje scheidet schliesslich aus dem Spiel aus. Sie geht. Es wird uns durch Gottfried berichtet: “Er sah sie nicht zum ersten Mal davonschleichen, und es gibt ja auch Gerüchte, dass sie zum Widerstand gehört oder in einen Stukaflieger verliebt ist, den sie aus Scheveningen kennt. Aber sie scheint auch Hauptmann Blicero zu lieben?…” (167)

Unter abenteuerlichen Umständen flieht sie nach England und (zu ihrem Führungsoffizier) Prentice. “Aber wo wollen Sie jetzt hin?” “Ich weiss es nicht. Fällt Ihnen nicht ein guter Platz ein?”

Die ‚Weisse Visitation’”, schlug Pirat vor.

‚Weisse Visitation‘ klingt gut”, sagte sie, und machte einen Schritt ins Leere hinein… (173)

Pirat hat was zum Grübeln, daran liegt’s. Ständig muss er daran denken, wie auffällig Katje jetzt jede Erwähnung des Hauses im Wald vermeidet. (174) “Scheiss drauf’” mag sie sagen, und aus welchen Gründen sie aus dem Spiel ausgeschieden ist, werden wir nie erfahren.

Lang und breit wird nun geschildert, wie Frans Van der Groovs auf Mauritius mit einer alten Hakenbüchse (Haakbus) die einheimischen Dronten dezimiert, bis sie schliesslich im Jahre 1681 ausgerottet sind und ganz von der Erde verschwinden. Ob das dem guten Frans klar war? Frans wird als Vorfahre von Katje geschildert (und wenn er nur als Holländer Vorfahre wäre). (176)

In der ‚Weissen Visitation‘ schleppt Webley Silvernail den einzigen Filmprojektor durch die Korridore, um dem Kraken Grigori einen stummen Streifen vorzuführen, der Katje zeigt. “Lautlos folgt ihr die Kamera, während sie langbeinig und planvoll ziellos durch die Räume schlendert, die breiten Schultern, die an eine Halbwüchsige denken lassen, auswärts gereckt, das blonde Haar zu einer modischen Hochfrisur getürmt, die, so gar nicht niederländisch-bieder, von einem alten, blinden Silberdiadem gehalten wird…” (184)

2. Une Perm‘ au Casino Hermann Goering

Am Mittelmeerstrand nahe Antibes rettet Slothorp Katje aus den Fängen eines Kraken (es ist der von Dr.Porkjewitsch betreute Grigori) . (296f)

Slothorp hat auch prompt das Gefühl, dass das ganze Bruhaha mit dem Kraken kein Zufall war.

Katje sagt: “Vielleicht war’s uns sogar vorherbestimmt, dass wir uns trafen…” (301)

Um Mitternacht in Katjes Zimmer 306 trägt sie dann einen pelzverbrämten, reich mit Pailletten bestickten weissen Mantel mit wattierten Schultern und fransigen weissen Straussenfedern an Hals und Ärmeln.

Als sie ficken, schlagen “die gestreckten Oktaeder ihrer Gagatohrringe gegen ihre Wangen…” (313)

Am Morgen werden S. sämtliche Sachen (Kleider) geklaut. In der Verfolgung des Diebes springt S. auf einen Baum, klettert hoch zum Wipfel, welcher abbricht und mitsamt S. mitten in eine krockettspielende Gesellschaft (Anspielung auf Alice im Wunderland) fällt. Katje bleibt zurück.

3. In der Zone

Viel später taucht Katje in dem phantasmagorischen Museum (ab 820) wieder auf, sie fällt Prentice in die Arme – oder er ihr – und sie tanzen.

11. März 2011

Totem

In alten animistischen Zeiten hatte jede Ethnie ihr Totem (meist ein Tier oder eine Pflanze, manchmal auch Berg und Tal). Es bildete das Leitsymbol für alle – und durfte keinesfalls gegessen werden. Der Schamane der Gruppe “verkörperte” dieses Tier. Um ihm als Geist nahezukommen, versuchte man durch körperliche und geistige Strapazen (zum Beispiel lange Wanderungen, langes Fasten, besuchen einer Schwitzhütte, körperliche Schmerzen und vieles mehr) eine Vision herbeizuführen. Gegebenenfalls wurde diese dann durch den Schamanen gedeutet. So hatte, wie ich “Gravity’s Rainbow” entnehme, ein Herrerostamm das Erdschwein als Schutzgeist. Diese Leute assen selbstverständlich kein Erdschwein, nannte sich vielmehr selbst nach ihm.

Fragen dazu:

Gehört das nicht alles einer sehr fernen Vergangenheit an?

Was ist mit denen, die heutzutage kein Schwein essen, regelmässig fasten, lange Wanderungen (z.B. nach Mekka) unternehmen, dabei körperliche Strapazen und vieles mehr auf sich nehmen? Ist es denn ihr Leitsymbol? Und was ist mit denen, die Schwein fressen – ehm, Allesfresser sind?

