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31. Januar 2017

Spaziergang nach Cuxhaven

Major Slothrop geht zu Fuss durch’s Nachkriegsdeutschland von Peenemünde nach Cuxhaven, begnet dabei dem dicken Knaben Ludwig und seinem Lemming Ursula, erzȁhlt vom Vorfahren William und seinen 500 Schweinen, übernachtet im Heu, auf Matratzen oder Lehnstühlen, trȁumt von verschieden verstorben Freunden im alten England, etwa von Tantivy Mucker-Maffit oder Duane Marvy, der auf dem Weg nach den Mittelwerken Dora vom Zugdach gestossen wurde….

Er trȁgt noch immer Oberst Tschitscherins Uniform, hat aber alle Insignien abgerissen. Trotzdem halten ihn viele für einen Russen.

Tschitscherin selbst taucht auch auf, ob “in echt” oder getrȁumt? Er trinkt vom Schnaps seines Fahrers Dschabajew und zweifelt an sich und der Welt….

Mir fiel ein – besonders, da gerade hier auch von Himmel und Hölle die Rede ist – dass ich einmal eine Heike Düwel kannte. Sie stammte aus Himmelpforten, das irgendwo bei Cuxhaven liegt.

In Wismar trifft Slothrop eben pünktlich ein, um den “Plechazunga” zu spielen. Dieser “Schweineheld” hat einmal Wismar vor der Invasion der Wikinger gerettet. Seither wird dies jedes Jahr gefeiert. Slothrop wird in ein Schweinekostüm –aussen Tüll, innen Stroh – gekleidet, vertreibt die Bösen –die von Kindern gespielt werden – muss sich aber anschliessend vor Bullen und Russen verstecken. Das tut er im Bett eines mecklenburger Mȁgdeleins, welches ihn anschliessend sicher aus der Stadt lotst. Immer noch im Schweinekostüm erhȁlt er bald die Gesellschaft einer Saumit Namen Frieda, begegnet mit ihr auch Pökler wieder.

Zwischenspiel mit Lyle Bland. Der tritt den Freimaurern bei, meditiert über Anarchisten, Entdecker, Forscher und die Elemente der Erde, hört sich eine Symphonie von tausenden kaputten Flipper-Automaten an (“Tilt!”) und beginnt dann von seinem Sofa aus kleine Geistreisen, die ihn jedesmal weiter weg führen, bis er endlich nicht mehr zurückkehrt.

Der Leidensmann Major Duane Marvy taucht wieder auf, nachdem er schon im Anfang des Kapitels “In der Zone” von Enzian vom Dach des Zugs gestossen wurde. Diesmal wird er an Slotrops Stelle kastriert, und dass nur, weil er aus versehen seinen Schweineanzug trȁgt. Slothrop ist nȁmlich inzwischen in Cuxhaven angekommen und versteckt/vergnügt sich im Etablissement “Putzi”, wo er in der Garderobe seine Verkleidung mit der Majorsuniform vertauscht. Dies ist also in diesem Abschnitt schon sein dritter Anzug.

Auf den Springer – und auf seine ihm versprochenen Entlassungspapiere – wartet er allerdings vergeblich.

Ich bin auch mal in Cuxhaven gewesen, fand allerdings nur einen Nacktbadestrand. Am Ufer war ein Schild “ab hier FKK”. Zwei Damen gingen, in philosophische Gesprȁche vertieft, der Wasserlinie entlang. Auf der Höhe des Schildes liessen sie gedankenverloren die Hosen runter und zogen das Bikini-Oberteil aus, um es bei ihrer Rückkehr ganz nebenbei wieder anzuziehen und auch die Höschen hochzuziehen….

In der Lüneburger Heide (in dem wunderschönen Land) trifft sich die argentinische Besatzung des U-Bootes zu Filmaufnahmen unter der Regie von Gerhard von Göll wieder. Die Aufbauten sind echt, die Requisiten auch. Graciela Imago Portales ist auch zur Stelle. “Sie hat ein paar Mal mit dem ernsten Ingenieur (Belaustegui, d.A.) geschlafen (obwohl sie früher, noch in B.A., jeden Eid geschworen hȁtte, dass sie ihn nicht einmal mit einem silbernen Strohalm trinken könnte)…”

Wenig weiter östlich hat sich ein ganzes Dorf voller Hunde konstituiert, “jeder von ihnen abgerichtet, jedem menschlichen Wesen…an die Gurgel zu springen…”

Den Schluss des Kapitels nehmen die beiden homosexuellen Offiziere Clive Mossmoon und Sir Marcus Scammony ein, und wir erfahren aus ihren Erzȁhlungen….nichts Neues über die vergebliche Suche nach dem Schwarzgerȁt der Rakette 0000, an der Slothrop, Pointsmann, Tschitscherin, sein Halbbruder Enzian und seine Herreros, Pirat Prentice und der Springer Gerhard von Göll beteiligt waren.

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