Archive for Februar, 2011

28. Februar 2011

“Cléo de Mérode” Fussnoten V (- S.596)


  • “…mit Einschüssen, die schwarz umrandet sind wie die Augen der Cléo de Mérode…” (S.367)

Cléo de Mérode, geborene Cléopatre-Diane de Mérode (* 27. September 1875 in Paris; † 17. Oktober 1966 ebenda) war eine französische Ballerina und Varieté-Tänzerin.

  • Josef Israelplein (S.380)

Ein Platz in Den Haag. Dort stand das Shell-Gebäude, auf dessen Dach man den Leitstrahlsender für die Steuerung der V2 nach England aufgebaut hatte……

  • Moxie (S.406)

„Mmmh, das Zeug schmeckt ja wie Moxie…“

 

  • DC-3 (S.418)

„Das Flugzeug ist eine mitgenommene DC-3“

Die Douglas DC-3 ist ein Flugzeug der Douglas Aircraft Company, das in 10.655 Exemplaren im Original und in 4.937 in Lizenz gebaut wurde, von denen einige noch heute kommerziell eingesetzt werden. Einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland erlangte die DC-3 als „Rosinenbomber“ während der Berliner Luftbrücke.

  • Juan d’Arienzo (S.420)

„…einen alten Tango von Juan d’ Arienzo pfeifend…“

Juan D’Arienzo Améndola (* 14. Dezember 1900 in Buenos Aires); † 14. Januar 1976 ebenda), genannt „El Rey del Compás“, war ein argentinischer Musiker (Violinist), Arrangeur, Bandleader, Komponist des Tangos. 1978, also lange nach dem Pfeifen im Buch, komponierte er den Tango “Hotel Naipaula”

  • Blavatsky-Flügel (S.424)

„Nur der Blavatsky-Flügel der PSI-Sektion war ausser Haus…“

Wäre es eventuell ratsam, das Medium  Madame Blavatsky um spirituelle Hilfe zu bitten? Liebe Frau Blavatsky, wann wird es endlich wieder Frühling?

  • La Gazza Ladra (S.430)

„Ein Leierkastenmann nudelt Rossinis Ouvertüre zu La Gazza Ladra („Die diebische Elster“, Anm. Hibou), die, wie wir später in Berlin, sehen werden, einen Höhepunkt der Musikgeschichte darstellt, den alle ignoriert und statt dessen Beethoven vorgezogen haben, der es immer nur zu Absichtserklärungen brachte)“

Pynchon kennt seinen Rossini, wie die mehrfache Erwähnung auch von „Wilhelm Tell“ zeigt. Im Übrigen haben eben nicht alle Rossini ignoriert, dessen „La Gazza Ladra“ am 31 Mai 1817 in der Scala zu Mailand Première feierte, auch Bianca Castafiore, die „Mailänder Nachtigall“,  sang ausser Gounod manchmal Rossini, ja, der diebischen Elster ist bei „Tim und Struppi“ sogar ein ganzer Band gewidmet!

  • Gödels Theorem (S. 433) (501)

„Die barsche, irisch-proletarische Version von Gödels Theorem“ („was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“ nach Murphy):

Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.

  • DP (S.441)

„Displaced Persons“: nach dem Krieg gab es viele Versprengte. (Aber was sind plazierte Leute?)

  • Imipolex G (S.433, 444, etc.) „Schwarzgerät

„Das ‚S-Gerät‘, das Slothrop wie einen heiligen Gral zu jagen glaubt…“

Mit ihm wird die Rakete plötzlich ungeahnte Formen und Wirkungen annehmen? Eine einzige V2 war mit Imipolex ausgerüstet. Nu aber ist Wernher von Braun tot. Wir müssen also die NASA fragen, was es ist.

  • Eibe (S.473)

„Das ist die eine Bedeutung der Form der Tunnel hier unten in den Mittelwerken. Eine andere mag in der alten Rune liegen, die für die Eibe steht, oder den Tod.“

Die Eiben (Taxus) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Eibengewächse (Taxaceae). Der wissenschaftliche Name der Gattung leitet sich von dem griechischen Wort für Bogen τóξoν ab und verweist auf die ursprüngliche Verwendung des Holzes.

An der Eibe sind alle Teile giftig, ausser dem Frucgtfleisch der roten Beere. Samen, Nadeln und Rinde enthalten das Alkaloid Taxin, Menschen und Pferde haben sich oft daran vergiftet. Die Eibe vermehrt sich durch Windbestäubung (Anemophlie). Habt ihr jemals Eiben in windstillen Gegenden gesehen?

  • Bayros (S.517)

„…dass die haarlose Fotze in den Bildern von Bayros nachempfunden ist…“

 

  • Moisin (S.531)

„die Anleitung für das Zerlegen einer Moisin“

If the Moisin Nagant Rifle is so great?

Why was the Soviet Union the only country in World War Two to make its primary infantry weapon a submachine gun?

Why were the Soviets happy to cut a Moisin Nagant Rifle barrel in two, to make two Ppsh-41’s?

  • On s’engage, et puis on voit (S.541)

„Napoleon schrieb: ‚On s’engage et puis on voit.‘ In freier Übersetzung heißt das. „Man muß zunächst einen ernsten Kampf aufnehmen, dann wird schon das weitere ersichtlich“. So haben wir auch zunächst einen ernsten Kampf im Oktober 1917 aufgenommen, und dann wurden schon einige solcher Einzelheiten ersichtlich (vom Gesichtspunkt der Weltgeschichte sind es zweifellos Einzelheiten), wie der Brester Frieden oder die „neue ökonomische Politik““ usw. Die Leninsche Theorie und Taktik der Kompromisse ist also nur die sachlich-logische Folge aus der marxistischen, der dialektischen Geschichtserkenntnis, daß die Menschen zwar ihre Geschichte selbst machen, sie aber nicht unter selbstgewählten Umständen machen können.” (Georg Lukacs)

  • Ajtys (s.557)

„Es ist ein Ajtys – ein Gesangsduell.“

Die Kasachen sind ein gastfreundliches Volk. Wenn Sie unangemeldet zu einem Kasachen zu Besuch kommen, wird er sich genauso sehr freuen, als wenn Sie nach vorheriger Einladung gekommen wären. Achtung vor den Älteren, Toleranz und Friedfertigkeit sind Grundtugenden der Kasachen; jedes Kind lernt sie- und deswegen gibt es in Kasachstan auch keine nationalen oder religiösen Konflikte.
Einen Gast empfängt man an einem reichlich mit Nationalspeisen gedeckten Tisch (Dastarchan), wenn möglich, in der Jurte.