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7. März 2011

Ein gekapertes U-Boot

Schauplatzwechsel! Wir sind irgendwo auf dem Atlantik. Eine argentinische Gruppe hat ein deutsches U-Boot gekapert und will es nach Deutschland überführen, um dort um politisches Asyl nachzusuchen. Ausgerechnet in Deutschland!. Welch irres Szenario! Einmal abgesehen von der Faszination U-Boot. Die Weite des Horizontes! Das spähende Auge, Periskop dicht über den Wellen, selber im Verborgenen. Der Thrill der Jagd. Sehen und selber (hoffentlich) nicht gesehen werden. Bücher mit Schiffssilhouetten zur Identifikation des Feindes zur Hand. Dort in der Ferne braust ein US- Zerstörer heran! Warum sind so viele Zerstörer unterwegs, und so wenig Aufbauer? Wissen die jungen Leute da eigentlich, dass der Krieg zu Ende ist? Ich las von dem japanischen Soldaten, der jahrzehntelang in einer Erdhöhle aushielt, weil er die Kapitulation nicht mitbekommen hatte…Auch unsere Akteure sind eher Reiter zu Pferd als Seeleute…Und doch: auch da der Horizont!  “Was der Gaucho umreiten konnte, gehörte ihm”

Inzwischen singen sie ein Liedchen zur Gitarre, und endlich hören wir Spanisch:

Aqui me pongo a cantar

Al compás de la vigüela,

Que el hombre que lo desvela

Una pena estraordinaria,

Como la ave solitaria

Con el cantar se consuela.

Erinnert Ihr Euch? Slothrop hatte ihren Abgesandten im Zürcher Odeon getroffen, war dann von diesem zum Essen in die Kronenhalle eingeladen worden (in derselben Kronenhalle sind dieser Tage, 65 Jahre später, die Laptops verboten worden, das ist die neue Auseinandersetzung zwischen Zäunen und Weite, zwischen Zentrum, Ordnung, Disziplin, Eigentum, und Anarchie), hatte für ihn eine wichtige Botschaft nach Genf gebracht….

Auf dem Boot, inzwischen, unter der spanischen Küste, tagsüber auf Tauchstation, des Nachts aufgetaucht, um die Batterien aufzuladen, “sanfte Nacht, vollgeschmiert mit goldenen Sternen”: die gemischte Besatzung: bolschewistische Dichter, ausgeflippte Frauen, Gauchos, kampfgeile Bordingenieure, die sich ein Torpedo- und Geschützduell mit dem amerikanischen Kriegsschiff John E.Badass liefern, dass aber zum Glück durch den heimgekehrten Seaman Bodine mittels raffinierter Drogen verhindert wird… Auch Squalidozzi, ihr Abgesandter, ist inzwischen auf Umwegen über Zürich, Rottweil oder Trossingen und Bremerhaven zurückgekehrt. Er hatte in Süddeutschland ein Gangstertreffen zwischen den Leuten Blodgett Waxwings und Gerhard von Göll mitbekommen, einen Western mit Pferden gesehen! Und von von Göll (dem Springer) eine Zukunftsperspektive in der Lüneburger Heide gewiesen bekommen…. Alles reichlich verrückt und wieder einmal völlig imaginativ und „konfus“!

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1. März 2011

Der Raketenmensch holt sich ne Infektion und begegnet Mickey Rooney (S.562-598)


“Geister von Pferden drehen noch immer ihre frühmorgendlichen Runden durch den Park der Friedenszeit – feiner Staub steigt wie von selbst durch die Sonnenstrahlen über den Reitwegen…”

Berlin, vom Krieg zerfetzt und zerschmettert. Slothrop liegt irgendwo in einem ehemaligen Keller und deliriert im Durchfall. Warum ist der Krieg zu Ende und er kann nicht nach Hause?

Auf tritt Enzian, aber nur in Slothrops Imagination, er gräbt auf der Suche nach der legendären 00000 mit einem Trupp Hereros (“Schwarzkommando”) eine der letzten Raketen, einen Blindgänger, aus dem Berliner Schlamm, auf tritt aber vor allem Emil “Säure” Bummer, berüchtigtster Einschleichdieb und Kiffer der Weimarer Republik, der, flankiert von zwei Mädchen, irgendwo beim Grossen Stern und lange nach der Sperrstunde dem Rocketman Züge aus seinem Reefer (Joint) anbietet und bald mit ihm ins Geschäft kommt. Das wird in der “Chicago-Bar” fortgeführt, wo ein wuchtiger amerikanischer Matrose Balladen im Country-Stile von sich gibt. Es ist Bodine vom amerikanischen Zerstörer John E. Badass aus Cuxhaven, Säures Kontaktmann, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat. Vor dem Krieg hatte er ein Kilo reinstes Haschisch in Potsdam vergraben, nun ist da die Konferenz zur Teilung Deutschlands und Europas, und die russischen Soldaten lassen keine Fliege passieren. Aber der Raketenmann Slothrop soll die Kohlen aus dem Feuer holen (gegen angemessenes Entgeld natürlich).