Bei den Kasachen wird die Kunst der schönen Rede und der instrumentellen Begleitung von alters her hochgeschätzt. Personen, die diese Kunst der sprechenden und musikalischen Improvisation beherrschen (Akyn), werden im Volk hochgeschätzt. Beliebt sind öffentliche Wettstreite der Akyns (Ajtys). Die am meisten verbreiteten Volksinstrumente sind die zweisaitige Dombra und das Streichinstrument Kobyz.

  • Qumys (S.558)

„Du hast zu viel getrunken vom Qumys,/ mir scheint, ich höre die Worte des Qumys…“

Das Darbieten von Stutenmilch zum Empfang wurde bei den Mongolen als Ehrerweis betrachtet, wie Ibn Battuta in seiner arabischen Reiseschilderung in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts beschreibt: „Diese Türken kennen die Gewohnheit nicht, einen Neuankömmling unterzubringen und ihm eine Summe auszusetzen. Sie schicken ihm lediglich Hammel und Pferde zum Schlachten, ferner Schläuche mit qumys (Stutenmilch). Darin besteht ihre Ehrung.“ Zitiert nach Bertold Spuler, Geschichte der Mongolen. Nach östlichen und europäischen Zeugnissen des 13. und 14. Jahrhunderts, Zürich 1968, 225; eine ausführliche Beschreibung findet sich ebenfalls in in dem Kapitel über ‚Die große Tatarei‘ in Hans Schiltbergers Reisebuch, hg. von Valtentin Langmantel (= Bibliothek des litterarischen Vereins 172), Tübingen 1885, cap. 37, 61f.; vgl. auch Thomas T. Allsen: Culture and Conquest in mongol Eurasia, Cambridge 2001, S. 128.

  • John Dillinger (S.577)

„Die Wände sind mit grossformatigen Fotos von John Dillinger dekoriert…“

John Herbert Dillinger (22. Juni, 190322. Juli, 1934) war ein Amerikaner Bankräuber, betrachtet worden durch einiges, um ein gefährlicher Verbrecher zu sein, während andere ihn als Letzttag anbeteten Robin Hood. Er gewann dieses Renommee (und den Spitznamen „Hasen“) für seine würdevollen Bewegungen während Bank heists, wie Springen über die Gegen- (eine Bewegung kopierte er angenommen von den Filmen) und schmalen Getaways von der Polizei. Seine Großtaten, zusammen mit denen anderer Verbrecher der dreißiger Jahre Tiefstandära, wie Bonnie und Clyde und MA Barker, vorherrsch der Aufmerksamkeit der amerikanischen Presse und seinen Lesern während, was manchmal als gekennzeichnet allgemeiner Feind ära, zwischen 1931 und 1935, eine Periode, die zu die weitere Entwicklung vom modernen und das hoch entwickelter führten FBI. 1974 während seiner ersten Reise nach Amerika, Künstler Joseph Beuys zahlender Tribut zu John Dillinger, durch reenacting seinen Tod außerhalb des Biograph Theaters.

  • Die Böse Stunde“ (S.585)

„Die Stunde zwischen elf und zwölf am Vormittag ist die Böse Stunde, zu der die Weisse Frau mit dem grossen Schlüsselbund aus ihrem Berg heraustritt…“

Diese Erscheinung wird oft auch „Die Mittagsfrau“ genannt. J.J. Rousseau erschien sie, als er nach Paris wanderte. Er schrieb danach sogleich die erste seiner berühmten Schriften. Agnostiker (also net hibou ) behaupten, er habe lediglich einen Sonnenstich gehabt….

  • Ekrü, Kardeelen, Semiretschje, Kremser

In Pynchons Werk befinden sich auch diese unerklärlichen Worte…….“

  • „Don’t sit under the apple tree“ (S.596)

ARTIST: Glenn Miller

TITLE: Don’t Sit Under the Apple Tree

Lyrics and Chords

 

 

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

/ G – GC G / D – GC GD / G – GC G / D – G – /

 

Don’t go walkin‘ down Lovers‘ Lane with anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Don’t go walkin‘ down Lovers‘ Lane with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

I just got word from a guy who heard

From the guy next door to me

The girl he met just loves to pet

And it fits you to a T

So, don’t sit under the apple tree with anyone else but me

‚Til I come marchin‘ home

 

/ C – / GD G / Em – / D – / G – GC G / D – G – /

 

Don’t give out with those lips of yours to anyone else but me

Anyone else but me, anyone else but me, no, no, no

Watch those girls on foreign shores, you’ll have to report to me

When you come marchin‘ home

 

Don’t hold anyone on your knee, you better be true to me

You better be true to me, you better be true to me

Don’t hold anyone on your knee, you’re gettin‘ the third degree

When you come marchin‘ home

 

You’re on your own where there is no phone

And I can’t keep tabs on you

Be fair to me, I’ll guarantee

This is one thing that I’ll do

I won’t sit under the apple tree with anyone else but you

‚Til you come marchin‘ home

 

Don’t sit under the apple tree with anyone else but me

I know the apple tree is reserved for you and me

And I’ll be true ‚til you come marchin‘ home

 

/ G – GC G / D – D7 – / A – D7 – G – GC G /

 

 

 

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27. Februar 2011

Major Tschitscherin im Siebenstromland

Ein etwas phantastischer Blog mit (verbotenen) Allusionen auf Freitags-Community-Mitglieder…

…welcher mal wieder bei Marco in Turgutreis beginnt (Aber halt: muss erst Maike Hank fragen, ob ich Namen erwähnen darf, wenn nicht, müsst ihr mich halt sperren und dann sehen, wer über Pynchon schreibt…. )(Da fällt mir ne Story zu Maike ein: darf ich? Sie hatte jüngst Besuch von ihrem Onkel Tom Hanks aus den Staaten. Dieser war (er hat Flugangst) mit dem Ozeandampfer “Jakob Augstein” gekommen, hatte sich aber zu weit über die Reling gebeugt und dabei aus seinem Namen ein “s” verloren…. Inzwischen hat er es gottseidank auf der Rückreise wiedergefunden (naja, GPS)

Also ich sitze bei Marco und denke über die jüngste Pynchon’sche Phantasmagorie nach. Die Sonne scheint sehr warm, aus dem Lautsprecher tönt ein Weihnachtslied, aber in der Form einer schottischen Quadrille mit Dudelsack: O Jesu parvule-he-he, nach dir ist mir so we-he-he! (Christian Berlin!) Wirklich ein wunderbares Buch!! Eben dieses Lied kam ja auch schon im ersten Kapitel vor! Aus den Augenwinkeln lese ich – mit ungelenken Grossbuchstaben rosa auf eine schwarze Tafel geschrieben:

MARCOS

BREAKFAST

MAİN MEALS

SNACKS

DRINKS

BEER

WINES

(und denke – na logo, an weinsztein)

Also hier ein Überblick über die Chose (Seiten 529-562)

Der Mann mit dem vogelzwitscherigen Namen Tschitscherin und dem Vornamen Wjatscheslaw ist der feste Freund Gelis und der mythische Halbbruder Enzians. Ich habe ihn kurzerhand befördert, obwohl er eigentlich Hauptmann ist.Vor all diesen Verschlingungen finden wir ihn in einer Bärenecke drunten im Siebenstromland (obs da auch Pandabären gibt, poor?)

Das Siebenstromland kasach. Жетысу/Schetysu, kirgis. Джетисуу/Dschetisuu; (russ. Семиречье/Semiretschje) ist eine Landschaft in Zentralasien.

Es ist eine von den Bergketten des nördlichen Tianshan und des Dsungarischen Alataus zum Balchasch-, Sassykköl– und Alaköl-See geneigte Abdachungsebene. Sie ist benannt nach den sieben Hauptflüssen Ili, Qaratal, Bien, Aksu, Lepsy, Baskan und Sarkand.

Politisch gehört das Siebenstromland heute größtenteils zu Kasachstan, die südlichen und südöstlichen Randgebiete zu Kirgisistan und der chinesischen Autonomen Region Xinjiang.

An das südliche Flachufer des Balchaschsees schließen sich breite Sandwüsten (Taukum, Sary-ischikotrau, Ljukkum) an, die von zahlreichen Trockentälern (Bakanas) durchzogen sind. Das im Wesentlichen mit Wüstenvegetation bedeckte Siebenstromland wird als Winterweide genutzt, nur im Nordwesten, im Bereich des wasserreichen Ili, wird Bewässerungsfeldbau betrieben. Die Vorgebirge sind bis in 2.000 Meter Höhe von lichtem Laubwald, darüber von Nadelwald bedeckt.

Wegen des Namens etwas zur Zahl sieben: Sowohl Rom als auch İstanbul sind auf sieben Hügeln erbaut. Städte, die etwas auf sich halten, legen sich deshalb diesen Mythos auch zu (zum Beispiel Amman, Alien59!)). Sieben Strassen (also lange nicht alle) führen nach Rom. Sieben Tage hat die Woche. Die sieben Schwaben und ihre unglücklichen Streiche kommen zwar aus der Sage, leben aber bis heute fort. Der Siebenschläfer steht sehr spät erst auf. Die Alten kannten sieben Planeten. Ein besonders listiger, kühner und mutiger Mensch ist in der Schweiz ein „Siebensiech“ (Dem Ausdruck haftet Bewunderung an).

Aber sieben Flüsse? Für mich was neues. Sie münden alle in den abflusslosen Balkasch-See. Trotz des reichlichen Wassers aus den hohen Bergen ist das Siebenstromland fast Wüste, bestenfalls Weideland. Eine wunderbare Umgebung für, na, zum Beispiel Pferde, alle Arten von Vieh, also auch für Nomaden (Hibou!). Die Seidenstrasse führte nur ganz am Rande vorbei.

Der grösste Fluss ist der Ili (die Ili? Ich hatte mal ne Freundin Ilona, genannt Ili, aber sie kam aus Krasnodar, was uns ja viel näher als Kasachstan ist (frag Krem-Browning). In allen Quellen (sic!) wird der Ili als „wasserreich“ beschrieben. (schmückendes Beiwort, Epitheton ornans, Oranier!). Er kommt vom Lande der Uiguren hinuntergeflossen. Also wenn wir Türken net daher stammen, so kamen wir jedenfalls da runtergeritten…. Die Ecke wird als ein Land des Schweigens (Kalle Wirsch) beschrieben. Ist das aber net ein Widerspruch zu den lauten Türken? (Eben hält gegenüber vom Marco ein Auto an, etwa neun Leute steigen aus und fangen alle gleichzeitig an zu reden). Ich habs! Die Türken nahmen die Redseligkeit mit und liessen nur das Schweigen zurück!!

Break: hier ne gute und ne schlechte Nachricht: Ein (dickes) Buch liest sich viel leichter (Magda!), wenn man sich selbst zuvor eine Aufgabe stellt, etwa: wo und wie und warum werden in dem Roman Pferde erwähnt?, oder: auf welcher Seite steht das Wort „Eibe“, na, irgendwas, was weiss ich, gebrauchte Sex-Heftchen (Michael Angele) oder so…. Nu aber die schlechte Nachricht: wegen Komplexität muss man, so scheint mir, dieses Buch mindestens zweimal lesen, sonst bleibt einem vieles Schwarzkommando….

Zur Sache: Tschitscherin (Major) wird in der frühen Stalin-Zeit wegen Drogenhandels oder so, von Baku nach dem Siebenstromland versetzt, dort wird er er mit zwei Russinnen, der ernsten Lehrerin Galina, und der symbiotisch mit ihr verbundenen Luba zu einem Dreigestirn der (russischen) Exilanten. Der georgische Alleinherrscher hatte nämlich die Losung „Seid-nett-zu-den-Nationalitäten“ ausgegeben (wie ja auch – wenn man ehrlich ist, die Russen in Afghanistan bisher die waren, die am meistenfür Fortschritt sorgten, gell, Liebling?), so dass auch Tschitscherins bester Freund und Weggefährte Džaqyp Qulan (die schreim da auch „q“, wie Rahab) – die beiden kommen mir wie Gilgamesch und Enkidu vor, wie sie da zusammen durchs Weideland reiten….-  nun im Gegensatz zu seinem Vater, welcher bei den zaristischen Pogromen gegen Kirgisen, Usbeken und Sarten gelyncht wurde, seines Lebens sicher ist. (bei „Džaqyp“ handelt es sich offensichtlich um Jakob, und „Qulan“  oder Kulan ist ein Wildesel (von Pferdeartigen gleich mehr)). Die Russen sollen nun ein neues Alphabet, das WZK NTA (Wsesojusny Komitet Nowowo Tjurkskowo Alfawita – Komitee für ein neues, türkisches Alphabet – wobei „türkisch“ sich zugleich von kyrillisch wie auch arabisch absetzt – diese Völker sind ja alle islamischen Glaubens, gell, Muhabbetci?) einführen (aber wie kann man einem schweigenden Volk ein Alphabet beibringen? Oder wird man etwa durch Lesen und Schreiben redselig?). Jedem einzelnen Buchstaben sind mehrere Leute zugeteilt, Tschitscherin ist fürderhin für das „ƪ“ zuständig. Ich denke, es ist das ğ, das gutturale, das „yumuşak g“, im Gegensatz zum harten „g“ (mit dessen Zuständigen sich auch sogleich Kontroversen ergeben). Tschitscherin jedenfalls spricht das Wort „Stenographie“ ab sofort mit gutturalem „g“……..