Im Dunkeln kriechend und sogar schwimmend – denn der gesuchte Stoff liegt am Griebnitzsee vergraben – erreicht Slothrop in seinem eher lächerlichen Rocketman-Kostüm den Ort des Verlangens, nur um dort durch die hell erleuchteten Fenster einer Villa die Andrew-Sisters und Mickey Rooney zu erkennen schliesslich von seinen Beschattern eingefangen und betäubt zu werden…..

28. Februar 2011

“Cléo de Mérode” Fussnoten V (- S.596)


  • “…mit Einschüssen, die schwarz umrandet sind wie die Augen der Cléo de Mérode…” (S.367)

Cléo de Mérode, geborene Cléopatre-Diane de Mérode (* 27. September 1875 in Paris; † 17. Oktober 1966 ebenda) war eine französische Ballerina und Varieté-Tänzerin.

  • Josef Israelplein (S.380)

Ein Platz in Den Haag. Dort stand das Shell-Gebäude, auf dessen Dach man den Leitstrahlsender für die Steuerung der V2 nach England aufgebaut hatte……

  • Moxie (S.406)

„Mmmh, das Zeug schmeckt ja wie Moxie…“

 

  • DC-3 (S.418)

„Das Flugzeug ist eine mitgenommene DC-3“

Die Douglas DC-3 ist ein Flugzeug der Douglas Aircraft Company, das in 10.655 Exemplaren im Original und in 4.937 in Lizenz gebaut wurde, von denen einige noch heute kommerziell eingesetzt werden. Einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland erlangte die DC-3 als „Rosinenbomber“ während der Berliner Luftbrücke.

  • Juan d’Arienzo (S.420)

„…einen alten Tango von Juan d’ Arienzo pfeifend…“

Juan D’Arienzo Améndola (* 14. Dezember 1900 in Buenos Aires); † 14. Januar 1976 ebenda), genannt „El Rey del Compás“, war ein argentinischer Musiker (Violinist), Arrangeur, Bandleader, Komponist des Tangos. 1978, also lange nach dem Pfeifen im Buch, komponierte er den Tango “Hotel Naipaula”

  • Blavatsky-Flügel (S.424)

„Nur der Blavatsky-Flügel der PSI-Sektion war ausser Haus…“

Wäre es eventuell ratsam, das Medium  Madame Blavatsky um spirituelle Hilfe zu bitten? Liebe Frau Blavatsky, wann wird es endlich wieder Frühling?

  • La Gazza Ladra (S.430)

„Ein Leierkastenmann nudelt Rossinis Ouvertüre zu La Gazza Ladra („Die diebische Elster“, Anm. Hibou), die, wie wir später in Berlin, sehen werden, einen Höhepunkt der Musikgeschichte darstellt, den alle ignoriert und statt dessen Beethoven vorgezogen haben, der es immer nur zu Absichtserklärungen brachte)“

Pynchon kennt seinen Rossini, wie die mehrfache Erwähnung auch von „Wilhelm Tell“ zeigt. Im Übrigen haben eben nicht alle Rossini ignoriert, dessen „La Gazza Ladra“ am 31 Mai 1817 in der Scala zu Mailand Première feierte, auch Bianca Castafiore, die „Mailänder Nachtigall“,  sang ausser Gounod manchmal Rossini, ja, der diebischen Elster ist bei „Tim und Struppi“ sogar ein ganzer Band gewidmet!

  • Gödels Theorem (S. 433) (501)

„Die barsche, irisch-proletarische Version von Gödels Theorem“ („was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“ nach Murphy):

Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.

  • DP (S.441)

„Displaced Persons“: nach dem Krieg gab es viele Versprengte. (Aber was sind plazierte Leute?)

  • Imipolex G (S.433, 444, etc.) „Schwarzgerät

„Das ‚S-Gerät‘, das Slothrop wie einen heiligen Gral zu jagen glaubt…“

Mit ihm wird die Rakete plötzlich ungeahnte Formen und Wirkungen annehmen? Eine einzige V2 war mit Imipolex ausgerüstet. Nu aber ist Wernher von Braun tot. Wir müssen also die NASA fragen, was es ist.

  • Eibe (S.473)

„Das ist die eine Bedeutung der Form der Tunnel hier unten in den Mittelwerken. Eine andere mag in der alten Rune liegen, die für die Eibe steht, oder den Tod.“

Die Eiben (Taxus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Eibengewächse (Taxaceae). Der wissenschaftliche Name der Gattung leitet sich von dem griechischen Wort für Bogen τóξoν ab und verweist auf die ursprüngliche Verwendung des Holzes.

An der Eibe sind alle Teile giftig, ausser dem Frucgtfleisch der roten Beere. Samen, Nadeln und Rinde enthalten das Alkaloid Taxin, Menschen und Pferde haben sich oft daran vergiftet. Die Eibe vermehrt sich durch Windbestäubung (Anemophlie). Habt ihr jemals Eiben in windstillen Gegenden gesehen?