Wir erfahren auf diesen wenigen Seiten auch den Grund der Versetzung vom heimeligen Baku ins unwirtliche Siebenstromland, wo man in den langen Wintern, in denen die Teegläser klebrig auf den Fensterbrettern stehen, Préférence spielt und höchstens vor die Tür geht, um zu pissen oder ein paar Schüsse auf überraschte Wölfe abzugeben. Tschitscherin hatte mit einem deutschen Kumpel (Glimpf? Wimpf? Pimpf?) an der Herstellung von Opiumpräparaten (zyklische Benzylisochinoline, Merdeister, Columbus!) gearbeitet. Die Aufgabenstellung war gewesen: wie stellt man ein Schmerzmittel her, das nicht süchtig macht? Sie erwies sich als unerfüllbar: denn je besser der Schmerz weggedrückt wird, desto mehr verlangt man von dem Stoff, gell?). Es war wohl zu ausserlaboratoralem Gebrauch gekommen. Kekulé der als erster die Benzolkette „erfand“ („Kekulés Traum“) und damit den Beginn des Plastikzeitalters ermöglichte, kommt ja auch in unserm Buch vor, so wie auch eben hier der Kohlestoff, buchstäblich und allegorisch. (Sowohl das Graphit in unserem Bleistift als auch die Briketts in Goedzaks Ofen als auch die Fahrerzelle des F1-Renners von Sebastian Vettel als auch die Diamanten um Dame-von-Welts Hals sind ja aus mehr oder weniger reinem Kohlenstoff!) Und auch hier in der äussersten Ecke Kasachstans wird der Kohlenstoff uns als wahrer Tausendsassa gegenwärtig (gell, Nemequitte, hm, Materie und Geist).

Wir erfahren auch, wieso der Herero Enzian und der Russe Tschitscherin Halbbrüder sind. Des Majors Vater hatte nämlich auf einem der russischen Kriegsschiffe, die im russisch-japanischen Krieg den ganzen langen Weg vom Baltikum nach Port Arthur (oder Wladiwostok?) dampften, Dienst getan. Er ertrank bei der verlorenen Seeschlacht bei Tsushima. Vorher aber hatte er bei einem Zwischenhalt im südwestafrikanischen Lüderitzbucht eine Hererofrau so nahe kennengelernt, dass er selbige mit einem Kind zurückliess, eben dem späteren „Enzian“, den es ebenfalls nach Nordhausen im Harz verschlagen sollte. Zuhause in St.Petersburg lernte der Säugling Wjatscheslaw inzwischen, sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen…..

Nun aber zu den Pferden (die Russen haben bald als letzte noch ein Gefühl für sie). Sie sind wohl das untergründige Geheimthema, der running gag, dieser Exkurse. Allenthalben werden sie (zu)geritten oder zumindest erwähnt. Sogar Katharina die Grosse kommt vor.

Tschitscherin und Džaqyp Qulan sind, nach einem Hinweis aus einem dörflichen Gesangswettstreit, auf der Suche nach dem „Kirgisischen Licht“. Es ist quasi eine Imagination. Niemand vermag es unbeschadet zu sehen. Man stirbt davon oder erblindet. Auch Tschitscherin muss von Džaqyp gesundgepflegt werden.

Im Weiteren – ich weiss es noch nicht – kehrt der russische Geheimdienstoffizier bestimmt wieder nach Deutschland zurück. Das Hauptmotiv des Buches bleibt doch die Rakete (die mit blendend hellem Blitzen erscheint)

Was für einen Stil hat dieser Pynchon! Immer wieder kommt es zwischen Technik und Sex nein, auch BEI Technik und Sex („Sein Penis wurde von etwas umschlossen, was wärmer war als seine Faust“) zu solchen Sätzen: (Hört zu, wenn ihr schon net lest)

„Es war ein Land des besoffenen Heimwehs nach Städten, der Stille kirgisischer Ritte und des pausenlosen Bebens der Erde…“

„Das grosse Schweigen des Landes ist noch nicht alphabetisiert, wird es vielleicht niemals werden.“

„Sass er wirklich in diesem schmuddeligen Hinterzimmer, hörte die Liftkabel ächzen und gegen die dünne Mauer schlagen, und, von der Strasse herauf selten genug, ihm etwas beizumessen, das Peitschenknallen und Hufeklappern einer Droschke auf den alten schwarzen Pflastersteinen?“

„Wie alphabetisch ist doch die Natur der Moleküle, … auch sie können moduliert, getrennt, neu zusammengefügt, umgedeutet, eins an das andere mischpolymerisiert werden zu weltweiten Ketten, die nur hin und wieder an die Oberfläche des molekularen Schweigens treten, wie die sichtbaren Teile eines geknüpften Teppichs

„In the ancient tales it is told […] that a land far distant/Is the place of the Kirghiz Light. […] It comes as the Kirghiz Light–There is no other way to know It. […] The flash of Its light is blindness […] And a man cannot be the same/After seeing the Kirghiz Light. […] For the Kirghiz Light took my eyes/Now I sense all Earth like a baby. […] It is north, for a six-day ride […] And if you have passed without danger/The place of the black rock will find you. […] But if you would not be born/Then stay with your warm red fire […] And the Light will never find you, And your heart will grow heavy with age […]“

Menno. Meine ganzen Ausrufezeichen sind aufgebraucht. Und sorry, dass ich so viele nette und garstige Community-Loitz NET erwähnt hab( wie den Donnerstag, Anne Klatsche, Mat Dillon, Belle Hopes, Archie, Ed, Wolfram, Joachim, Hermanitou –aehm – naja und das ganze Rudel)

27. Februar 2011

Die Enden der Parabel – Parabel

Bin jetzt tief ins dritte Kapitel eingedrungen – “In der Zone” -, so wie Slothrop, immer noch mit seinem Alias Ian Scuffling, einer Kriegsberichterstatter-Armbinde und einem Schnurrbart à la Hemingway, teilweise auf dem Dach von Eisenbahnwaggons (ach, wäre mein idealer Reisezustand!) ins Ex-Deutsche Reich, wo eben noch nicht scharf abgegrenzte Besatzungszonen herrschen, sondern ein Interregnum sich ausbreitet, Amerikaner, Russen, Engländer und wohl auch Franzosen durcheinanderwimmeln und die Verantwortungen, Machtbefugnisse und Zuständigkeiten noch nicht festgelegt wurden. Eine “sensible Zone” wohl? Wie meist bei Pynchon auch eine erogene Zone. Geli tritt auf, in einer dachlosen Wohnung trinkt sie mit unserm treuen Ficker bleichen Wein (frage an den Archinauten: gibt es am Harzrand Wein?). Wir alle haben wohl schon von “Dora” in Nordhausen gehört, dem unterirdischen Zwangslager bei Nordhausen (“Mittelbau Dora”), zwei paralel liegende Schächte, in Form einer SS-Rune in den Fels hineingetrieben, wo die uns so treu begleitende Rakete hergestellt und zusammengesetzt wurde, sicher vor alliierter Bombardierung. (Mir selbst wurde lesend erst klar, WIE kompliziert und technisch aufwendig die V2 war….). Der Krieg ist vorbei, die Eisheiligen vorüber.