  • Bayros (S.517)

„…dass die haarlose Fotze in den Bildern von Bayros nachempfunden ist…“

 

  • Moisin (S.531)

„die Anleitung für das Zerlegen einer Moisin“

If the Moisin Nagant Rifle is so great?

Why was the Soviet Union the only country in World War Two to make its primary infantry weapon a submachine gun?

Why were the Soviets happy to cut a Moisin Nagant Rifle barrel in two, to make two Ppsh-41’s?

  • On s’engage, et puis on voit (S.541)

„Napoleon schrieb: ‚On s’engage et puis on voit.‘ In freier Übersetzung heißt das. „Man muß zunächst einen ernsten Kampf aufnehmen, dann wird schon das weitere ersichtlich“. So haben wir auch zunächst einen ernsten Kampf im Oktober 1917 aufgenommen, und dann wurden schon einige solcher Einzelheiten ersichtlich (vom Gesichtspunkt der Weltgeschichte sind es zweifellos Einzelheiten), wie der Brester Frieden oder die „neue ökonomische Politik““ usw. Die Leninsche Theorie und Taktik der Kompromisse ist also nur die sachlich-logische Folge aus der marxistischen, der dialektischen Geschichtserkenntnis, daß die Menschen zwar ihre Geschichte selbst machen, sie aber nicht unter selbstgewählten Umständen machen können.” (Georg Lukacs)

  • Ajtys (s.557)

„Es ist ein Ajtys – ein Gesangsduell.“

Die Kasachen sind ein gastfreundliches Volk. Wenn Sie unangemeldet zu einem Kasachen zu Besuch kommen, wird er sich genauso sehr freuen, als wenn Sie nach vorheriger Einladung gekommen wären. Achtung vor den Älteren, Toleranz und Friedfertigkeit sind Grundtugenden der Kasachen; jedes Kind lernt sie- und deswegen gibt es in Kasachstan auch keine nationalen oder religiösen Konflikte.
Einen Gast empfängt man an einem reichlich mit Nationalspeisen gedeckten Tisch (Dastarchan), wenn möglich, in der Jurte.

Bei den Kasachen wird die Kunst der schönen Rede und der instrumentellen Begleitung von alters her hochgeschätzt. Personen, die diese Kunst der sprechenden und musikalischen Improvisation beherrschen (Akyn), werden im Volk hochgeschätzt. Beliebt sind öffentliche Wettstreite der Akyns (Ajtys). Die am meisten verbreiteten Volksinstrumente sind die zweisaitige Dombra und das Streichinstrument Kobyz.

  • Qumys (S.558)

„Du hast zu viel getrunken vom Qumys,/ mir scheint, ich höre die Worte des Qumys…“

Das Darbieten von Stutenmilch zum Empfang wurde bei den Mongolen als Ehrerweis betrachtet, wie Ibn Battuta in seiner arabischen Reiseschilderung in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts beschreibt: „Diese Türken kennen die Gewohnheit nicht, einen Neuankömmling unterzubringen und ihm eine Summe auszusetzen. Sie schicken ihm lediglich Hammel und Pferde zum Schlachten, ferner Schläuche mit qumys (Stutenmilch). Darin besteht ihre Ehrung.“ Zitiert nach Bertold Spuler, Geschichte der Mongolen. Nach östlichen und europäischen Zeugnissen des 13. und 14. Jahrhunderts, Zürich 1968, 225; eine ausführliche Beschreibung findet sich ebenfalls in in dem Kapitel über ‚Die große Tatarei‘ in Hans Schiltbergers Reisebuch, hg. von Valtentin Langmantel (= Bibliothek des litterarischen Vereins 172), Tübingen 1885, cap. 37, 61f.; vgl. auch Thomas T. Allsen: Culture and Conquest in mongol Eurasia, Cambridge 2001, S. 128.

  • John Dillinger (S.577)

„Die Wände sind mit grossformatigen Fotos von John Dillinger dekoriert…“

John Herbert Dillinger (22. Juni, 190322. Juli, 1934) war ein Amerikaner Bankräuber, betrachtet worden durch einiges, um ein gefährlicher Verbrecher zu sein, während andere ihn als Letzttag anbeteten Robin Hood. Er gewann dieses Renommee (und den Spitznamen „Hasen“) für seine würdevollen Bewegungen während Bank heists, wie Springen über die Gegen- (eine Bewegung kopierte er angenommen von den Filmen) und schmalen Getaways von der Polizei. Seine Großtaten, zusammen mit denen anderer Verbrecher der dreißiger Jahre Tiefstandära, wie Bonnie und Clyde und MA Barker, vorherrsch der Aufmerksamkeit der amerikanischen Presse und seinen Lesern während, was manchmal als gekennzeichnet allgemeiner Feind ära, zwischen 1931 und 1935, eine Periode, die zu die weitere Entwicklung vom modernen und das hoch entwickelter führten FBI. 1974 während seiner ersten Reise nach Amerika, Künstler Joseph Beuys zahlender Tribut zu John Dillinger, durch reenacting seinen Tod außerhalb des Biograph Theaters.

  • Die Böse Stunde“ (S.585)

„Die Stunde zwischen elf und zwölf am Vormittag ist die Böse Stunde, zu der die Weisse Frau mit dem grossen Schlüsselbund aus ihrem Berg heraustritt…“

Diese Erscheinung wird oft auch „Die Mittagsfrau“ genannt. J.J. Rousseau erschien sie, als er nach Paris wanderte. Er schrieb danach sogleich die erste seiner berühmten Schriften. Agnostiker (also net hibou ) behaupten, er habe lediglich einen Sonnenstich gehabt….

  • Ekrü, Kardeelen, Semiretschje, Kremser

In Pynchons Werk befinden sich auch diese unerklärlichen Worte…….“

  • „Don’t sit under the apple tree“ (S.596)

ARTIST: Glenn Miller

TITLE: Don’t Sit Under the Apple Tree

Lyrics and Chords

 

 

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

/ G – GC G / D – GC GD / G – GC G / D – G – /

 

Don’t go walkin‘ down Lovers‘ Lane with anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Don’t go walkin‘ down Lovers‘ Lane with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

I just got word from a guy who heard

From the guy next door to me

The girl he met just loves to pet

And it fits you to a T

So, don’t sit under the apple tree with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

/ C – / GD G / Em – / D – / G – GC G / D – G – /

 

Don’t give out with those lips of yours to anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Watch those girls on foreign shores, you’ll have to report to me

When you come marchin‘ home

 

Don’t hold anyone on your knee, you better be true to me

You better be true to me, you better be true to me

Don’t hold anyone on your knee, you’re gettin‘ the third degree

When you come marchin‘ home

 

You’re on your own where there is no phone

And I can’t keep tabs on you

Be fair to me, I’ll guarantee

This is one thing that I’ll do

I won’t sit under the apple tree with anyone else but you

‚Til you come marchin‘ home

 

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

I know the apple tree is reserved for you and me

And I’ll be true ‚til you come marchin‘ home

 

/ G – GC G / D – D7 – / A – D7 – G – GC G /

 

 

 

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27. Februar 2011

Major Tschitscherin im Siebenstromland

Ein etwas phantastischer Blog mit (verbotenen) Allusionen auf Freitags-Community-Mitglieder…

…welcher mal wieder bei Marco in Turgutreis beginnt (Aber halt: muss erst Maike Hank fragen, ob ich Namen erwähnen darf, wenn nicht, müsst ihr mich halt sperren und dann sehen, wer über Pynchon schreibt…. )(Da fällt mir ne Story zu Maike ein: darf ich? Sie hatte jüngst Besuch von ihrem Onkel Tom Hanks aus den Staaten. Dieser war (er hat Flugangst) mit dem Ozeandampfer “Jakob Augstein” gekommen, hatte sich aber zu weit über die Reling gebeugt und dabei aus seinem Namen ein “s” verloren…. Inzwischen hat er es gottseidank auf der Rückreise wiedergefunden (naja, GPS)

Also ich sitze bei Marco und denke über die jüngste Pynchon’sche Phantasmagorie nach. Die Sonne scheint sehr warm, aus dem Lautsprecher tönt ein Weihnachtslied, aber in der Form einer schottischen Quadrille mit Dudelsack: O Jesu parvule-he-he, nach dir ist mir so we-he-he! (Christian Berlin!) Wirklich ein wunderbares Buch!! Eben dieses Lied kam ja auch schon im ersten Kapitel vor! Aus den Augenwinkeln lese ich – mit ungelenken Grossbuchstaben rosa auf eine schwarze Tafel geschrieben:

MARCOS

BREAKFAST

MAİN MEALS

SNACKS

DRINKS

BEER

WINES

(und denke – na logo, an weinsztein)

Also hier ein Überblick über die Chose (Seiten 529-562)

Der Mann mit dem vogelzwitscherigen Namen Tschitscherin und dem Vornamen Wjatscheslaw ist der feste Freund Gelis und der mythische Halbbruder Enzians. Ich habe ihn kurzerhand befördert, obwohl er eigentlich Hauptmann ist.Vor all diesen Verschlingungen finden wir ihn in einer Bärenecke drunten im Siebenstromland (obs da auch Pandabären gibt, poor?)

Das Siebenstromland kasach. Жетысу/Schetysu, kirgis. Джетисуу/Dschetisuu; (russ. Семиречье/Semiretschje) ist eine Landschaft in Zentralasien.

Es ist eine von den Bergketten des nördlichen Tianshan und des Dsungarischen Alataus zum Balchasch-, Sassykköl– und Alaköl-See geneigte Abdachungsebene. Sie ist benannt nach den sieben Hauptflüssen Ili, Qaratal, Bien, Aksu, Lepsy, Baskan und Sarkand.

Politisch gehört das Siebenstromland heute größtenteils zu Kasachstan, die südlichen und südöstlichen Randgebiete zu Kirgisistan und der chinesischen Autonomen Region Xinjiang.