Seid Ihr mit dem Lesen auch soweit? Wo??? Ich seh Euch nirgends. Habt Ihr net auch für dieses Buch gestimmt? Wog meine Stimme vielleicht so schwer? Net ärgern: ich finde, jeder darf auch ausreissen (gg)!

Ein Interregnum: “Die kaiserlose, die schreckliche Zeit” wurde dasjenige zwischen dem Aussterben der Babenberger (hätte fast “Babelsberger” geschrieben) und der Thronbesteigung des Rudolf von Habsburg, 1246-78, genannt. Überhaupt nicht schrecklich! würde ich heute sagen. Ein solches herrscht grade in Deutschland. Das Nazireich ist untergegangen, und schon werden seine Reste und Plünnen als Souvenirs verscheuert. Slothrop tummelt sich wie viele andere zu der Zeit im Mittelbau Dora. Er soll ja noch immer “die Rakete auswendig lernen”

Mir fiel auf, dass der Architekt, Etzel Ölsch, hier ein Schüler Albert Speers, den  Ausgängen Doras Parabelform gab (und später dazu sagte: son Zufall! Genau wie die Flugbahn der Rakete….)(“die Albert-Speer-Masche”)(S.467)

Speer, wohl jedermensch dadurch bekannt, dass er für Hitler Berlin zur “Welthauptstadt Germania” umbauen sollte. Zum Hüter für eine Perversion bestellt. Nebenbei gesagt: das Hitler-Reich steht für zahlreiche solche Perversionen, die eben dadurch so widerlich sind, dass sie haarscharf NEBEN der Wahrheit angesiedelt wurden. Forscht selbst! “Das III. Reich” = Joachim von Fiore, dem mittelalterlichen Mystiker des dritten Reiches gestohlen! Das Hakenkreuz: ein nur in der Richtung der Haken verändertes uraltes Sonnensymbol… etc. Besonders Heinrich Himmler kannte sich damit aus…

Ein anderes: Das Tannhäuser-Syndrom. Vielleicht ein Schlüssel zur romanlang seltsamen Verknüpfung von Sex und Rakete?

“Es gibt eine gar nicht so seltene Persönlichkeitsstörung, die unter dem Namen Tannhäuserismus bekannt ist. Manche von uns begeben sich gerne ins Innere von Bergenş und durchaus nicht immer mit lüsternen Erwartungen – Venus, Frau Holda, körperliche Freuden – nein, viele kommen in Wahrheit wegen der Gnome, der Bergmännlein, die kleiner sind als du, wegen der Grabesstimmung, mit der die Zeit hier unten deine vermummten Wege überwölbt…..”(S.468)

Wie oft “mussten” wir, von unseren Lehrern geführt, in die Bergschächte des Harzes eindringen! In meiner Erinnerung waren Klassenfahrten vor allen Dingen Bergwerksbesuche (g). Nun, das ist inzwischen hoffentlich anders. Unsere Lehrer kamen ja grade aus dem Krieg zurück. Man musste im Lateinunterricht nur fragen: Herr T., wie wars noch damals an der Wolga? und schon ging das Verarbeitungsschauspiel los….

25. Februar 2011

Slothrop fliegt im Ballon nach Berlin (S.515-525)

Auch hier musste ich an ein Comic Denken. Eine Bande Kinder mit Aethylalkoholkanistern, Holstein-Frisian-Kühe, die auf Tellerminen treten, Eierschaum-Tortenwerfen auf verfolgende Flugzeuge, Ficken unter der Brücke, Geli in ihrem weissen Kleidchen und mit Rattenschwänzchen, schlüpfrige Limericks in den Lüften. Ach, wäre Hergé doch hier, nein, der is jugendfrei, dann also Jacques Tardi. Er hätte ja Nestor Burma in den Ballon setzen können! Slothrop wird vom Mädchen Geli verfrachtet. “Aber ich will gar nicht nach Berlin!” “Du willst dorthin, wo Deine Feinde nicht sind”, säuselt sie.

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24. Februar 2011

Schwarzkommando ( – S.515)

Wir erfahren genaueres über diese Wahnsinnsgruppe, die in der “Erdschweinhöhle” noch nach dem Ende des Krieges ihre Zentrale hat – und allenthalben in Norddeutschland Untergruppen. Die Verbindung Nord-Süd wird überdeutlich: erwarten wir Hereros in Deutschland? Und ihr Oberst trägt auch noch den sehr nordischen Namen “Enzian” (Er war uns schon in Holland begegnet, als Zögling und Geliebter des SS-Hauptmanns Weissmann, alias Blicero). Da sitzen sie nun unter Tage im Harz und funken. “Einen Sender in Betrieb zu setzen ist eine Einladung an die akute Paranoia: Schlagartig entsteht ein Muster aus Antennen, Tausende von Quadratkilometern voller Feinde, alle gesichtslos (Katie, der wir auch in Holland erstmals begegenen, wird von Pynchon ebenfalls als “mit erstorbenem Gesicht” geschildert. Anm. Hibou), ganz Ohr an ihren Empfängern sitzend in ihren nächtlichen Lagern…”. Um nicht, oder nur schwerer – denn sie benutzen für Technik deutsche Ausdrücke – abgehört zu werden, senden sie in Hererosprache, einer Zunge, die z.B. über zahhlreiche Wörter für “Scheisse” (sic) verfügt…

Scheisse, warum schreibe ich eigentlich hier noch? Komme mir total einsam vor, ausserdem sieht es aus, als ob ich das Thema Pynchon alleine belege. Naja, ich lese das Buch gerne, ich schreibe gerne, ich lerne viel Neues: zum Beispiel über die Herero. Ruhrrot bezeichnet die deutsche Expedition gegen die Herero in Deutsch-Südwest zu Recht als Völkermord. Heide Wiekzoreck-Zeul hat das auch getan, selbst wenn Joschka Fischer dies noch vor wenigen Jahren (und bestimmt wird dieser Grundsatz in Berlin noch heute beherzigt, vielleicht ja auch in Ankara?) als unglückliche, weil “entschädigungsrelevante Äusserung” bezeichnet hat.

Das Hererovolk (“so habe ich gelernt”, hehe) ist nomadisch, ja “Herero” bezeichnet ursprünglich den “der Vieh besitzt”). Reflexion: bin ich also nur Nomade, weil ich Vieh besitze, und dieses wegen Futtersuche wandern muss? Scheinbar nicht: denn wir wandern auch ohne Vieh. Spannenderweise entstand Feindschaft zwischen den Autochtonen und den kolonialisierenden Deutschen auch durch den Eisenbahnbau der Deutschen im Lande. Den Herero wurde, wie üblich, ihr Land abgetrickst. Wie dialektisch: um Schienen verlegen zu können, muss man das Land besitzen. Die Eisenbahn wirkt aber a priori nomadisch.