An das südliche Flachufer des Balchaschsees schließen sich breite Sandwüsten (Taukum, Sary-ischikotrau, Ljukkum) an, die von zahlreichen Trockentälern (Bakanas) durchzogen sind. Das im Wesentlichen mit Wüstenvegetation bedeckte Siebenstromland wird als Winterweide genutzt, nur im Nordwesten, im Bereich des wasserreichen Ili, wird Bewässerungsfeldbau betrieben. Die Vorgebirge sind bis in 2.000 Meter Höhe von lichtem Laubwald, darüber von Nadelwald bedeckt.

Wegen des Namens etwas zur Zahl sieben: Sowohl Rom als auch İstanbul sind auf sieben Hügeln erbaut. Städte, die etwas auf sich halten, legen sich deshalb diesen Mythos auch zu (zum Beispiel Amman, Alien59!)). Sieben Strassen (also lange nicht alle) führen nach Rom. Sieben Tage hat die Woche. Die sieben Schwaben und ihre unglücklichen Streiche kommen zwar aus der Sage, leben aber bis heute fort. Der Siebenschläfer steht sehr spät erst auf. Die Alten kannten sieben Planeten. Ein besonders listiger, kühner und mutiger Mensch ist in der Schweiz ein „Siebensiech“ (Dem Ausdruck haftet Bewunderung an).

Aber sieben Flüsse? Für mich was neues. Sie münden alle in den abflusslosen Balkasch-See. Trotz des reichlichen Wassers aus den hohen Bergen ist das Siebenstromland fast Wüste, bestenfalls Weideland. Eine wunderbare Umgebung für, na, zum Beispiel Pferde, alle Arten von Vieh, also auch für Nomaden (Hibou!). Die Seidenstrasse führte nur ganz am Rande vorbei.

Der grösste Fluss ist der Ili (die Ili? Ich hatte mal ne Freundin Ilona, genannt Ili, aber sie kam aus Krasnodar, was uns ja viel näher als Kasachstan ist (frag Krem-Browning). In allen Quellen (sic!) wird der Ili als „wasserreich“ beschrieben. (schmückendes Beiwort, Epitheton ornans, Oranier!). Er kommt vom Lande der Uiguren hinuntergeflossen. Also wenn wir Türken net daher stammen, so kamen wir jedenfalls da runtergeritten…. Die Ecke wird als ein Land des Schweigens (Kalle Wirsch) beschrieben. Ist das aber net ein Widerspruch zu den lauten Türken? (Eben hält gegenüber vom Marco ein Auto an, etwa neun Leute steigen aus und fangen alle gleichzeitig an zu reden). Ich habs! Die Türken nahmen die Redseligkeit mit und liessen nur das Schweigen zurück!!

Break: hier ne gute und ne schlechte Nachricht: Ein (dickes) Buch liest sich viel leichter (Magda!), wenn man sich selbst zuvor eine Aufgabe stellt, etwa: wo und wie und warum werden in dem Roman Pferde erwähnt?, oder: auf welcher Seite steht das Wort „Eibe“, na, irgendwas, was weiss ich, gebrauchte Sex-Heftchen (Michael Angele) oder so…. Nu aber die schlechte Nachricht: wegen Komplexität muss man, so scheint mir, dieses Buch mindestens zweimal lesen, sonst bleibt einem vieles Schwarzkommando….

Zur Sache: Tschitscherin (Major) wird in der frühen Stalin-Zeit wegen Drogenhandels oder so, von Baku nach dem Siebenstromland versetzt, dort wird er er mit zwei Russinnen, der ernsten Lehrerin Galina, und der symbiotisch mit ihr verbundenen Luba zu einem Dreigestirn der (russischen) Exilanten. Der georgische Alleinherrscher hatte nämlich die Losung „Seid-nett-zu-den-Nationalitäten“ ausgegeben (wie ja auch – wenn man ehrlich ist, die Russen in Afghanistan bisher die waren, die am meistenfür Fortschritt sorgten, gell, Liebling?), so dass auch Tschitscherins bester Freund und Weggefährte Džaqyp Qulan (die schreim da auch „q“, wie Rahab) – die beiden kommen mir wie Gilgamesch und Enkidu vor, wie sie da zusammen durchs Weideland reiten….-  nun im Gegensatz zu seinem Vater, welcher bei den zaristischen Pogromen gegen Kirgisen, Usbeken und Sarten gelyncht wurde, seines Lebens sicher ist. (bei „Džaqyp“ handelt es sich offensichtlich um Jakob, und „Qulan“  oder Kulan ist ein Wildesel (von Pferdeartigen gleich mehr)). Die Russen sollen nun ein neues Alphabet, das WZK NTA (Wsesojusny Komitet Nowowo Tjurkskowo Alfawita – Komitee für ein neues, türkisches Alphabet – wobei „türkisch“ sich zugleich von kyrillisch wie auch arabisch absetzt – diese Völker sind ja alle islamischen Glaubens, gell, Muhabbetci?) einführen (aber wie kann man einem schweigenden Volk ein Alphabet beibringen? Oder wird man etwa durch Lesen und Schreiben redselig?). Jedem einzelnen Buchstaben sind mehrere Leute zugeteilt, Tschitscherin ist fürderhin für das „ƪ“ zuständig. Ich denke, es ist das ğ, das gutturale, das „yumuşak g“, im Gegensatz zum harten „g“ (mit dessen Zuständigen sich auch sogleich Kontroversen ergeben). Tschitscherin jedenfalls spricht das Wort „Stenographie“ ab sofort mit gutturalem „g“……..