Nebenbei wird einem klar, dass das Dritte Reich nicht nur für Grossberlin, sondern auch fürs Nachkriegs-Afrika Pläne hatte…….

 

 

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23. Februar 2011

Zoot (Fussnoten IV, ab S. 348)

Der Zoot Suit ist ein Anzug mit wattierten Schultern und eng zulaufender Hose, der in den 1930er und 1940er Jahren in den USA vor allem von Afroamerikanern, mexikanischen Amerikanern, Puertoricanern, Italo-Amerikanern und Filipino-Amerikanern getragen wurde. Diese Art von Anzug war zunächst in der Jazz-Kultur Harlems beliebt, dort wurden sie zum Ende der 1930er Jahre als drapes bekannt. In Los Angeles wurde der Anzug dann von jungen Mexiko-Amerikanern, speziell den Pachucos, übernommen. Der Stil verbreitete sich daraufhin in den ganzen USA. Er war unter anderem auch Markenzeichen von Al Capone. Auch die Zoot Suit Riots erhielten ihren Namen von dem Anzug. In den 1950er Jahren aus der Mode gekommen, wird der Anzug heute nur noch selten getragen. Slothrop erhält einen weissen mitsamt Panama-Hut und baumelnder Schlüsselkette von Waxwing, verpfändet ihn aber später in Zürich um des Hungers willen. Die Moden – sagte schon mein Alter – kommen und gehen, und wirklich haben wir gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts wieder wattierte Schultern getragen, was heutzutage voll uncool wär, in zehn Jahren aber wieder in sein wird.

• “…ein alter Gorodki-Stock, lasiert in nichts als tote Gegenwart…” (S. 359) Gorodki (russ. “Stöckchen”) ist ein dem Krickett ähnliches Spiel aus Russland

o “’in Badajoz’, flüstert er demütig…” (S.370) Badajoz, spanische Stadt am Ufer der Guadiana, an der portugiesischen Grenze. Sowohl aus dem spanischen Bürgergkrieg als auch den Napoleonischen (Wellington, “Die spanische Braut”) bekannte Stadt.

• “Er nimmt die Stückliste, fährt durch die Spalte ‘Material’, findet ‘Imipolex G’. Frage und Antwort aus einem Blog: I still don’t understand what the Imipolex G is and what it’s connection is to Slothrop’s life. In the companion it says that Slothrop is piecing together the information he knows abotu this plastic, the rocket, and his conditioning as a child… I’m not sure I’m piecing it together. Anyone got any ideas? This may be way off but here’s what I think: Jamf paid Slothrop’s parents (by paying for Slothrop’s expensive Harvard education) so that he could experiment on the infant Tyrone. Jamf was also one of the people who had the patent of Imipolex G and I think somehow he injected it into Slothrop or something like that. I guess some conditioning may have been involved, but somehow it seems that Slothrop and the rockets containing Imipolex G have some sort of connection that is almost spiritual in that there is no physical connection (other than that they both have Imipolex G in them). I’m not sure whether that means that Slothrop predicts the fall of the rockets or if he actually causes them to fall there, though. Hopefully we get more specific information as the book continues…

• “Er merkt, dass es ihn bis zum Odeon getrieben hat…” Ein Kaffeehaus nach Wiener Vorbild, Treffpunkt zahlreicher Berühmt- und Schönheiten, später zuerst verkleinert, dann geschlossen….

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22. Februar 2011

Tyrone Slothorp im Odeon

Auf Anraten und mit Hilfe von Blodgett Waxwing (“Wachsflügel”: erinnert Ihr Euch an Dädalus?) – einem Schrank von einem Mann, gewissermassen das Urbild eines Leibwächters (gibts eigentlich auch Seelenwächter?) – entkommt Slothorp dem Cap und seinem Gemisch aus Herkunft, Geilheit und Erinnerung an Parties anderswo, und entflieht in die Schweiz (Später erfahren wir, dass seine Flucht eine überwachte war, doch auch, dass die Beschatter den Amerikaner in Zürich aus den Augen verlieren). Inzwischen ist der langjährige Weltkrieg durch die Kapitulation der Nazis in einen faulen Frieden übergegangen. Die Schweiz war all die Jahre “neutral”, von Agenten und Spionen aller beteiligten Mächte überschwemmt und sozusagen das Sinnbild der Paranoia (welche ja, wie wir aus manchen anderen Zusammenhängen wissen, jeder “geheimen” Tätigkeit, wie etwa der Spionage, irgendwie innewohnt). Noch in den letzten Zuckungen der Bestie Krieg ist Slothorps Freund Tantivy einen inszenierten Heldentod gestorben, wie Tyrone einer liegengebliebenen “Times” entnimmt.

Exkurs 1: Jelineks Übersetzung, durchwegs seriös und treffend, zeigt an einzelnen Worten, dass es österreichisches, deutsches und schweizer Deutsch gibt. In Zürich isst man weder Semmeln noch Mettwurst, sondern Weggli oder Pürli und Bratwurst, und die Cafés heissen nach den Treppen nicht “Stäggeli” sondern höchstens “Stägeli” J

Slothorp jedenfalls trinkt ne Schale im “Odeon”, wo vor ihm schon Joyce, Lenin, Trotzki und Einstein sassen, trifft dort einen Flüchtling aus Argentinien und steigt seinerseits ins Nachrichtengewerbe ein.

Exkurs 2:

Hibou: Ich war auch im Odeon!

Heike Mank: Das tut hier nix zur Sache!!

Hibou: Doch, doch. Hab sogar auch Würstchen gegessen da, UND war in der Leibwächterbranche tätig!

Heike: Du schmales Hemd?

Hibou: Naja, hatte halt keinen Zoot-Anzug…. Aber ich kenne das Niederdorf, den Uetliberg und – wenn es denn unter diesem Namen existieren täte, sogar das Hotel Nimbus!

Heike: Boah, steiler Typ biste…..

Hibou: Und im Schauspielhaus-Café sassen Nadja Tiller und Walter Giller!

Heike: DIE ham nu echt nix mit Slothorp am Hut…..

Im Laufe seiner schweizer Zeit fliegt Slothorp sogar in einer Frachtmaschine nach Genf, schläft im Flug auf Hobelspänen, weshalb er seine Einschlafzigarette SEHR vorsichtig raucht, hält sich also in den Zentren dieser Spionanhäufungen auf (lest ma Eric Ambler, John le Carré, die Highsmith, Simenon oder den einen Engländer, na, wie hiess er noch? İst auch bei Diogenes erschienen, damals noch in gelb), übernachtet, zurück in Zürich, halb erfroren auf Jamfs Grab am Berg….. Ich dachte unwillkürlich an die Tintin-Bände oder an Nestor Burma: “Tyrone bei den Agenten”…..