Wir erfahren auf diesen wenigen Seiten auch den Grund der Versetzung vom heimeligen Baku ins unwirtliche Siebenstromland, wo man in den langen Wintern, in denen die Teegläser klebrig auf den Fensterbrettern stehen, Préférence spielt und höchstens vor die Tür geht, um zu pissen oder ein paar Schüsse auf überraschte Wölfe abzugeben. Tschitscherin hatte mit einem deutschen Kumpel (Glimpf? Wimpf? Pimpf?) an der Herstellung von Opiumpräparaten (zyklische Benzylisochinoline, Merdeister, Columbus!) gearbeitet. Die Aufgabenstellung war gewesen: wie stellt man ein Schmerzmittel her, das nicht süchtig macht? Sie erwies sich als unerfüllbar: denn je besser der Schmerz weggedrückt wird, desto mehr verlangt man von dem Stoff, gell?). Es war wohl zu ausserlaboratoralem Gebrauch gekommen. Kekulé der als erster die Benzolkette „erfand“ („Kekulés Traum“) und damit den Beginn des Plastikzeitalters ermöglichte, kommt ja auch in unserm Buch vor, so wie auch eben hier der Kohlestoff, buchstäblich und allegorisch. (Sowohl das Graphit in unserem Bleistift als auch die Briketts in Goedzaks Ofen als auch die Fahrerzelle des F1-Renners von Sebastian Vettel als auch die Diamanten um Dame-von-Welts Hals sind ja aus mehr oder weniger reinem Kohlenstoff!) Und auch hier in der äussersten Ecke Kasachstans wird der Kohlenstoff uns als wahrer Tausendsassa gegenwärtig (gell, Nemequitte, hm, Materie und Geist).

Wir erfahren auch, wieso der Herero Enzian und der Russe Tschitscherin Halbbrüder sind. Des Majors Vater hatte nämlich auf einem der russischen Kriegsschiffe, die im russisch-japanischen Krieg den ganzen langen Weg vom Baltikum nach Port Arthur (oder Wladiwostok?) dampften, Dienst getan. Er ertrank bei der verlorenen Seeschlacht bei Tsushima. Vorher aber hatte er bei einem Zwischenhalt im südwestafrikanischen Lüderitzbucht eine Hererofrau so nahe kennengelernt, dass er selbige mit einem Kind zurückliess, eben dem späteren „Enzian“, den es ebenfalls nach Nordhausen im Harz verschlagen sollte. Zuhause in St.Petersburg lernte der Säugling Wjatscheslaw inzwischen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen…..

Nun aber zu den Pferden (die Russen haben bald als letzte noch ein Gefühl für sie). Sie sind wohl das untergründige Geheimthema, der running gag, dieser Exkurse. Allenthalben werden sie (zu)geritten oder zumindest erwähnt. Sogar Katharina die Grosse kommt vor.

Tschitscherin und Džaqyp Qulan sind, nach einem Hinweis aus einem dörflichen Gesangswettstreit, auf der Suche nach dem „Kirgisischen Licht“. Es ist quasi eine Imagination. Niemand vermag es unbeschadet zu sehen. Man stirbt davon oder erblindet. Auch Tschitscherin muss von Džaqyp gesundgepflegt werden.

Im Weiteren – ich weiss es noch nicht – kehrt der russische Geheimdienstoffizier bestimmt wieder nach Deutschland zurück. Das Hauptmotiv des Buches bleibt doch die Rakete (die mit blendend hellem Blitzen erscheint)

Was für einen Stil hat dieser Pynchon! Immer wieder kommt es zwischen Technik und Sex nein, auch BEI Technik und Sex („Sein Penis wurde von etwas umschlossen, was wärmer war als seine Faust“) zu solchen Sätzen: (Hört zu, wenn ihr schon net lest)

„Es war ein Land des besoffenen Heimwehs nach Städten, der Stille kirgisischer Ritte und des pausenlosen Bebens der Erde…“

„Das grosse Schweigen des Landes ist noch nicht alphabetisiert, wird es vielleicht niemals werden.“

„Sass er wirklich in diesem schmuddeligen Hinterzimmer, hörte die Liftkabel ächzen und gegen die dünne Mauer schlagen, und, von der Strasse herauf selten genug, ihm etwas beizumessen, das Peitschenknallen und Hufeklappern einer Droschke auf den alten schwarzen Pflastersteinen?“

„Wie alphabetisch ist doch die Natur der Moleküle, … auch sie können moduliert, getrennt, neu zusammengefügt, umgedeutet, eins an das andere mischpolymerisiert werden zu weltweiten Ketten, die nur hin und wieder an die Oberfläche des molekularen Schweigens treten, wie die sichtbaren Teile eines geknüpften Teppichs

„In the ancient tales it is told […] that a land far distant/Is the place of the Kirghiz Light. […] It comes as the Kirghiz Light–There is no other way to know It. […] The flash of Its light is blindness […] And a man cannot be the same/After seeing the Kirghiz Light. […] For the Kirghiz Light took my eyes/Now I sense all Earth like a baby. […] It is north, for a six-day ride […] And if you have passed without danger/The place of the black rock will find you. […] But if you would not be born/Then stay with your warm red fire […] And the Light will never find you, And your heart will grow heavy with age […]“

Menno. Meine ganzen Ausrufezeichen sind aufgebraucht. Und sorry, dass ich so viele nette und garstige Community-Loitz NET erwähnt hab( wie den Donnerstag, Anne Klatsche, Mat Dillon, Belle Hopes, Archie, Ed, Wolfram, Joachim, Hermanitou –aehm – naja und das ganze Rudel)

25. Februar 2011

Slothrop fliegt im Ballon nach Berlin (S.515-525)

Auch hier musste ich an ein Comic Denken. Eine Bande Kinder mit Aethylalkoholkanistern, Holstein-Frisian-Kühe, die auf Tellerminen treten, Eierschaum-Tortenwerfen auf verfolgende Flugzeuge, Ficken unter der Brücke, Geli in ihrem weissen Kleidchen und mit Rattenschwänzchen, schlüpfrige Limericks in den Lüften. Ach, wäre Hergé doch hier, nein, der is jugendfrei, dann also Jacques Tardi. Er hätte ja Nestor Burma in den Ballon setzen können! Slothrop wird vom Mädchen Geli verfrachtet. “Aber ich will gar nicht nach Berlin!” “Du willst dorthin, wo Deine Feinde nicht sind”, säuselt sie.

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24. Februar 2011

Schwarzkommando ( – S.515)

Wir erfahren genaueres über diese Wahnsinnsgruppe, die in der “Erdschweinhöhle” noch nach dem Ende des Krieges ihre Zentrale hat – und allenthalben in Norddeutschland Untergruppen. Die Verbindung Nord-Süd wird überdeutlich: erwarten wir Hereros in Deutschland? Und ihr Oberst trägt auch noch den sehr nordischen Namen “Enzian” (Er war uns schon in Holland begegnet, als Zögling und Geliebter des SS-Hauptmanns Weissmann, alias Blicero). Da sitzen sie nun unter Tage im Harz und funken. “Einen Sender in Betrieb zu setzen ist eine Einladung an die akute Paranoia: Schlagartig entsteht ein Muster aus Antennen, Tausende von Quadratkilometern voller Feinde, alle gesichtslos (Katie, der wir auch in Holland erstmals begegenen, wird von Pynchon ebenfalls als “mit erstorbenem Gesicht” geschildert. Anm. Hibou), ganz Ohr an ihren Empfängern sitzend in ihren nächtlichen Lagern…”. Um nicht, oder nur schwerer – denn sie benutzen für Technik deutsche Ausdrücke – abgehört zu werden, senden sie in Hererosprache, einer Zunge, die z.B. über zahhlreiche Wörter für “Scheisse” (sic) verfügt…

Scheisse, warum schreibe ich eigentlich hier noch? Komme mir total einsam vor, ausserdem sieht es aus, als ob ich das Thema Pynchon alleine belege. Naja, ich lese das Buch gerne, ich schreibe gerne, ich lerne viel Neues: zum Beispiel über die Herero. Ruhrrot bezeichnet die deutsche Expedition gegen die Herero in Deutsch-Südwest zu Recht als Völkermord. Heide Wiekzoreck-Zeul hat das auch getan, selbst wenn Joschka Fischer dies noch vor wenigen Jahren (und bestimmt wird dieser Grundsatz in Berlin noch heute beherzigt, vielleicht ja auch in Ankara?) als unglückliche, weil “entschädigungsrelevante Äusserung” bezeichnet hat.

Das Hererovolk (“so habe ich gelernt”, hehe) ist nomadisch, ja “Herero” bezeichnet ursprünglich den “der Vieh besitzt”). Reflexion: bin ich also nur Nomade, weil ich Vieh besitze, und dieses wegen Futtersuche wandern muss? Scheinbar nicht: denn wir wandern auch ohne Vieh. Spannenderweise entstand Feindschaft zwischen den Autochtonen und den kolonialisierenden Deutschen auch durch den Eisenbahnbau der Deutschen im Lande. Den Herero wurde, wie üblich, ihr Land abgetrickst. Wie dialektisch: um Schienen verlegen zu können, muss man das Land besitzen. Die Eisenbahn wirkt aber a priori nomadisch.

Nebenbei wird einem klar, dass das Dritte Reich nicht nur für Grossberlin, sondern auch fürs Nachkriegs-Afrika Pläne hatte…….

 

 

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