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21. Februar 2011

Das Panzermädchen

An einem eher trüben Morgen. Draussen fallen eben die ersten Regentropfen. Der stürmische und reichlich böige Lodos trägt viel Dreck aus dem Südosten (was liegt da? Der Nahe Osten?) mit sich. Die See ist stahlblau bis schwarz und trägt kleine weisse Schaumkrönchen. Die Geburt der Venus steht offensichtlich nicht bevor. Zeit, sich in sonnigere Gegenden zu bewegen. Vielleicht Antibes? Ah, auch da ist November. Und niemand (in Worten: niemand) interressiert sich für das dortige Casino und wie Thomas Pynchon es beschreibt. Maike hat uns eine Aufgabe gestellt: wie stelle ich aus Text mehr Text her? Alle sagen: “Gravity’s Rainbow, wir hassen Dich!” Das Buch antwortet: “Bitte rezensiere mich!” Warum nicht? Die Damen rabuliern ja inzwischen in anderen Blogs rum…..

Heute einstweilen nur ne Miniatur:

Die Enden der Parabel – Das Panzermädchen (S.386 – 393)

“… als von draussen ein grässliches Raseln, Klirren und Splittern von Holz zu hören ist. Mädchen kommen mit allen Anzeichen des Entsetzens aus den Eukalyptushainen ins Haus gestürzt, und wer walzt hinter ihnen krachend in das fahle Licht des Gartens? – Niemand anderer als der Sherman-Tank persönlich!”

Gesteuert wird er von Tamara. Er soll allerdings als Bezahlung für eine Ladung Rauschgift dienen, und ist als solche bereits an einen Dritten verpfändet, was ihn allerdings nicht am Schuss (zum Glück für die Partygäste ist’s ein Blindgänger) hindert. Alles das spielt sich auf einer der (im 2.Kapitel) üblichen Parties ab. Der Gastgeber Raoul schweift mit einem Pferd durch die Räume. Eine Nacktbadepartie schnürt zum Pool. Slothrops Hintern werden unzüchtige Angebote gemacht. Draussen kotzen zwei Offiziere in die Zinnien. Alles wirkt also ziemlich surreal (und wird vielleicht unter der Wirkung des der Sauce Hollandaise beigemischten Haschischs wahrgenommen?). Weder der Party-Ausrichter Raoul de Perlimplin noch das Panzermädchen Tamara kommen in der Erzählung weiter vor. Das Ganze hat wohl nur den Zweck, Slothrop als Messinstrument nur für Raketen zu verifizieren, da er auf den Schuss des Sherman-Panzers nicht reagiert,  und bildet ausserdem eine nette Episode innerhalb des Casino-Kapitels. Aber warum nicht? Ist etwa “Alice im Wunderland” (dessen Illustrator Tenniel hier auch erwähnt wird) weniger surreal?

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20. Februar 2011

· Pärchen-Pidgin, Fussnoten zum Dritten (ehm zum Teil 2.Kapitel)


…und alle schnatterten in einem internationalen Pärchen-Pidgin durcheinander… (S.295)

Schon sind wir wieder bei den Spezialsprachen, zu denen natürlich auch die Bubum-Sprache, Gru-Gru-Machine, Volapük, Esperanto, die Fliegensprache (Chamse dumse Flimse-Spramse?), Lingua Franca, Wallisertüütsch  nebst verschiedenen anderen gehören.

Beispiel: “Slothrop, du Sau!” stöhnt Katje…”Oink, oink, oink” macht Slothrop fröhlich…

(Ein sehr ergiebiges Buch gibt es zu allen diesen Sprechweisen: “Das Wasserzeichen der Poesie” von Serenus M. Brezengang (hinter welchem Anagramm sich Hans Magnus Enzensberger versteckt) (SEHR zu empfehlen!).

Jetzt im Herbst, der Sexy-Jahreszeit, wo die letzten Blätter fallen, könnten wir ja sogar die roten und braunen Laubblätter auf dem Boden fotografieren und dann unters Spracherkennungsprogramm geben, um zu wissen, was der wilde Wein uns sagen will… Aber wer gibt sich schon die Mühe?

 

  • ·         Früher einmal, o ja, da war er überzeugt, dass ein Minotauros auf ihn wartete… (S.229)

Pasiphae, Gattin des kretischen Königs Minos (nach anderen Erzählungen war er König im Totenreich) verliebte sich in des Zeus weissen Stier. Das war nun net einfach. Der kunstfertige Daedalus (desen Name von Stephen Daeldalus in Joyce’s “Ulysses” getragen wird) schuf ihr deshalb ein Gestell in Form des Hinterteils einer Kuh, damit sie sich da hineinbegeben und von dem Bullen bespringen lassen konnte. Sie wurde von ihm schwanger und gebar den Minotauros, ein menschliches Wesen mit einem Stierkopf, für uns Sinnbild der Gefangenheit des Menschen in seiner Tierheit, für damalige Zeiten nichts ungewöhnliches, man denke an Horus, Anubis oder die kuhäugige Isis (Heil Dir, Aegyptenland, das Dich gebar!). Trotzdem schämte sich Minos seiner. Daedalus oder anders geschriem Daidalos, musste nun das berühmte Labyrinth bauen, in dessen Innerstem der Minotaurus fürderhin hauste. Auch Daidalos und sein Sohn Ikaros wurden darin gefangengesetzt. Der erfindungsreiche Architekt und Künstler (jaja, mit ihm und Odysseus begann die Moderne!) schuf jedoch Flügel für sich und seinen Sohn, die Federn waren mit Wachs an das Gestell geheftet. Ikaros kam im Flug der Sonne zu nahe und stürzte ab. Der Architekt jedoch entfloh/ nach Afri- od Ameriko!

Die Story ist noch net zu Ende: Minos hatte Athen erobert, als Tribut musste die attische Stadt jährlich Jünglinge dem Minotaurus opfern. Das ging so lange, bis der Athener Königssohn Theseus selbst mitfuhr, den Minotauros erschlug und dank Ariadnes Faden wieder aus dem Labyrinth herausfand.

 

 

Und es geht immer noch weiter. Ariadne, eine Göttin (!) erlag dem Charme des Theseus, obwohl sie bereits dem Dionysos versprochen war. Schnöde liess dieser sie auf Naxos zurück. Erst tausende von Jahren später kam Richard Strauss vorbei und schrieb ne Oper darüber. Und wenn sie nicht…..Halt! Es geht weiter: Theseus hatte mit seinem greisen Alten Aegeus ausgemacht, dass das Schiff weisse Segel setzen würde, wenn er gesiegt habe, aber schwarze, wenn der Minotauros ihn gebodigt hätte. Das vergass Theseus, und beim Anblick der schwarzen Segel in der Ferne stürzte sich König  Aegeus von den Klippen. Er war auf der Stelle tot. Die Obduktion, quälend langsam vollzogen (“Morgen früh erst? Können Sie sich net beeilen?”), ergab einen Schädelbasisbruch und multiple Gliedmassenfrakturen, einen Leberriss mitsamt inneren Blutungen. So endete diese Expedition im Ganzen wenig befriedigend.

  • ·         Une Perm au Casino Hermann Goering (Überschrift des 2.Kapitels (S.287)

Perm = Argot für “Permission” (Erlaubnis) = Urlaub des Soldaten, Fronturlaub. Diese Info ist exklusiv von Caporal Hibou

  • “…wischen sie dahin wie Pharo-Karten…” (S.289)

Ein sagenhaftes Kartenspiel. Hatte es seinen Namen vom aegyptischen Pharao?

·         “…und schüttelt sich das Hamamelis-Rasierwasser von den Händen…” (S.292)

Hamamelis, die Indianische Zaubernuss. Kann auch in Deutschland gepflanzt werden, ist winterfest (“ein Indianer kennt keinen Schmerz”) und blüht als allererstes fast wie Kornelkirsche, auch rot! Hamamelis gilt viel in der Körperpflege……

·         “Dicht unter Land zieht ein pédalo voller Soldaten und Mädchen vorüber…” (295)

 

Das Tretboot (übrigens ein guter Nick!), das Wort “Pedale” ist leicht auffindbar, aber auch “les pieds à l’eau” (die Füsse im Wasser. Net schlimm, man fährt es meist im Bikini)

 

·         “…so dass alle Gespräche, sub rosa oder nicht, übertönt werden…” (S.305)

Die Redensart sub rosa (lat.: ‚unter einer Rose‘) kommt aus dem gehobenen Humanistendeutsch und ist – wie entre nous („jetzt mal ganz unter uns“) – eine Hinweisfloskel, die einem unerwünschten Zuhörer möglichst entgehen soll. Sie wird von sowohl elaborierten deutschen als auch englischen Sprechern verwandt und kündigt an, dass das folgende vertraulich bleiben soll.

·         “Slothrop las gerade in einem Plasticman-Comic” (S.328)

Die „Plastic Man“-Comics handeln von den Abenteuern einer gleichnamigen Figur – Plastic Man oder kurz „Plas“ – die seit einem Unfall über die Fähigkeit („Superkraft“) verfügt, ihren Körper nach Belieben zu verformen und nahezu jede ihr beliebige Gestalt nachzuahmen. Dabei ist sein Körper sowohl dehnbar wie Gummi, als auch zäh und flüssig wie Knetmasse. Plastic Man, der seine Gaben nutzt um als Detektiv und Selbstdarsteller zu beeindrucken, wurde dabei ursprünglich 1940/1941 von dem Amerikaner Jack Cole als Parodie auf die sogenannten „Superhelden“ – wie etwa Superman, Batman oder Aquaman – entwickelt, die zu dieser Zeit äußerst populär waren.

 

·         “…kommen da nicht Kazoos?” (S.357)

Ein sogenanntes Stimmveränderungsinstrument, wir haben in unserer Jugend meist nen Kamm mit einer Lage Seidenpapier dafür genommen.

·         …”dass ich ne Art Schmalspur-Van-Johnson bin?” (S.290)

Er spielte neben „Kapitän“ Humphrey Bogart als rebellischer Erster Offizier Maryk in dem Kriegsdrama Die Caine war ihr Schicksal (1954) mit, aber im selben Jahr auch neben Gene Kelly in dem Fantasy-Musical Brigadoon. Ich krieg die Paranoia!

·         “Lenis Gesicht in unruhiger Bewegung hinter dem Fenster im fliegenden Hamburger…” (S.347)

Der Verbrennungstriebwagen 877 (später DB Baureihe VT 04.0) war der erste Dieselschnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft (DRG) und zugleich der erste Stromlinienzug in planmäßigem Einsatz. Mit ihm wurde ab 1933 zwischen Berlin und Hamburg die damals weltweit schnellste Zugverbindung hergestellt. Er war als „Fliegender Hamburger“ bekannt.

 

 

19. Februar 2011

Pynchon, Anfang 2. Kapitel: Une Perm au Casino Hermann Goering

Der Schauplatz ist nicht mehr das kriegsgeschüttelte, graue und kalte London, sondern ein befreites Casino an Frankreichs Mittelmeerküste, warm und sonnig, ich schätze irgendwo bei oder in Antibes.

Es gilt nicht mehr die tödliche Praxis der V2, sondern die wohl ebenso todbringende Theorie der Rakete. Slothrop ist dahingeschickt, um “die Rakete auswendig zu lernen”. SIE haben dazu eine Reihe von Leuten abkommandiert, darunter Katje, das uns schon bekannte holländische Mädchen, das unseren Helden ausgiebig im Bett beglückt und den Sprachwissenschaftler (!) und Hirnchirurgen (!) (Kriege werden durch Hirne ausgetüftelt und sprachlich auf den Weg gebracht) Dodson-Truck. Doch wie Onkel Wanja schon bemerkte: Das ganze ist eigentlich ein Musical! Pynchon rhythmisiert den Gedankenstrom durch eingestreute Liedchen und Couplets, erweist sich dabei als echter Küchentexter, die Songs sind schrullig bis abgefahren….

Bloat und Tantivy im Duo: Der Engländer ist äusserst schüchtern (Foxtrot)

Die Ballade von Tantivy Mucker-Maffick, gesungen von Tyrone Slothorp

Dann singt er für seine angebetete Katje: Zu früh, um zu fragen (Foxtrot)

Oh, die Welt dort drüben, wohl gesungen von Thomas Pynchon

Ein Unanständiges Lied, gesungen von der Hälfte einer Casinohorde

Der Penis, den er für seinen eigenen hielt, gesungen von Stephen Dodson-Truck in Tenor, Bass und Innerer Stimme

Wenn ich also die Hand ausstrecke, von Pointsman

Pawlowien (Beguine), Webley Silbernail

Wasch mich in den Wassern…., Brigadier Pudding

“Ich bin der selige Metatron. Ich bin der Hüter des Geheimen” (Eine Stimme intoniert das)

O, O, O! Carl Orff

Mein Gesicht glänzt wie ein Mikrophon, Hilary Bounce

Julia (Foxtrot), ein abgehärmter Troubadour

Ja, wir sind die Irren auf Urlaub! Die Irren auf Urlaub….